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Deutsche Telekom verkauft US-Tochter Wie seriös sind die Geschäfte von Softbank?

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Deutsche Telekom ihre US-Tochter an den japanischen Mobilfunker Softbank verkauft. Hinter dem Deal steckt ein Unternehmer, der die gesamte Telekommunikationsbranche durcheinander wirbelt.

Die Deutsche Telekom steht kurz vor dem Verkauf ihrer US-Tochter. Foto: dpa/Archiv

Warum will die Deutsche Telekom ihre US-Tochter verkaufen?
T-Mobile USA ist in den vergangenen Monaten rasant gewachsen, was die Zahl der Kunden und den Umsatz angeht – auch durch die Übernahme des kleineren Rivalen MetroPCS. Dennoch ist das Unternehmen auf Dauer zu klein, um auf dem US-Markt zu bestehen.

Was macht das Geschäft in den USA so schwer?
Die Telekom hat es mit Verizon und AT&T zu tun, zwei Giganten, die über immense finanzielle Mittel verfügen. Und künftig wird es für Telekommunikationsunternehmen wichtig, nicht nur in Netze, sondern auch in Multimediainhalte zu investieren und die Kundenbasis massiv zu verbreitern. Aus diesem Grund hat etwa AT&T kürzlich den Satellitenfernseh-Betreiber  DirecTV für 50 Milliarden Dollar gekauft. Zudem sind in den USA enorm starke Kabelnetzbetreiber aktiv. Das spielt für T-Mobile USA eine wichtige Rolle, da Bezahlfernsehen und Telekommunikation zusammenwachsen werden.

Wann wird der Verkauf unter Dach und Fach sein?
US-Medien berichten, dass die Verhandlungen mit Softbank fortgeschritten sind. Im Sommer soll die Transaktion – es wäre der mit Abstand größte Deal einer deutschen Telekomfirma seit Jahren - über die Bühne gehen. Sie soll ein Volumen von rund 32 Milliarden Dollar haben. Die Telekom würde einen Großteil ihres Anteils an T-Mobile USA an die Softbank abgeben. Das würde nicht nur die Kasse der Telekom füllen, sie müsste vor allem nicht länger riesige Summen in den US-Markt stecken und könnte ihre Investitionen auf Europa konzentrieren.

Was will die Softbank mit T-Mobile USA machen?
Softbank hat bereits im vorigen Jahr den Mobilfunker Sprint gekauft, doch auch dieser ist zu klein, um gegen Verizon und AT&T zu bestehen. Deshalb sollen Sprint und T-Mobile USA verschmolzen werden. Ein neuer starker Herausforderer mit mehr als 100 Millionen Kunden würde entstehen, der es gegen die beiden großen aufnehmen kann.

Woher nimmt Softbank das Geld?
Es soll nur ein Teil des Preises in bar gezahlt werden. Die Telekom bekommt zudem ein Aktienpaket des neuen Unternehmens. Die Softbank ist eines der am stärksten verschuldeten Firmen weltweit. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg taxiert die Verbindlichkeiten auf 90 Milliarden Dollar. Zugleich ist das Unternehmen aber an dem chinesischen Internetkaufhaus Alibaba beteiligt, das demnächst an die Börse kommen soll. Der Wert des Anteils liegt bei etwa 58 Milliarden Dollar.

Wie seriös sind die Geschäfte von Softbank?
Masayoshi Son ist der Chef ist der Gründer und Chef des Konzern. Er wird schon mit der Investorenlegende Warren Buffett verglichen. Son baute in den vergangenen Jahren Softbank von einem Software-Großhändler zu einem aggressiven Mobilfunker aus, der vor allem in Japan als Preisbrecher agiert. Ähnliches plant er nach Einschätzung von Beobachtern auch in den USA.

Was passiert, wenn die Fusion von T-Mobile und Sprint doch noch scheitert?
Sons Strategie ist nichts anderes als eine gigantische Wette auf das Wachstum des Mobilfunkmarktes. Branchenkenner erwarten, dass er - etwa bei einem Verbot des Deals in den USA durch Kartellbehörden - in Europa auf Einkaufstour geht und sich hier Mobilfunker aus der zweiten Reihe kaufen könnte. Zudem setzt  er darauf, dass das mobile Internet mit multimedialen Angeboten massiv an Bedeutung gewinnt, neben Fernsehen und Videos dürften Computerspiele, Musikdienste und Shopping im Fokus stehen. Deshalb ist er unter anderem auch an dem Musikkonzern Universal Music interessiert, den er für 8,5 Milliarden Dollar kaufen will. Er soll eine Reihe weiterer Übernahmen planen. Ein erfolgreicher Börsengang von Alibaba wird Son viele Milliarden in die Kasse spülen, die er für weitere Übernahmen nutzen wird.

Wird Sons Rechnung aufgehen?
Das weiß man immer erst hinterher. Die Erfahrung zeigt: Was in der Welt von Internet und Telekommunikation technisch möglich ist, wird auch in lukrative Geschäfte umgesetzt. Die große Kunst ist, zur richtigen Zeit zu investieren, also nicht zu früh und nicht zu spät zu kommen.

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