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Deutsche Börse „Wir sind auch allein stark“

Der Deutsche-Börse-Chef stellt sich nach der geplatzten Fusion auf der Hauptversammlung der Kritik der Aktionäre.

Hauptversammlung Deutsche Börse
Carsten Kengeter (l), neben seinen Vorstandskollegen Jeffrey Tessler (r-l), Hauke Stars, Andreas Preuß und Gregor Pottmeyer. Foto: dpa

Das ist ja eine recht trockene Veranstaltung“, kommentiert eine Kleinaktionärin die Hauptversammlung der Deutschen Börse am Mittwoch in der Jahrhunderthalle. Draußen herrscht schönstes Sommerwetter, drinnen leidet Vorstandsvorsitzender Carsten Kengeter. Er hat Heuschnupfen und muss sich der Kritik der Anteilseigner wegen der gescheiterten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) stellen. Zudem wird er wegen der Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Anfangsverdachts auf Insiderhandel in die Zange genommen.

„Wir sind auch allein stark“, sagt Kengeter. Während der Fusionsgespräche hatte der 50-Jährige noch gewarnt, ohne einen Zusammenschluss mit der LSE werde die Deutsche Börse in die Zweitklassigkeit abgleiten. Nun erklärt er: „Unser Blick richtet sich nach vorn.“ Etwas anderes kann er als Vorstandschef auch kaum sagen. „Wir können Wachstum“, wirbt Kengeter, nun eben „in kleineren Schritten“ als mit der Fusion.

Diese habe das Unternehmen 76,5 Millionen Euro gekostet, darin beinhaltet seien bereits Ausgaben in Höhe von einer Million Euro für die Rückabwicklung, sagt der Börsenchef. Es seien im Zuge der Fusionsverhandlungen keine Berater für politisches Lobbying bezahlt oder beschäftigt worden, beantwortet Aufsichtsratschef Joachim Faber diesbezügliche Fragen. Die Beratungsfirma des früheren deutschen Außenministers Joschka Fischer habe für die Analyse der Situation nach dem Brexit-Votum weniger als 150 000 Euro erhalten. Im Übrigen bekräftigt er: „Kengeter ist ein Ausnahmetalent.“

Dessen neue Strategie ist die alte. Das 2015 aufgelegte Wachstumsprogramm „Accelerate“ soll fortgesetzt werden. Kengeter will den Börsenhandel und das Clearing von Derivaten deutlich ausbauen. Zulegen will er auch im Indexgeschäft. Einige Anleger reißt das nicht vom Hocker. Kengeters Rede sei langweilig gewesen, wettert ein Kleinaktionär – und schlägt ihn für die Moderation des Sandmännchens vor. Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger bilanziert nach den wiederholten Versuchen eines Zusammengehens mit der LSE: „Die Deutsche Börse kann Fusionen nicht.“

Einflussreiche Stimmrechtsberater wie Glass Lewis und Hermes werfen Kengeter und Faber vor, die LSE-Fusion schlecht vorbereitet und das Brexit-Risiko unterschätzt zu haben. Den Anteilseignern raten sie, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Der weitaus wichtigere, da einflussreichere Aktionärsberater ISS und auch Union Investment haben sich indes für eine Entlastung ausgesprochen.

94 Prozent der Anteilseigner sind institutionelle Investoren, nur sechs Prozent sind Privatanleger. Auch wenn die Entlastung nach gängiger Meinung schon vorab als eingetütet galt, die Zukunft Kengeters ist es nicht: Sein Dreijahresvertrag läuft noch bis 31. März 2018. Es werde rechtzeitig über eine Wiederbestellung entschieden, sagt Faber.

Kengeter hatte im Dezember 2015, gut zwei Monate vor Bekanntwerden der LSE-Fusionsgespräche, in großem Stil Deutsche-Börse-Aktien gekauft. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er damals bereits über einen Zusammenschluss mit der LSE verhandelte.

Kengeter verweist indes darauf, dass der Aufsichtsrat das Vergütungsprogramm entwickelt und einen engen Rahmen für die Teilnahme daran festgelegt habe. „Diesem Programm haben Sie als Anteilseigner zugestimmt“, betont der Börsenchef bei der Hauptversammlung. Im Februar 2017 habe die Deutsche Börse eine externe Kanzlei damit beauftragt zu untersuchen, ob der Erwerb der Aktien am 14. Dezember 2015 im Gesamtvolumen von 4,5 Millionen Euro unter Insiderhandel falle, führt Faber aus. Die Rechtsanwälte seien zu dem Schluss gekommen, dass kein Verstoß vorliege.

Ob Kengeter auf Dauer noch der richtige Mann sei, müsse sich zeigen, so Union Investment. Schließlich sei er als Dealmaker geholt worden. Sollte die Deutsche Börse nun auf Sparkurs umschwenken, bräuchte man einen Sanierer. Die jüngsten Geschäftszahlen sprechen für Kengeter. Im ersten Quartal 2017 stiegen die Erlöse der Deutschen Börse im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 623 Millionen Euro. Auf die Aktionäre wartet im zweiten Halbjahr zudem ein Geldsegen in Form eines Aktienrückkaufs im Volumen von rund 200 Millionen Euro. Zudem soll die Dividende von 2,25 Euro auf 2,35 Euro für 2016 angehoben werden.

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