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Deutsche Börse Stühlerücken bei der Deutschen Börse

Das Unternehmen wechselt seinen Risikochef aus. Auch die Compliance-Abteilung soll umgebaut werden.

Deutsche Börse
Die Weichen stehen auf Veränderung bei der Deutschen Börse. Foto: Imago

Die wegen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungsverfahren unter Druck stehende Deutsche Börse spielt „Bäumchen, wechsle Dich“: Der langjährige Risikochef Marcus Thompson habe das Unternehmen „im besten Einvernehmen“ verlassen, hieß es in einer internen Mitteilung, die der FR am Montag vorlag. Thompsons Nachfolge hat bereits am 1. Juli Oliver Engels angetreten, der seit Oktober 2014 bei dem Unternehmen arbeitet. Anne-Pascale Malréchauffé wiederum leitet künftig statt Engels die betriebseigene Revision. Sie war zuvor Chefin des Network Management Departments von Clearstream.

Auch die Compliance-Abteilung, die die Einhaltung von Gesetzen sicherstellen soll, soll dem Vernehmen nach umgebaut werden. Sie hatte Vorstandschef Carsten Kengeter grünes Licht für einen millionenschweren Aktienkauf im Dezember 2015 gegeben. Das war nur zwei Monate, bevor die Deutsche Börse ihre geplante Fusion mit der London Stock Exchange bekannt gab. In die Verantwortung der Abteilung fällt formell auch die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft verspätete Pflichtmitteilung im Zuge der Fusion. Insgesamt droht der Deutschen Börse deshalb eine Geldbuße von 10,5 Millionen Euro, wie aus einer Pflichtmitteilung des Unternehmens hervorging. Das Verfahren wegen des Verdachts auf Insiderhandel gegen Kengeter könnte demnach im Gegenzug ohne Auflagen eingestellt werden. Rechtsexperten wollten zwar nicht öffentlich Kollegen abqualifizieren. „Aber es ist klar, dass die Compliance-Abteilung versagt hat“, sagte ein Professor. Aus börsennahen Kreisen hieß es, man müsse sicherstellen, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholten.

Börsenaufsicht ermittelt

Gegen die Deutsche Börse ermitteln auch die Aufseher: Die Börsenaufsicht will über die Zuverlässigkeit des Vorstands erst entscheiden, wenn die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen sind. Die Finanzaufsicht Bafin schloss sich der Vorgehensweise des hessischen Wirtschaftsministeriums an. Kengeters Position könnte im Notfall sein Stellvertreter Andreas Preuß oder Finanzchef Gregor Pottmeyer zumindest temporär übernehmen. Pottmeyers Vertrag wurde im Frühjahr um weitere fünf Jahre verlängert. Preuß könnte indes in weniger als einem Jahr in Ruhestand gehen. Es gilt aber als nicht ausgeschlossen, dass sein Vertrag noch einmal verlängert wird.

Extern werde derzeit nicht aktiv nach einem möglichen Nachfolger gesucht, hieß es aus Kreisen. Vielmehr sei Aufsichtsratschef Joachim Faber unaufgefordert von Headhuntern kontaktiert worden. Der halte aber an Kengeter fest, solange dieser den Job noch wolle, was der Fall sei. Kengeter warte nur darauf, wieder loslegen zu können.

Im Zuge des Brexits gibt es für den Börsenbetreiber derzeit wichtige Weichen zu stellen.

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