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Deutsche Bank Schmutziges Geschäft

Betroffene des Damm-Desasters von Mariana in Brasilien kritisieren mangelnde menschenrechtliche Sorgfalt der Deutschen Bank.

Schäden nach dem Dammbruch in Bento Rodrigues
November 2015, als der Damm brach. Dabei starben 19 Menschen. Foto: afp

Fast 10 000 Kilometer liegen hinter ihr. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat Maria José Horta Carneiro Silva, genannt Lilica, ihre brasilianische Heimat verlassen. Sie ist vor einigen Tagen in Belo Horizonte ins Flugzeug gestiegen und Stunden später in Frankfurt gelandet. Nun steht sie an diesem Donnerstag vor der Festhalle – um der Deutschen Bank die Stirn zu bieten.

Denn die finanziert nach Überzeugung Lilicas und des Aktivisten Joceli Andrioli, der sie begleitet, ein Unternehmen, das die Menschenrechte missachtet. Lilica musste das am eigenen Leib erfahren. „Mein Mann kam gerannt und schrie: Der Damm ist gebrochen“, erinnert sich die 31-Jährige an den 5. November 2015. Da war die hochgiftige Schlammlawine schon unterwegs. Rückstände eines Eisenerztagebaus der Firma Samarco ergossen sich unweit der Stadt Mariana ins Tal, strömten über mehr als 650 Kilometer bis in den Atlantik.

19 Menschen kamen dabei zu Tode, das Bergdorf Bento Rodrigues begruben die mehr als 30 Millionen Kubikmeter Schlamm binnen Minuten. Lilica, die weiter unten im Tal von Milchwirtschaft lebte, konnte ihr Leben retten – verlor aber ihr Haus, fünf eigene Kühe und ihre Arbeit auf einem Bauernhof. „Unser Familienidyll ist dahin, nicht einmal Fotoalben von den schönen Zeiten sind uns geblieben“, erzählt sie mit traurigen Augen.

Eine angemessene Entschädigung habe das Unternehmen bislang nicht gezahlt. Keiner der Verantwortlichen von Samarco, ein Gemeinschaftsunternehmen der Bergbaukonzerne Vale und BHP Billiton, wurde bisher zur Rechenschaft gezogen. Obwohl sich die Gefahr eines Dammbruchs schon mehrere Monate zuvor angekündigt habe.

Die australische Rechtsanwaltskanzlei Phi Finney McDonald hat deshalb jüngst eine Sammelklage gegen den australisch-britischen Rohstoffkonzern BHP angekündigt. Der Vorwurf: BHP habe Investoren nicht über die mit dem Rückhaltebecken verbundenen Risiken informiert.

Die Deutsche Bank hingegen sieht ihr Vertrauen in die an Samarco beteiligten Konzerne offenbar nicht erschüttert. Noch im vergangenen Jahr habe der brasilianische Bergbau-Gigant Vale 111 Millionen Euro von der Deutschen Bank erhalten, enthüllte vor wenigen Tagen der Bericht „Dirty Profits“ der Nichtregierungsorganisation Facing Finance (FF).

„Es ist unfassbar unverantwortlich, dass die Deutsche Bank zwei Jahre nach dem Dammbruch von Mariana noch neue Kredite ohne Entschädigungsauflagen an Mitbetreiber Vale vergeben hat“, sagt Joceli Andreoli von der brasilianischen Bewegung der von Staudamm-Projekten Betroffenen, der seine Kritik auch auf der Aktionärsversammlung in der Festhalle vorträgt.

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