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Deutsche Bank Neue Hoffnung, alte Ängste

Trotz eines vorzeigbaren Gewinns hat die Deutsche Bank noch viele Baustellen.

Deutsche Bank
Die Zahl der Beschäftigten soll von 97 000 auf unter 90 000 sinken. Foto: afp

Der neue Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, begann seinen Brief an die Beschäftigten betont freundlich: „Zuallererst möchte ich Ihnen danken – danken dafür, wie Sie sich in den vergangenen Monaten eingebracht und wie Sie mitgezogen haben.“ Wenige Zeilen aber später zeigt der gebürtige Westfale seine andere Seite. Die meisten Bereiche im Unternehmen zeigten die nötige Entschlossenheit, schrieb er. „Aber ich merke auch, dass noch nicht überall die Haltung zum Umbautempo und unseren Kosten herrscht, die wir leben wollen.“ Niemand aber dürfe sich darauf verlassen, dass es die anderen schon richteten. „Diese Zeiten sind vorbei.“

Die Deutsche Bank im Umbruch zwischen Hoffnung auf bessere Zeiten und der Angst, von den Lasten der Vergangenheit erdrückt zu werden. So präsentiert sich Deutschlands größtes Geldhaus wenige Monate nach dem Amtsantritt von Sewing. Vorige Woche legten die Frankfurter erste Zahlen zum zweiten Quartal vor, die an den Finanzmärkten begeisterten. Die Deutsche Bank kann auch positiv überraschen, lautete die Botschaft, die der Aktie zu einem Kurssprung verhalf.

An diesem Mittwoch folgen die Details. Und die wurden an den Märkten deutlich nüchterner aufgenommen mit der Folge, dass der Aktienkurs leicht nachgab. 

Der Blick auf die Einzelheiten zeigt, dass nach den Horrorjahren mit Milliardenverlusten von einer Trendwende keine Rede sein kann. Wenn überhaupt könnte die Deutsche Bank den ersten Schritt zurück in die Spur geschafft haben.

Im Zeitraum April bis Juni erwirtschaftete sie einen Gewinn nach Steuern von 401 Millionen Euro. Das sind 14 Prozent weniger als zwölf Monate zuvor, aber deutlich mehr als von den Analysten erwartet. So stellt es zumindest die Deutsche Bank selbst dar und so nahmen es auch die Börsianer wahr. So niedrig lagen die Erwartungen, dass schon ein schlechtes Ergebnis erfreut, weil die ganz große Katastrophe ausblieb. Die Baustellen aber bleiben.

In der traditionellen Vorzeigesparte, dem Anleihehandel, schwächeln die Frankfurter. Hier sanken die Erträge um 17 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Dennoch will Sewing das Ziel nicht aufgeben, im Handel mit Anleihen und Währungen die Nummer vier weltweit zu bleiben. Vorne liegen mit großem Vorsprung die US-Konkurrenten wie JP Morgan und Goldman Sachs. Glimpflich kam das Aktiengeschäft davon, das Sewing schrumpfen möchte und das einen drastischen Personalabbau durchmacht. So gesehen erscheint der Rückgang der Erträge um sechs Prozent auf eine halbe Milliarde Euro verkraftbar. 

Ernste Sorgen aber bereitet die Fondstochter DWS, die nach einem Börsengang der Deutschen Bank noch zu gut drei Viertel gehört. Auch sie war lange ein Star und glänzte mit riesigen, erfolgreichen Fonds von prominenten Managern wie Klaus Kaldemorgen. Nach einer Serie von enttäuschenden Resultaten aber hat die DWS so an Reputation verloren, dass die Kunden unterm Strich sogar Mittel von ihr abziehen. Im zweiten Quartal holten sie sich fünf Milliarden Euro zurück, im ersten Quartal waren es sogar noch mehr gewesen. Daher kassierte der Ableger am Mittwoch seine Jahresziele für das Neugeschäft. 

Zentrales Thema für den Konzern bleiben die Kosten. Sewings Vorgänger John Cryan hatte es den Job gekostet, dass er den selbst gesteckten Rahmen von 22 Milliarden Euro für 2018 nicht halten konnte und den Zielwert auf 23 Milliarden Euro heraufsetzen musste. Seit langem sehen sich die Frankfurter dem Vorwurf ausgesetzt, im Branchenvergleich viel zu teuer zu sein. 
Sewing stellte von Anfang an klar, dass er den aufgestockten Betrag unter allen Umständen einhalten möchte. Dabei scheint er erste Erfolge vorweisen zu können. Im zweiten Quartal gab die Deutsche Bank 5,6 Milliarden Euro aus, ein Prozent weniger als vor zwölf Monaten. Offenbar kommt sie beim Stellenabbau etwas günstiger davon als kalkuliert. Sewing hat angekündigt, die weltweite Beschäftigtenzahl von 97 000 auf deutlich unter 90 000 drücken zu wollen. Unter anderem in Abfindungen steckte sie von Mai bis Juni rund 200 Millionen Euro. Insgesamt könnte dieser Posten und die Aufwendungen für die Umstrukturierung in diesem Jahr etwas weniger als die veranschlagten 800 Millionen erfordern.

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