Lade Inhalte...

Deutsche Bank „Mit dem Chefwechsel ist es nicht getan“

Analyst Dieter Hein fordert einen längst überfälligen Strategiewechsel für die Deutsche Bank.

Deutsche Bank Frankfurt
Blick auf die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt. Foto: dpa

Herr Hein, der neue Chef der Deutschen Bank heißt Christian Sewing. Eine gute Wahl?
Von den Kandidaten, die gehandelt wurden, ist er aus meiner Sicht die beste Wahl. Ob er auch eine gute ist, wird sich noch zeigen. Denn die Deutsche Bank hat nicht nur ein Kopfproblem, sondern ein grundsätzliches Strategieproblem. Ich wäre deutlich optimistischer, wenn Aufsichtsratschef Paul Achleitner seinen Hut genommen und man einen klassischen Banker, der Erfahrung mit der Deutschen Bank hat, zum neuen Aufsichtsratschef berufen hätte. Der hätte dann die Neubesetzung einleiten können. Ob Sewing eine Verlegenheitslösung ist, weil man keinen internationalen Top-Mann bekommen hat, weiß ich nicht, könnte man aber vermuten.

Es waren ja einige andere Kandidaten im Gespräch. Ist Sewing damit von Anfang an beschädigt?
Ich denke nein. Bei großen deutschen Unternehmen ist es immer wieder dazu gekommen, dass man den vermeintlich Passenden nicht gefunden hat. Die Verlegenheitslösungen haben sich dann häufig als sehr gut herausgestellt. Sewing hat den Vorteil, dass er die Deutsche Bank und die Besonderheiten des deutschen Marktes sehr gut kennt. Daran hat es der Bank in den vergangenen Jahren in den Führungsetagen gemangelt. Und schließlich: Der Ruf der Bank ist so angekratzt, dass die Reputation des Vorstandschefs eines der geringeren Probleme darstellen dürfte.

Sie attestieren der Deutschen Bank ein Strategieproblem. Was muss Sewing anders als seine Vorgänger machen?
Die Deutsche Bank muss sich vom Investmentbanking verabschieden. So wie es die Deutsche Bank betreibt, hat es sich als zu risikoreich, zu kostenintensiv und zu wenig profitabel erwiesen. Man hätte die Bremse schon viel früher ziehen müssen. Ob Sewing das will und sich dabei gegen Achleitner durchsetzen kann, muss sich erst noch zeigen. Hinzu kommt, dass seine Vorstandskollegen - ebenso wie Achleitner - größtenteils auch einen Investmentbank-Hintergrund haben.

Worauf sollte er sich stattdessen konzentrieren?
Die Deutsche Bank muss endlich das machen, was andere große europäische Banken nach der Finanzkrise schon sehr viel früher umgesetzt haben: ihre Personalkosten reduzieren, sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und hoffen, dass ihr die Risiken des Investmentbankings in den Büchern nicht auf die Füße fällt. Das heißt im Prinzip, zu einem Geschäftsmodell wie in den 80er Jahren zurückkehren. Also den Fokus auf Firmen- und Privatkundengeschäft legen. Wenn möglich noch Asset- und Wealthmanagement für vermögende Privatkunden sowie ein begleitendes Investmentbanking anbieten.

Die Börse hat auf den Wechsel schon mal positiv reagiert.
Offensichtlich sieht der Markt das genauso wie ich: Dass nämlich John Cryan die Probleme nicht in den Griff bekommen hat und man nun zumindest die Hoffnung hegen kann, dass die Bank mit einem Strategiewechsel den Turnaround schaffen kann. Aber das muss sie auch wollen und das ist noch längst nicht klar. Mit dem Chefwechsel ist es jedenfalls nicht getan.

Interview: Antje Mathez

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen