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Deutsche Bank In der Offensive

Die Deutsche Bank hat Großes vor: eine Kapitalerhöhung von acht Milliarden Euro und die Reintegration der Postbank. Eine erfolgversprechende Strategie?

Deutsche Bank
Die Deutsche Bank plant eine Kapitalerhöhung im Volumen von acht Milliarden Euro. Foto: rtr

Am Montag beherrschte vor allem ein Thema die Märkte: die Umbaupläne der Deutschen Bank. Die Aktie des Geldhauses notierte zeitweise mehr als sieben Prozent im Minus.

Seit Monaten wurde Deutsche-Bank-Chef John Cryan bedrängt, doch endlich eine Strategie für das größte deutsche Geldhaus vorzustellen. Ende vergangener Woche war es dann soweit. „Lassen Sie uns die Chancen beherzt ergreifen und wieder in die Offensive umschalten“, erklärte der Vorstandsvorsitzende bei der Vorstellung des neuen Kurses. Geplant ist eine Kapitalerhöhung im Volumen von acht Milliarden Euro. Veräußerungen sowie der Börsengang eines Minderheitsanteils der Deutschen Asset Management innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen noch einmal bis zu zwei Milliarden Euro zusätzlich in die Kassen spülen. Und: Die Postbank soll wieder in den Konzern integriert werden.

Hätte Cryan seine neue Strategie nicht bereits vor gut einem Monat bei der Jahresmedienkonferenz vorstellen können? „Nein“, sagte Markus Rießelmann, Analyst bei Independent Research. „Denn da lief die Kapitalerhöhung der Unicredit und man wollte wahrscheinlich sehen, wie das durchgeht.“ Der italienischen Bank gelang eine 13 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung. Allerdings steht sie auch mit dem Rücken an der Wand, denn Unicredit sitzt auf einem Berg fauler Kredite. Die Deutsche Bank indes braucht das Geld primär als Kapitalpuffer im Hinblick auf regulatorische Anforderungen. Die Finalisierung des Regelwerks Basel III steht zwar noch aus. Mit einer angestrebten harten Kernkapitalquote von deutlich über 13 Prozent wähnt sich die Deutsche Bank aber auf der sicheren Seite.

Dabei hatte Cryan wiederholt betont, bei einer Neuausrichtung möglichst ohne frisches Kapital auskommen zu wollen. Für Ingo Frommen, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, ist der Schwenk des Konzernchefs dennoch nachvollziehbar: „Rückwirkend betrachtet hätte Cryan die ganzen Diskussionen vielleicht nicht gehabt, wenn er schon vor ein bis anderthalb Jahren eine Kapitalerhöhung bekanntgegeben hätte. Aber vielleicht wäre dann der Vergleich mit den US-Behörden höher ausgefallen.“ Ende 2016 einigte sich die Deutsche Bank mit der US-Justiz im Rechtsstreit um faule Hypothekenpapiere auf eine Strafzahlung und Entschädigungen von insgesamt rund sieben Milliarden Euro. Ursprünglich hatte eine doppelt so hohe Strafe gedroht.

Seit dem Herbst, als das Papier der Deutschen Bank zeitweise unter zehn Euro notierte, habe Cryan viele Unsicherheiten aus dem Weg räumen können, so Frommen. Ingo Speich, Fondsmanager beim Großaktionär Union Investment, erklärte: „Die angekündigten Maßnahmen sind ein wichtiges Signal für den Kapitalmarkt, dass die Bank sich nach Jahren der Vergangenheitsbewältigung wieder stärker der Zukunft und dem Kunden zuwendet. Das ist zu begrüßen, aber Investoren brauchen noch mehr Details.“

Heino Ruland, geschäftsführender Direktor von Ruland Research, hält die Maßnahmen indes für einen Schritt in die Vergangenheit und das Hin und Her um die Postbank „eher für ein Armutszeugnis“. Für die zum Verkauf stehende Postbank wollte sich kein Käufer finden, der einen aus Sicht der Deutschen Bank angemessenen Preis zahlt.

Selbst Cryan räumte am Sonntag bei einer Telefonkonferenz das Dilemma ein: „Wir konnten es uns nicht leisten, sie zu behalten, und wir konnten es uns nicht leisten, sie zu verkaufen.“
„Grundsätzlich ist das Bekenntnis zum deutschen Markt und das damit verbundene Bekenntnis zur Postbank aus Sicht der Beschäftigten zu begrüßen“, betonte Verdi-Vorsitzender Frank Bsirske. Frommen warnte indes, dass es noch viele Stolpersteine geben werde. Denn mit der Reintegration der Postbank dürfte ein Stellenabbau einhergehen. Die Deutsche Bank wollte sich vor den Gesprächen mit dem Betriebsrat nicht äußern.

Die beiden Vorstandsmitglieder Markus Schenck und Christian Sewing zu stellvertretenden Vorsitzenden zu ernennen, schätzte Ruland positiv ein. Beide genössen hohes Ansehen. Der Schritt sei auch als ein vorsichtig eingeläuteter Rückzug von Cryan zu werten. Dessen Vertrag läuft noch bis 2020. Und der Kursabschlag? „Absolut im Rahmen dessen, was bei Emissionen üblich ist“, sagte Frommen.

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