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Deutsche Bank Die alte „Jägermentalität“

Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing schwört die Mitarbeiter ein und kündigt harte Entscheidungen an - die Frage nach der Strategie bleibt unbeantwortet.

Christian Sewing
Will mehr als nur solide Ergebnisse: Christian Sewing übernimmt das Kommando in den Zwillingstürmen. Foto: dpa

In London begann an diesem Montag für die Deutsche Bank das nächste unangenehme Gerichtsverfahren. Am Southwark Crown Court startete der Prozess rund um Manipulationen des wichtigen Zinssatzes Euribor. Zu den Beschuldigten gehören wie selbstverständlich aktive und ehemalige Angestellte der Deutschen Bank.

In Frankfurt bemühte sich an diesem Montag wieder einmal ein frisch berufener Vorstandsvorsitzender um einen Neuanfang. Christian Sewing, am Sonntag kurz vor Mitternacht nach einer spannungsreichen Sitzung vom Aufsichtsrat ernannt, muss nach dem Rauswurf von Vorgänger John Cryan die erdrückenden Lasten der Vergangenheit abschütteln und dem Institut eine Perspektive mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell aufweisen.

In einem Brief an die Belegschaft beschwor Sewing eindringlich den Teamgeist, forderte aber auch von jedem Einzelnen mehr Anstrengungen ein. Mit Blick auf die Erträge müsse die Deutsche Bank ihre „Jägermentalität“ zurückgewinnen. In allen Geschäftsfeldern müsse die Messlatte höher gelegt werden. „Unser Start in das Jahr war solide. Aber ‚solide‘ darf nicht unser Anspruch sein.“

Zugleich stimmte der Neue die rund 100 000 Beschäftigten auf harte Entscheidungen ein. Das Führungsteam werde nicht mehr akzeptieren, dass Ziele für Kosten und Erträge verfehlt würden. So müssten die Kosten unter allen Umständen im abgesteckten Rahmen von 23 Milliarden Euro bleiben – dies sei „nicht verhandelbar“. Rückschläge wie im vierten Quartal dürften sich nicht wiederholen.

Die Frage aller Fragen, die nach der künftigen Strategie, sprach der gebürtige Westfale an, ohne sich festzulegen. Die Kosten hatte bereits der Brite Cryan mit einigem Erfolg gedrückt. Ihm war jedoch vorgeworfen worden, keine Ideen für eine positive Entwicklung, für Innovationen und ein Wachstum auf lukrativen Märkten zu entwickeln. Sewing vermied in seiner ersten Stellungnahme als Chef konkrete Aussagen und bekräftigte lediglich die Notwendigkeit, sich auf allen Gebieten verändern zu müssen. „Wir werden deshalb genau analysieren, wie wir uns in dem schwierigen Marktumfeld aufstellen wollen.“ Zugleich kündigte der 47-Jährige an, alle Geschäftsfelder zu überprüfen.

Die Berufung Sewings ist allerdings ein erster Hinweis darauf, wie es weitergehen könnte. Der gelernte Bankkaufmann, der seiner Lehre in einer Filiale in Bielefeld ein berufsbegleitendes Studium an einer Bankenakademie folgen ließ, arbeitet seit über 25 Jahren für den Konzern. In dieser Zeit lernte er durch seine Tätigkeit im Risikomanagement auch das Investmentbanking kennen. Zuletzt aber leitete er die Privat- und Firmenkundensparte. In dieser Funktion teilte er sich mit dem Investmentbanker Marcus Schenck die Position der stellvertretenden Vorstandschefs. Diese Ämter übernehmen Rechtsexperte Karl von Rohr und der Investmentbanker Garth Ritchie. Schenck aber wird das Unternehmen verlassen, Sewing rückt auf. Damit steht erstmals seit 2002 kein Investmentbanker mehr an der Spitze.

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