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Deutsche Bank Deutsche Bank wird zum Spielball

Der Deutschen Bank droht in den USA eine Milliardenstrafe. Noch steht dem Unternehmen das Wasser nicht bis zum Hals. Aber für die Zukunft hat sich der Konzern nicht gerüstet.

Flaggenduo in New York. Foto: imago/Levine-Roberts

Viel schlimmer konnte es für die Deutsche Bank nicht kommen. Fortgesetzte Spekulationen, ob sie eine drohende Milliardenstrafe in den USA stemmen kann, Gerüchte über eine staatliche Rettungsaktion und schließlich die Nachricht, dass Anleger Gelder abziehen, weil sie fürchteten, dass alles ins Rutschen kommt. Die Aktie fiel auf unter zehn Euro – so tief wie nie.

Spielball der Märkte zu sein, das ist für eine Bank lebensgefährlich, obwohl das Wasser der Deutschen Bank tatsächlich noch nicht bis zum Hals steht. Aber die US-Investmentbank Bear Stearns ist auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 daran gescheitert, dass Gerüchte nicht verstummen wollten, sie habe keinen Zugang mehr zu den Kapitalmärkten.

Es mag dies der Hintergrund gewesen sein, weshalb sich die Deutsche Bank in den zurückliegenden Tagen mit Anleihen insgesamt 4,5 Milliarden Dollar am Markt beschafft hat. Seht her, lautete die Botschaft, wir kommen noch an Geld, wenn wir es brauchen. Benötigt werden die Mittel aktuell eher nicht: Auf 215 Milliarden Euro liquide Mittel kann Deutschlands größte Bank zurückgreifen, wie sie gerade erst versicherte, als über ihren möglichen Untergang spekuliert wurde. Ob die Aktion geeignet ist, den Aktienkurs der Deutschen Bank längerfristig zu stabilisieren, muss sich zeigen, aktuell scheint es gelungen zu sein. Auch gestern legten Aktien der Bank wieder deutlich zu.

Das Signal an die Märkte war allerdings teuer: 3 und 2,9 Prozent Zinsen mehr musste die Deutsche Bank den Anlegern bieten als der amerikanische Finanzminister für vergleichbare Staatsanleihen. Ein solcher Aufschlag wird von Unternehmen verlangt, deren Pleiterisiko als schwer kalkulierbar gilt.

Wenn aber eine Atempause so teuer ist und dem als Sanierer gestarteten Bankchef John Cryan nach 15 Monaten im Amt noch immer die Frage nach einem zukunftsfesten Geschäftsmodell gestellt wird, dann wird klar, warum eine Milliardenstrafe in den USA die Bank derart unter Druck setzen kann.

Fragt man Kenner der Bankenszene, so hört man ernsthaft besorgte Stimmen: „Viel dramatischer als die aktuellen Strafzahlungen finde ich, dass der Deutschen Bank das operative Geschäft langsam entgleitet“, sagt etwa Michael Seufert von der NordLB, der sich als Analyst intensiv mit der Bank beschäftigt. Viel von ihrem Geschäft scheine nur schwer in eine Zukunft zu führen.

Welche Optionen aber bleiben der noch immer größten deutschen Bank in dieser Situation, welche Risiken stecken in dem Finanzkonzern, den der Internationale Währungsfonds im Frühsommer als gefährlichsten weltweit bezeichnet hat, weil er wie kein Zweiter mit anderen Kreditinstituten vernetzt ist und sein Scheitern deshalb ungeahnte Auswirkungen auf das weltweite Bankensystem haben könnte?

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