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Deutsche Bank Ärger statt Visionen bei der Deutschen Bank

Bei der Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle nehmen Deutsche-Bank-Aktionäre den Vorstand in die Zange. 6,8 Milliarden Euro Verlust standen am Ende unter dem Strich.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner bekommt keinen Applaus. Foto: REUTERS

Die tiefe Entfremdung, die seit Jahren das Verhältnis der Deutschen Bank zur Öffentlichkeit prägt, hat inzwischen auch die Aktionäre des Geldinstituts erfasst. Es ist das zweite Jahr in Folge, in dem bei der Hauptversammlung der Ärger in der Frankfurter Festhalle größer ist als vor dem Eingang. Dort demonstriert nur noch eine Handvoll Kapitalismuskritiker und Umweltaktivisten. „Die Deutsche Bank ist nach einer Dekade des Missmanagements heute ein Sanierungsfall“, lautet das vernichtende Urteil von Ingo Speich vom Großaktionär Union Investment, und er erhält dafür großen Beifall.

Tatsächlich hat die Bank ihren Aktionären nach den vielen Skandalen um Marktmanipulationen, Geldwäsche und Beihilfe zur Steuerhinterziehung allerhand zugemutet im vergangenen Jahr. 6,8 Milliarden Euro Verlust standen am Ende unter dem Strich, vor allem weil die Bewältigung der Vergangenheit nach wie vor riesige Summen verschlingt. 5,4 Milliarden Euro musste die Bank für Rechtsrisiken zurückstellen, und dabei wird es nicht bleiben, wie Vorstandschef John Cryan einräumte, der das Geldhaus zukünftig im Alleingang führt.

Die Anteilseigner trifft das Großreinemachen gleich doppelt. Sie müssen auf eine Dividende verzichten, und auch für 2016 soll es keine geben. Und weil die eher sparsamen Ausführungen des neuen Bankchefs zur Zukunft bislang nicht eben für Fantasien am Aktienmarkt sorgten, ist auch die Notierung der Aktie massiv unter die Räder gekommen. Sie hat sich im Wert halbiert, seit der Brite sein Amt Mitte des vergangenen Jahres übernommen hat.

„Was sind eigentlich die Visionen Ihrer Bank, wo wollen Sie Ihr Geld verdienen?“, fragt Aktionärsschützer Klaus Nieding deshalb in die gut gefüllte Halle. Da hat Cryan seine Rede schon verlesen. Kosten einsparen, die Bilanz verkleinern, sich aus Geschäften zurückziehen, das genüge nicht als Geschäftsmodell für die Zukunft, kritisiert Nieding. Leidenschaftlich und mitreißend war Cryans Rede wirklich nicht, eher eine Werbung für Seriosität und Effizienz. Immerhin hält er sie in fließendem, fast akzentfreiem Deutsch, und das passt zu seinem Werben um verloren gegangenes Vertrauen. Deutschland sei „unser Heimatland“ und wichtigstes Geschäftsfeld. Gleichwohl werde man auf das ungeliebte Investmentbanking nicht verzichten können.

Und dann beschwört er doch eine Trendwende, von der viele der Anwesenden schon gar nicht mehr glaubten, dass es sie geben könnte: „Ich bin nicht bekannt dafür, zu Euphorie zu neigen. Aber ich sage heute aus voller Überzeugung: Wir sind besser als unser Ruf. Viel besser sogar!“

Doch der Ärger bei den Aktionären wegen der zurückliegenden „Dekade des Missmanagements“, wie Fondsmanager Speich es nennt, ist groß. In der Kritik stehen vor allem die wenigen Vertreter der alten Führung, die nach dem großen Vorstandsumbau des vergangenen Jahres noch übrig sind. Vor allem Paul Achleitner, der Aufsichtsratschef. Ihm wird vorgehalten, viel zu lange an Anshu Jain als Chef der Deutschen Bank festgehalten zu haben. Jain war 2015 zurückgetreten, nachdem er auf der Hauptversammlung nur noch mit einer knappen Mehrheit entlastet worden war.

Doch Achleitner wehrt sich: Man habe bereits große Fortschritte gemacht auf dem Weg zu einer stabilen und integren Deutschen Bank: „Und viele dieser Fortschritte hatten ihren Ursprung nicht erst in den vergangenen zwölf Monaten, sondern weit davor.“ Es sei deshalb nicht in Ordnung, alles, was in seiner Amtszeit geschehen sei, in ein schlechtes Licht zu rücken.

Achleitner sagte, er bedauere, dass es in den Vorwochen zu einer öffentlichen Auseinandersetzung im Aufsichtsrat gekommen sei, an deren Ende der Chefaufklärer Georg Thoma sein Amt zur Verfügung stellte. Das bedeute aber nicht, dass man bei der Aufarbeitung der Skandale nachlasse: „Wir alle im Aufsichtsrat sind uns einig, dass die Altlasten und andere mögliche Verfehlungen auch künftig konsequent aufgearbeitet und daraus Lehren gezogen werden.“

Thoma hatte Ende April nach öffentlicher Kritik aus dem Kontrollgremium seinen Rücktritt erklärt. Dabei sei es „weniger um den Inhalt als vielmehr um die Form der Prüfungshandlungen“ gegangen. Am Ende sei der Rücktritt von Thoma „im Interesse des Unternehmens“ gewesen.

Wie sehr die Vergangenheit die Deutsche Bank noch in Schach hält, verdeutlichten zwei Zahlen, die Bankchef Cryan auf eine entsprechende Frage von Aktionären zu Protokoll gab: In 7800 Rechtsstreitigkeiten rund um den Globus sei das Institut verwickelt – und: allein 1,2 Milliarden Euro kosteten die Anwälte – bisher. Er sei jedoch „zuversichtlich, in diesem Jahr noch einige wichtige Verfahren abschließen zu können“ und sehe die Bank deshalb „bei aller Vorsicht allmählich auf der Zielgeraden“.

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