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Deutsche Bahn Fernzüge immer später

1. UpdateDie Deutsche Bahn rutscht in den Krisenmodus: Drei von zehn ICE- oder Intercity-Zügen sind im August unpünktlich. Ein Grund dafür sind viele Baustellen - die auch ins Geld gehen. Die Bahn zieht bei den Ausgaben die Notbremse.

07.09.2018 15:20
Erfurt Hauptbahnhof
Ein ICE am Hauptbahnhof in Erfurt. Ob er Verspätung hat, ist unbekannt (Symbolbild). Foto: dpa

Die Züge der Deutschen Bahn haben sich im August noch häufiger verspätet als zuvor. Im Fernverkehr waren nur noch 69,8 Prozent der Intercity und ICE pünktlich, so wenig wie seit drei Jahren nicht im Monat August, wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus Konzernkreisen erfuhr.

„Wie schon im Vormonat führte die anhaltende Hitzeperiode auch im August zu mehr Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur“, hieß es. „Verschärft wurde die Situation durch zahlreiche Brände in Gleisnähe, die viele Verspätungen und Umleitungen nach sich zogen.“ Entscheidend dürfte aber die Vielzahl der Baustellen sein. Sie liegt bei gut 800, was bei laufendem Betrieb gerade noch als machbar gilt. 

Im ebenfalls schwachen Juli waren 72,1 Prozent der ICE und Intercity pünktlich gefahren. Pünktlich ist ein Zug nach Bahn-Definition, wenn er weniger als sechs Minuten nach Fahrplan ankommt. Im Regionalverkehr verbesserte sich die Pünktlichkeit im August mit 94,3 Prozent leicht, unter anderem durch pünktlichere S-Bahnen.

Deutsche Bahn bremst teure Projekte

Die Deutsche Bahn zieht wegen steigender Schulden und sinkender Gewinne die Notbremse. Mit einem Ausgaben-Stopp wolle der Staatskonzern mit über 40 Milliarden Umsatz und gut 300.000 Mitarbeitern ein weiteres Abrutschen verhindern, sagten mehrere Konzern-Manager am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Nach der sogenannten Ausgabensteuerung dürfen Bestellungen ab einer bestimmten Summe nur noch mit Sondergenehmigung in Auftrag gegeben werden.

Hintergrund sei, dass sich im Nahverkehr und vor allem bei der seit Jahren kriselnden Güterbahn die Lage zuspitze. Zugleich wolle der Konzern unbedingt den Anstieg der Schulden begrenzen, der dieses Jahr die 20-Milliarden-Euro-Grenze erreichen könnte. Interne Berechnungen hätten ergeben, dass die Schulden bis 2023 ohne massives Gegensteuern auf den Rekord von 25 Milliarden klettern würden.

Eine Bahn-Sprecherin wies daraufhin, dass bereits zur Halbjahres-Bilanz auf die wirtschaftlichen Herausforderungen hingewiesen wurde. "Es ist es ein normaler unternehmerischer Vorgang hier gegenzusteuern. Ausdrücklich klar ist aber auch, dass an Maßnahmen für Qualität und Kundenzufriedenheit nicht gespart wird."

Deutsche Bahn kämpft gegen Investitionsstau

Tatsächlich gerät die Bahn von vielen Seiten unter Druck: Im Schienen-Netz hat sich laut Konzernkreisen der Investitionsstau auf rund 32 Milliarden Euro erhöht. Das Netz verliert trotz deutlich höherer Investitionen in den vergangenen Jahren so weiter an Substanz. Die Bahn verhandelt derzeit mit dem Bund zwar über mehr Geld und eine neue Finanz-Vereinbarung für Signale und Gleise.

Die Krise der Güterbahn DB Cargo spitzt sich weiter zu: Die Sparte werde trotz zahlreicher Sanierungsprogramme in diesem Jahr zwischen 150 und 200 Millionen Euro Verlust einfahren, sagte ein mit den Zahlen Vertrauter. Die untere Grenze könne nur durch Sondereffekte wie den Verkauf von Immobilien erreicht werden. Der Marktanteil von DB Cargo, die lange Zeit fast Monopolist auf den Schienen war, ist inzwischen auf rund 50 Prozent abgesackt.

Der Konzern kann sich auch nicht mehr auf den früher zuverlässigen Nahverkehr verlassen. Der Gewinn der Regio-Sparte ist im ersten Halbjahr schon um fast ein Drittel eingebrochen. Hintergrund ist, dass die Bahn nicht ausreichend Nahverkehrs-Verträge der Länder gewinnt. In Konzernkreisen hieß es, angesichts der Lage bei Cargo und Regio stünde jetzt wieder der Einsatz externer Berater wie etwa McKinsey zur Diskussion. Das vor gut 1,5 Jahren konzernweit gestartete Programm "Zukunft Bahn" habe weder bei Pünktlichkeit noch bei der Produktivität nennenswerte Erfolge gebracht und werde intern kaum noch erwähnt.

Deutsche Bahn gerät an Verschuldungsgrenze

So gerät die Bahn auch von Seiten der Politik von mehreren Seiten unter Druck: Zum einen liefert der Staatskonzern nicht bei Pünktlichkeit und dem Ziel, mehr Güter auf die Schiene zu bekommen. Zum anderen braucht das Unternehmen mehr Geld für das Netz, zugleich sinken die Gewinne und steigen die Schulden.

Der Haushaltsausschuss hatte nach der jüngsten  Finanzspritze für den Konzern eine Verschuldungsgrenze von 20,4 Milliarden Euro gesetzt. Die könnte schon in diesem Jahr fast erreicht werden. In den Folgejahren würde die Verschuldung aber nach Angaben aus dem Konzern jährlich um rund eine Milliarde Euro steigen. Das würde auch das Rating der Bahn beeinträchtigen, was wiederum zu höheren Zinszahlungen führen würde. Diese fressen schon jetzt einen Großteil des Gewinns auf. (rtr/dpa)

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