Lade Inhalte...

Deutsche Bahn Bahnexperte gesucht...

...und vielleicht schon gefunden: Übernimmt Ronald Pofalla von Rüdiger Grube? Vielen gilt er als der natürliche nächste Bahn-Chef, der den Schienenkonzern zum Zugpferd der Verkehrswende machen soll.

Alter Chef und neuer Chef? Rüdiger Grube (l.) und Ronald Pofalla Foto: imago/Christian Schroedter

Bei der Deutschen Bahn ist eine Stelle frei geworden – die des Vorstandschefs. Nach dem überraschenden Rücktritt von Rüdiger Grube wird über den Nachfolger spekuliert. Für Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn ist klar, was in der Stellenbeschreibung stehen muss: „Er muss ein Herz für die Bahn und gute Verbindungen in die Politik haben.“ Ganz ähnliche Töne sind bei Umweltverbänden zu hören. Der ökologische Verkehrsclub VCD konstatiert, Grubes Rücktritt sei symptomatisch für die „schlechte Zusammenarbeit der Bahn mit dem Verkehrsministerium“. Bund und Bahn müssten nun endlich an einem Strang ziehen und den Schienenkonzern zum Zugpferd der Verkehrswende machen.

Aus Sicht von Bahnexperten in der Öko-Szene braucht die Bundesregierung nicht lange nach einem Qualifizierten zu suchen: Ronald Pofalla gilt vielfach als Wunschkandidat. Ausgerechnet der Christdemokrat und ehemalige Kanzleramtsminister. Er wird zwar schon länger bei der Bahn als Kronprinz gehandelt. Allerdings wurde vor Grubes Abgang unter Beobachtern damit gerechnet, dass Pofalla frühestens 2019 an die Spitze des Staatskonzerns rücken werde.

Vielfach war am Dienstag zu hören, dass man von einer Führungskraft wenig hält, die von einem großen Unternehmen an die Spitze des Beförderungs- und Logistikkonzerns wechselt. So forderte die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt in einem Interview denn auch „einen echten Experten der Bahnbranche“ zu berufen.

Dass dieses Attribut auf Pofalla zutrifft, ist im Öko-Lager mittlerweile unumstritten. Dabei ist die DB erst seit 2015 sein Arbeitgeber. Zuvor machte er Karriere in der CDU. Erst Junge Union und Kommunalpolitik, dann Bundestagsabgeordneter. Schließlich Generalsekretär der CDU und von Oktober 2009 bis Dezember 2013 Kanzleramtsminister. Mitte 2014 gibt Grube dann bekannt, dass Pofalla zur Bahn geht. Damals gab es massive Kritik von Transparency, den Grünen und der SPD am Wechsel des Christdemokraten von der Politik zum Staatskonzern.

Schnell und gründlich eingearbeitet

Im Januar 2015 tritt Pofalla seinen Posten als Bahn-Cheflobbyist an. Er rückt im August 2015 in den Bahn-Vorstand auf, ist zunächst für Recht und Regulierung zuständig. Seit Jahresbeginn hat er den Posten des Infrastruktur-Vorstandes. Pofalla habe sich sehr schnell und gründlich in die wichtigen Themen des Schienenkonzerns eingearbeitet, sagt der Bahnexperte eines Umweltverbandes. Er sei inzwischen äußerst kompetent und sachkundig, wisse, wo die entscheidenden Punkte bei der Weiterentwicklung der DB lägen und was politisch durchsetzbar sei. Natürlich spielt dabei seine Nähe zu seiner Ex-Chefin Angela Merkel eine entscheidende Rolle.

Öko-Organisationen und Fahrgastverbände trauen dem Christdemokraten jedenfalls zu, dass er ihre Kernforderungen durchsetzen kann. Ganz oben auf der Liste steht die Stärkung des Güterverkehrs, um mehr Fracht von der Straße auf die Schiene zu bringen. Dafür müssten die so genannten Trassenpreise halbiert werden. Das ist eine Maut, die alle Transportunternehmen zahlen müssen, die das deutsche Gleissystem nutzen. Umweltschützer versprechen sich von niedrigeren Trassenpreisen, dass in einigen Jahr fast ein Drittel des Güterverkehrs über die Bahn transportiert wird, das wäre doppelt so viel wie gegenwärtig und ein wichtiger Beitrag zum Erreichen der Klimaziele.

Auch der Personennahverkehr könne mit halbierten Trassenpreisen kontinuierlich ausgebaut werden, heißt es in einem Papier mit politischen Kernforderungen, hinter dem unter anderem der VCD, Pro Bahn und die Umweltverbände Nabu und BUND stehen. Letzterer beschreibt als konkrete Aufgabe für den neuen Bahnchef: „Bezahlbare Bahntarife und attraktive Angebote, um neue Kunden zu gewinnen.“ Zentral könnte dabei die Einführung eines „Deutschlandtakts“ sein. Vorbild ist die Schweiz. Es geht darum, dass an den großen Knotenpunkten des Schienennetzes Züge am besten im Stundentakt einfahren und die Fahrgäste umsteigen können, ohne lange warten zu müssen. Wichtig sei überdies, so der BUND, „die Abkehr von unbezahlbaren Prestigeprojekten“ zugunsten des Ausbaus der überlasteten Knotenpunkte – ein Milliardenprojekt, das in der nächsten Legislaturperiode angegangen werden soll.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen