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Dentsply Sirona Schmerzhafte Operation

Dentaltechnik-Hersteller Dentsply Sirona strukturiert nach Fusion um.

Ein buntes Fest bot Dentsply Sirona an seinem Familientag Mitarbeitern sowie Angehörigen und Freunden. Aus ganz Deutschland strömten sie Mitte August zum deutschen Hauptstandort Bensheim des weltgrößten für Dentalprodukte und Dentaltechnik. Nach Firmenangaben kamen rund 2500 Menschen für einen Blick hinter die Kulissen sowie zum Rahmenprogramm mit Biergarten, Spielmobil, Karussell und Clown-Doktoren.

In der Kommunikation betont Dentsply Sirona solche weichen Faktoren, von kostenlosen Kochbüchern für die Mitarbeiter samt Spende an die Bensheimer Tafel über Karriereförderung für Frauen und gelebte Interkulturalität bis hin zum generationenübergreifenden Arbeiten im Rahmen der Diversity-Strategie. 

Allerdings dreht sich das Sirona-Karussell derzeit nicht nur beim Familientag, es geht generell rund. Das Unternehmen befindet sich ein gutes Jahr nach der Fusion mit Dentsply in der Umstrukturierung. Die Gewerkschaften IG Metall (IGM) und IG BCE sowie Betriebsräte kritisieren: „Bei Dentsply Sirona läuft die Fusion aus dem Ruder“. 

Teile von Produktion, Vertrieb und Verwaltung sollen zusammengezogen werden, betroffen sind die Standorte Mannheim, Bensheim, Hanau, Elz, Radolfzell und Konstanz. Mannheim und Radolfzell sollen geschlossen werden. Unter anderem soll die Produktion von Verbrauchsmaterialien für Implantate und Inlays nach Hanau und Schweden verlagert werden, die Logistik für Verbrauchsmaterial nach Venlo (Niederlande). Der Vertrieb soll im hessischen Bensheim zentralisiert werden, die Produktion von Zahnarztstühlen, Röntgen- und anderen Geräten dort bleiben. 

Laut Jochen Homburg, Erster Bevollmächtigter der IGM Darmstadt, werden von diesen Änderungen rund 850 Mitarbeiter betroffen sein. Zwar wolle das Unternehmen neue Arbeitsplätze anbieten, aber wer ziehe schon von Mannheim nach Schweden, so Homburg. 
Bei der Hanauer Tochter Degudent befürchten sie den Abbau von 120 der noch 360 Stellen. Bereits 2015 verloren dort 154 Menschen ihren Job. Ein Umzug dürfte vor allem ältere Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern oder Immobilien vor größere Probleme stellen. Insgesamt fürchten die Gewerkschaften um 350 bis 400 Arbeitsplätze.

Das Unternehmen begründet die Umstrukturierungen damit, dass Kapazitäten und Kompetenzen effizienter gebündelt und die Komplexität reduziert werden sollen. Firmensprecherin Marion Par-Weixlberger betont, dass „dem überwiegenden Teil der Mitarbeiter Arbeitsplätze an den anderen Standorten angeboten werden, vor allem in Bensheim“. Dort werde kräftig ausgebaut, in Hanau würden „Erweiterungsinvestitionen in Technik und Ausrüstung“ getätigt, dort werde „künftig das Zentrum der Implantat-Herstellung in Deutschland sein“, so Par-Weixlberger. 
Hierfür soll ein einstelliger Millionenbetrag investiert werden, insgesamt will Dentsply Sirona „jährlich über 45 Millionen Euro alleine in Forschung und Entwicklung in Deutschland investieren“.

Nach Ansicht der Gewerkschaften dient die Umstrukturierung nur einer besseren Börsenbewertung des Unternehmens. Das Info-Institut, das die Arbeitnehmervertretung berät, habe die geplanten Umstrukturierungen aus wirtschaftlichen Gründen „als nahezu wirkungslos analysiert“, teilen sie mit. Es bestehe die große Gefahr, Kunden zu verprellen. 

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