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Demografie Mittelstand profitiert von Alterung

Die zunehmende Alterung der Gesellschaft hat auch ihre Vorteile - sie entwickelt sich zur Wachstumsstütze des Mittelstands.

Die zunehmende Alterung der Gesellschaft hilft vor allem dem Mittelstand. Foto: dpa

Private Fernsehsender verweisen gerne auf die Einschaltquoten, die sie bei den 19- bis 49-Jährigen erzielen, um ihre Werbeplätze zu vermarkten. Diese Altersgruppe, so die Botschaft, habe das nötige Geld in der Tasche und sei auch besonders konsumfreudig. Ältere Leute kauften dagegen so wenig, dass sie mit Werbung nicht erreicht würden. Doch offenbar ist diese Sichtweise falsch, wie eine aktuelle Auswertung des Mittelstandspanels der bundeseigenen Förderbank KfW zeigt.

Im Gegenteil: Die zunehmende Alterung der Gesellschaft entwickelt sich aktuell sogar zur Wachstumsstütze des hiesigen Mittelstands. Die kleinen und mittleren Unternehmen erwarten als Folge des demografischen Wandels im Zeitraum von 2014 bis 2016 ein jährliches Umsatzplus von im Schnitt 24 Milliarden Euro. „In der Diskussion um den demografischen Wandel stehen vielfach Schwierigkeiten wie Nachfolgeprobleme oder Fachkräfteengpässe im Mittelpunkt, doch das greift zu kurz“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Für viele Mittelständler biete die Alterung der Gesellschaft „auch Wachstumschancen“.

Die KfW beobachtet allerdings auch demografisch bedingte Verschiebungen beim Konsum: Ältere Haushalte geben mehr Geld für Gesundheit und Wohnen aus, aber weniger als die angebliche werberelevanten 19- bis 49-Jährigen für Bekleidung und Mobilität. Zugleich steige der Bevölkerungsanteil der Älteren Jahr für Jahr. Senioren seien zudem kaufkräftiger als früher. Und weil auch die Zahl der Singlehaushalte in Deutschland trotz abnehmender Bevölkerung nach den Prognosen noch einige Jahre steigt, wird auch mehr eingekauft. So sei die reale Konsumsteigerung der zurückliegenden zehn Jahre „fast vollständig auf die älteren Haushalte zurückzuführen“, erklärte die KfW.

Jedes fünfte der bis zu 15 000 Unternehmen, die die Förderbank jährlich befragt, rechne angesichts des Wandels mit Umsatzsteigerungen, nur jedes zehnte dagegen mit Einbußen. Während in der Industrie die Pessimisten überwiegen, ist die Zuversicht bei den Dienstleistern besonders groß. Im Handel halten sich Gewinner und Verlierer die Waage. Hochgerechnet gibt es insgesamt 687 000 mittelständische Firmen in Deutschland, die sich mit ihrem Geschäftsmodell als „Profiteure“ des demografischen Wandels sehen können.

Investieren in Alterskonsum

Viele Mittelständler haben bereits auf die Veränderungen reagiert und ihre Produkte sowie die Vermarktung verändert. Bei Konsumgütern für ältere Menschen steht etwa die Gebrauchstauglichkeit im Vordergrund, bei Dienstleistungen stellen sich die Firmen auf verstärkten Beratungsbedarf ein und beim Marketing auf eine altersneutrale Ansprache. Auch die Vertriebswege müssten bisweilen angepasst werden, berichten die befragten Unternehmen.

All das kostet: 20 Prozent des Investitionswachstums im deutschen Mittelstand gehen laut KfW bereits auf Anpassungen an den demografiebedingt veränderten Konsum zurück. Auch volkswirtschaftlich ist das messbar. „Die demografische Entwicklung setzt aktuell Investitionsimpulse von fast drei Milliarden Euro jährlich“, sagte Chefvolkswirt Zeuner.

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