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Deepwater Horizon Aus der Katastrophe nichts gelernt

Während BP endlich für die havarierte Ölbohrinsel Deepwater Horizon zahlt, lässt US-Präsident Donald Trump die riskante Fördermethode wieder zu. Die Analyse.

Deepwater Horizon
April 2010: Die Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko steht in Flammen. Foto: dpa

Deepwater Horizon – der Name der Ölplattform hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Fast sieben Jahre ist es her, dass die Ölplattform im Golf von Mexiko explodierte. Der größtmögliche Ölunfall wurde Realität. Aus einem Bohrloch flossen in 1500 Metern Tiefe insgesamt 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer. Ein etwa 1000 Kilometer langer Küstenabschnitt wurde verschmutzt. Elf Arbeiter kamen ums Leben. Hundertausende Seevögel starben.

Es war die schwerste Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA. Und viele dachten damals das sei auch das Ende des britischen Öl-Multis BP, der die Katastrophe verursacht hatte. Für viele Umweltschützer stand außer Frage: Ein Unternehmen das so einen Schaden anrichtet, darf nicht weiter nach Öl bohren. Weit gefehlt. Am Dienstag haben die Analysten der Deutschen Bank das Kursziel für BP erhöht. Wie schon zuvor Branchenexperten aus anderen Geldhäusern. BP zählt wieder zu den Darlings der Börsianer.

Dabei hatte BP wenige Stunden vorher bekannt gegeben, dass außerplanmäßig Aufwendungen von 1,7 Milliarden Dollar für das letzte Quartal hinzu kommen. Der Grund: Die Vergleiche aus Klagen wegen der Deepwater-Katastrophe sind erheblich teurer ausgefallen als erwartet. Es geht um Einigungen bei insgesamt fast 400.000 Fällen. Weitere Zahlungen werden hinzukommen, die könnten nach Experten-Schätzungen noch einmal drei Milliarden Dollar ausmachen. Aber dann will BP den Deckel draufmachen und das Kapitel Deepwater Horizon abschließen. Bleibt es im jetzt vorgesehenen Rahmen würde der größte Ölunfall in der Geschichte BP insgesamt 68 Milliarden Dollar kosten.

Trump will den Ölmultis das Geschäft einfacher machen

Wie BP das wegsteckt? Das Unternehmen fährt im eigentlichen Geschäft wieder riesige Gewinne ein. Allein knapp 1,9 Milliarden Dollar wurden im dritten Quartal erwirtschaftet. Die wieder gestiegenen Ölpreise weltweit machen es möglich. Obwohl von Elektroautos und erneuerbaren Energien geschwärmt wird, ist das Geschäft mit dem Rohstoff noch höchst lukrativ. Und die Chancen stehen gut, dass das so weiter geht. Analysten rechnen mit weiter steigenden Rohöl-Notierungen.

Zudem will Präsident Trump den Ölmultis das Geschäft einfacher machen. Die nach der Deepwater-Katastrophe von der damaligen US-Regierung verfügten schärferen Bestimmungen für das Betreiben von Ölplattformen will der Präsident weitgehend wieder abschaffen. Es geht vor allem um Meldepflichten und die möglichen Eingriffe durch Behörden. Und Trump will die Förderung von Öl vor den Küsten der USA massiv ausbauen. Auch um den in den USA wichtigen Spritpreis niedrig zu halten. Gute Zeiten für BP und Co. Gute Zeiten auch für Autobauer, die spritfressende SUV und Pickups anbieten, die gerade auf der Automesse in Detroit bestaunt werden können.

Es sieht so aus, als würde alles wieder auf die Zeit vor der Explosion der Ölplattform zurückgedreht. Wiederholt sich die Geschichte? Wollen wir es nicht hoffen. Indes liegen in einem Punkt die Dinge in jedem Fall anders. Ölbohrungen vor der Küste Floridas sollen tabu sein, wegen der besonderen Bedeutung des Tourismus für den Bundesstaat, teilt die Regierung mit. Wobei im Internet viele unken, es gehe Trump nur darum, seinen exklusiven Golfclub Mar-a-Lago zu schützen. Der liegt an der Küste von Florida.

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