Lade Inhalte...

Dawanda Dämpfer für Bastel-Profis

Der bekannteste deutsche Online-Marktplatz für Selbstgemachtes wird am 30. August eingestellt. Viele Verkäufer fürchten um ihre Zukunft.

Claudia Helming
Gibt auf: Claudia Helming, Gründerin und Geschaftsführerin von Dawansa. Foto: dpa

Christina Pauls fertigt Ketten, Armbänder sowie Wanduhren an und designt Poster. Seit 2011 verkauft sie ihre Produkte bei Dawanda und generiert dort ihren Hauptumsatz. Noch. Denn vor wenigen Wochen verkündete die Berliner Online-Plattform für Selbstgemachtes in einer Pressemitteilung, dass sie Ende August nach zwölf Jahren schließt. Die Verkäufer bekommen die Möglichkeit, bei dem amerikanischen Dawanda-Vorbild Etsy weiterzumachen. Ein Tool soll ihnen den Umzug erleichtern, ihre Angebote und Bewertungen blieben so erhalten.

„Das hat mich getroffen“, sagt Pauls. Für sie und die meisten Verkäufer kam dieser Schritt überraschend. Vor allem weil Dawanda erst im Februar verkündet hatte, dass sie nun endlich schwarze Zahlen schrieben. Der Online-Marktplatz für Kreative konnte seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 21,4 Prozent auf 16,4 Millionen Euro erhöhen. Gleichzeitig verbesserte sich das Ebitda – also der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – von minus vier auf minus eine Million Euro.

Trotzdem „mussten wir uns eingestehen, dass unser Wachstum stagniert und wir es aus eigener Kraft kaum schaffen können, die Zahl der Verkäufe auf unserer Plattform im gewünschten Maße wachsen zu lassen – auch unsere Umstrukturierung im vergangenen Jahr konnte dies nicht ändern“, sagt Gründerin Claudia Helming der FR. Unter anderem waren bereits 2017 ein Viertel der Mitarbeiter entlassen worden. Die E-Commerce-Landschaft habe sich in den letzten Jahren sehr verändert, ihr Geschäftsmodell stoße zunehmend an seine Grenzen. „Wir haben erkannt, dass das Risiko, nicht mehr mithalten zu können, zu groß ist“, sagt Helming. Darum habe man im Herbst letzten Jahres mit der Suche nach einem Partner begonnen. Etsy teile mit Dawanda dieselben Werte und Ziele.

Viele Verkäufer von Dawanda reagierten auf Social Media-Portalen wütend auf die Nachricht. Sie bangen um ihre Existenz. Anbieter und Käufer schätzten die heimelige, intime Atmosphäre der Plattform. „Dawanda stand für Kreativität und Individualität, wüsste nicht, wer das ersetzen soll“, sorgt sich ein User. Andere sind traurig, bedanken sich für die Zeit. „Danke, dass ihr die DIY-Szene zu dem gemacht habt, was sie heute ist!“.

Für viele Verkäufer war es die erste Begegnung mit dem Online-Handel, tausende konnten von dem Verkauf leben, haben sich selbstständig gemacht oder eine Firma gegründet. „Das war der Startschuss für vieles, was ich mich sonst sicher nicht getraut hätte“, schreibt eine Verkäuferin. Manche wollen probieren, auf Etsy anzuknüpfen, oder bieten dort bereits Produkte an, für andere kommt die globale Plattform, die natürlich viel größer und internationaler als Dawanda ist, nicht infrage. Zu groß, zu unübersichtlich und wenig Rechtssicherheit, beklagen einige.

Nach firmeneigenen Angaben verkaufen bei Etsy rund zwei Millionen Verkäufer ihre Produkte und das an 34,7 Millionen aktive Käufer. Klar, als größter Anbieter für Selbstgemachtes ist Etsy ein ganz anderes Kaliber als Dawanda – und die Geschäfte laufen. Das Portal, das 2005 gegründet wurde, steigerte seinen Umsatz in den letzten Jahren und konnte 2017 einen Gewinn von 441 Millionen US-Dollar (etwa 377 Millionen Euro) verbuchen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen