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Cyberkriminalität Moderne Kriminelle

Verbrecher verlegen sich immer mehr ins Netz.

Symbolfoto Gericht
Justitia. Foto: Imago

Früher schlitzten die Täter mit einem Messer die Lkw-Plane auf und räumten Schreibmaschinen, Telefone und Weinflaschen aus. Die Cyberkriminellen von heute bringen gleich den ganzen Laster unter ihre Kontrolle, etwa indem sie sich auf Online-Frachtbörsen als Transportunternehmen ausgeben. Phantomfrachtführer heißt das in der Fachsprache und ist laut Sven Töpffer vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zu einem gängigen Betrugsmodell im digitalen Zeitalter geworden. Alle 20 Minuten schlagen Kriminelle auf diesem Wege zu, meint Töpffer. 

Die Digitalisierung hat auch die Verbrecherwelt erfasst und eröffnet neue Angriffswege auf das Geld und das Eigentum anderer Menschen. Einer, der gegenhalten und die Justiz 4.0 mitgestalten möchte, ist Markus Hartmann, Oberstaatsanwalt der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen. Seine Einheit soll im Laufe des Jahres von sechs auf über 21 Staatsanwälte anwachsen. Auch wenn viele Büros noch unbesetzt sind, zeigt dies, welche Priorität die Politik diesem Thema einräumt. 

Mit der Bündelung der Kompetenzen will Nordrhein-Westfalen ähnlich wie andere Bundesländer nicht nur die Ermittler fachlich auf Augenhöhe mit den Tätern bringen. Es geht laut Hartmann auch darum, einen Kulturwandel in der Justiz zu erreichen. Bürozeiten von neun bis fünf Uhr sind mit Verbrechen 4.0 nicht zu vereinbaren. Zu schnell seien Online-Spuren verschwunden, berichtet Hartmann. 

Wenn eine Firma gehackt wird, könnten Staatsanwaltschaft und Polizei zudem Näheres nur in Kooperation mit den IT-Experten des Betriebs herausfinden. Gerade dies aber könnte ein Grund dafür sein, dass die Geschädigten weniger als ein Drittel der Fälle zur Anzeige bringen. Hartmann vermutet, dass viele Produzenten und Händler die Sache aus Angst vor einem Imageschaden in der Öffentlichkeit lieber vertuschten. Zudem gebe es die Furcht, die Beamten könnten auch die Fehler in der Steuererklärung entdecken, wenn man sie einmal ins Haus ließe. Der Oberstaatsanwalt appelliert an die Wirtschaft, solche Bedenken zurückzustellen. „Nur der gefasste Cyber-Kriminelle kommt nicht wieder.“

Die digitalen Verbrechen sind so vielfältig wie die digitale Welt selbst. Gerne  geben sich die Täter zum Beispiel als Führungskräfte aus und bedrängen Angestellte, angeblich für die Firma überlebenswichtige Zahlungen schnell freizugeben. Sie nennen den Beschäftigten falsche Lieferadressen, um so an die Ware zu gelangen. Sie ändern in der elektronischen Kommunikation die Bankverbindung, so dass das Geld nicht an den wahren Lieferanten, sondern an sie geht. Cyberkriminalität im engeren Sinne meint das Hacken von Unternehmensnetzen, den illegalen Zugriff auf Firmendaten oder die Erpressung mit der Drohung, Schadsoftware einzusetzen. 

Nur ein bis vier Prozent des gesamten Internetvolumens finden in dem Bereich statt, den normale Menschen kennen. Dies schätzt Sven Weizenegger, den einst die Telekom als Experten fürs Hacken zur Verbesserung ihrer Abwehrmöglichkeiten beschäftigte. Ein großer Teil des Internets ist laut diesem Experten durch Passwörter geschützt oder nur durch spezielle Browser zugänglich. 

Und dann gibt es die ganz besonders dunklen Aktivitäten, das Dark Net. Nicht alle, die sich hier tummeln, seien kriminell, so Weizenegger. Die Anonymität nutzten auch Dissidenten in Diktaturen oder Whistleblower. Am interessantesten aber sei das Dark Net etwa für Drogendealer, Waffenhändler oder Pädophile.

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