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Crowdfunding Zusammenlegen für die Umwelt

Viele Interessenten zum Start der ersten Crowdfunding-Plattform für ökologische Projekte.

So will ein Niederländer mithilfe von Crowdfundern die Meere aufräumen: Computersimulation seines Apparats. Foto: afp/The Ocean Cleanup

Das Projekt heißt „The Ocean Cleanup“. Der 19-jährige Niederländer Boyan Slat hat es gestartet, um die gigantischen Plastikmüllmengen aus den Weltmeeren zu fischen, die sich dort angesammelt haben. Und die Idee des Studenten scheint einzuschlagen. Fast 40 000 Unterstützer sind Slats Aufruf zum „Crowdfunding“ gefolgt. Zusammen haben sie mit kleineren und größeren Beträgen über 2,1 Millionen Dollar bereitgestellt, damit der Niederländer einen Prototypen seiner Plastik-Sammelmaschine bauen und testen kann. Zwei Millionen hatte er dafür veranschlagt. Die „Crowd“ hat das Geld in diesem Sommer binnen weniger Wochen zusammengelegt.

Summen wie beim Ocean Cleanup peilt die neue deutsche Plattform „EcoCrowd“ – zumindest vorerst – nicht an. Bei den Projekten, mit denen das ökologische Crowdfunding Ende des Monates starten will, gibt es einen Deckel von 20 000 Euro. „Wir wollen erst Erfahrungen sammeln und Risiken begrenzen“, sagt die Leiterin der Plattform, Jamila Mohme, der FR. Es ist die erste Crowdfunding-Plattform in Deutschland, die sich auf das Themengebiet Ökologie fokussiert.

Bislang haben bereits knapp 100 Projekte Interesse an einer Start-Finanzierung durch EcoCrowd angemeldet. Dabei geht es um innovative Lösungen in Bereichen wie Nahrungsmittel-Verschwendung, Müll, Überfischung, Monokultur-Anbau und Landknappheit.

Bei erfolgreicher Finanzierung erhalten die Unterstützer eine Gegenleistung vom Projektinitiator. Das kann das fertige Produkt – zum Beispiel ein solarbetriebenes Ladegerät – sein, aber auch etwas ganz anderes, etwa die Einladung zur Eröffnung des Projektes. Wird die vorher festgelegte Finanzierungssumme nicht erreicht, erhalten die Unterstützer ihr Geld zurück.

Initiatorin der neuen Plattform, die vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt unterstützt wird, ist die private Deutsche Umweltstiftung. Ihr Vorsitzender Jörg Sommer sagt zur Motivation: „Es gibt viele innovative, gute Ideen und Projekte, für die Banken und andere Finanzierer kein Geld geben wollen. Die möchten wir fördern.“

Die Stiftung, die sich als älteste deutsche Bürgerstiftung bezeichnet, ist quasi selbst ein Crowdfunding-Projekt. Sie wurde 1982 von mehr als 300 Personen aus Wissenschaft, Politik, Medien und Umweltbewegung gegründet, darunter Erhard Eppler (SPD), Günter Grass, Bernhard Grzimek und Horst Stern. Aktuell wird sie von über 2100 Stiftern unterstützt.

Die Organisation hat in den gut 30 Jahren ihres Bestehens nach eigenen Angaben über 300 Projekte gefördert, betreut oder selbst initiiert. Dazu gehören beispielsweise die Aktion „Ein Baum für jedes Kind“, der „AKW-Gefährdungsatlas“, das „Adressbuch Umweltschutz“ sowie diverse Buch- und Journalistenpreise.

Die vorgeschlagenen Projekte schaffen es nur auf die EcoCrowd-Homepage, wenn sie bestimmte „Nachhaltigkeitskriterien“ erfüllen, die ein Expertenbeirat aufgestellt hat. Dazu zählen ein „Mehrwert“ etwa für Klimaschutz, Artenvielfalt, Bekämpfung von Krankheiten, zudem die Verwendung umweltbewusst hergestellter Rohstoffe und im Idealfall die Übertragbarkeit auch auf andere Orte. „Uns geht es um Qualität, nicht um Quantität. Darin unterscheiden wir uns von herkömmlichen Crowdfunding-Plattformen“, erläutert Projektbetreuerin Tina Ruhner. Zum Start der Plattform sollen maximal zehn Projekte online gestellt werden.

Die Eco-Plattform, selbst teilweise per Crowdfunding finanziert, hat derzeit fünf hauptamtliche und über 30 ehrenamtliche Mitarbeiter. „Das Interesse an dem Projekt ist riesig“, sagt Leiterin Mohme. Gesucht werden allerdings noch „Spendenaktionäre“, die den Aufbau der Plattform mit je 100 Euro unterstützen. Diese erhalten ein Mitspracherecht bei der Ausgestaltung der Plattform, die am 29. Oktober mit einer großen „Launchparty“ in Berlin offiziell startet.

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