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Computer Microsoft fährt den PC herunter

Die Verkäufe von Lap- und Desktops gehen weltweit zurück. Daran ist Microsoft nicht ganz unschuldig.

Verrechnet: Das Betriebssystem Windows 8 findet nicht die erwartete Resonanz. Foto: microsoft

Das Ende einer Ära rückt näher. So heftig wie im ersten Quartal dieses Jahres sind die PC-Verkäufe weltweit noch nie eingebrochen. Die Marktforscher von IDC an der US-Ostküste verzeichneten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Minus von 14 Prozent, die Konkurrenz von Gartner maß einen Rückgang um immerhin noch 11,2 Prozent. Schuld daran sind Tablets, Smartphones – und Microsoft, dessen neues Betriebssystem ein Befreiungsschlag sein sollte, aber nun zum Schlag ins Wasser wird.

Während die Unternehmen weiterhin traditionelle Lap- und Desktops anschaffen, steigen laut Gartner vor allem die Privathaushalte in Scharen auf neue Geräte um. Häufig wird statt einem neuen Laptop ein Tablet angeschafft oder ein leistungsfähiges Smartphone gekauft. Das alte Gerät bleibt im Dienst, weil es für die Basisanwendungen noch taugt.

In Europa, wo die Krise die Konsumausgaben ohnehin drückt, sind die Einbrüche besonders heftig. Doch selbst in Wachstumsmärkten wie Osteuropa, dem Nahem Osten und Afrika sinken die PC-Verkäufe. Das ist für die Industrie noch besorgniserregender, denn bis vor kurzem wurde prophezeit, dass trotz des Tablet-Siegeszugs dort noch riesige Aufholpotenziale schlummern.

Die Analysten von IDC sehen die Schuld für den Absturz allerdings auch bei Microsoft. Das neue Betriebssystem Windows 8 kommt nach deren Einschätzung überhaupt nicht gut an und hat zum Schrumpfen des Marktes beigetragen. Das ist ein beispielloses Fiasko für Microsoft. Denn bislang war es dem Unternehmen noch mit jeder Windows-Version gelungen, die Verkäufe anzukurbeln.

Windows 8 hat zwei Probleme: Erstens ist es ein Übergangssystem, bei dem die gewohnte Windows-Struktur mit dem Desktop für Symbole abgespeckt und weniger praxistauglich erhalten blieb. Parallel gibt es einen Bildschirm mit großen Symbolen, sogenannten Kacheln, auf denen Informationen ständig aktualisiert werden. Dort können zum Beispiel die neuesten Facebook-Nachrichten und -Bilder erscheinen. Das Nebeneinander macht die Bedienung jedoch verwirrender und umständlicher.

Zweitens macht die neue Benutzeroberfläche nur mit Touchscreen Spaß und ist eher für die Freizeit als zum Arbeiten geeignet. Mit der Maus wird die Bedienung zu einer ziemlichen Fummelei. Damit hat Microsoft die Wettbewerbsposition von PCs mit Windows 8 im Vergleich zu Tablets deutlich geschwächt. Denn ein Touchscreen als Extra, so er überhaupt angeboten wird, kostet um die 100 Euro Aufpreis.

Ein vernünftiger Laptop, der in jeder Hinsicht tauglich für Windows 8 ist, nähert sich der 1?000-Euro-Marke und ist damit etwa doppelt so teuer wie ein sehr guter Tablet-Computer. Die PC-Hersteller lassen ihrem Frust über Windows 8 inzwischen freien Lauf.

Microsofts Entscheidung, den PC-Markt mit dem Tablet- und Smartphone-Markt mit gleichartigen Betriebssystemen auszustatten, war riskant – und vermutlich falsch. Der Niedergang des PCs wurde beschleunigt, während es kaum gelingt, in den neuen Märkten Fuß zu fassen, wo Googles Android und Apple dominieren.

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