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Commerzbank Tiefrot, mit Aufwärtspotenzial

Die massiven Stellenstreichungen drücken die Bilanz der Commerzbank. Der Einstieg eines US-Investors gibt Rätsel auf.

Blitze über Bankentürmen
Kein Grund für Gewitterstimmung: der Verlust bei der Commerzbank. Foto: dpa

Die massiven Stellenstreichungen bei der Commerzbank haben in der Konzernbilanz tiefe Spuren hinterlassen. Dennoch hielt sich der Schrecken über das Abrutschen in die Verlustzone bei den Analysten in Grenzen. Auch die Aktionäre erholten sich rasch wieder. Nach einer anfänglichen Talfahrt legten die Commerzbank-Titel zu. An weiteres Aufwärtspotenzial glaubt US-Investor Cerberus, der jüngst bei dem viertgrößten deutschen Geldhaus nach Bilanzsumme einstieg. Was man ihm glauben darf, ist unklar.

Im ersten Halbjahr stand unter dem Strich ein Minus von 406 Millionen Euro nach einem Gewinn von 384 Millionen Euro im Vorjahr. Für 2017 erwartet Finanzvorstand Stephan Engels ein leicht positives Ergebnis. Das ist aber nur Sondererträgen zu verdanken - vor allem aus dem Verkauf der Frankfurter Zentrale.

Der Vorsteuerverlust lag bei 292 Millionen Euro, worin Restrukturierungsaufwendungen von 807 Millionen Euro enthalten sind. Ursprünglich hatte die Bank für den Abbau von mehr als 7000 Stellen mit Kosten in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro gerechnet, und zwar verteilt auf die Jahre 2017 und 2018. 

Nachdem die Commerzbank sich mit den Betriebsräten auf die Konditionen für den Jobabbau geeinigt hat, buchte sie die Kosten nun früher als erwartet ab. „Ich bin noch sehr überrascht, wie die Differenz zustande kommt“, sagte Aktienanalyst Michael Seufert von der Nord LB. „Ob der Betriebsrat vielleicht nicht gut verhandelt hat?“

„Kostenseitig kommt die Commerzbank gut voran“, sagte Seufert. Beim Ertrag habe er aber ein „bisschen mehr Fleisch“ erwartet. Das operative Ergebnis lag im zweiten Quartal bei 183 Millionen Euro, gerechnet hatte Seufert mit 220 Millionen Euro.

Sein Kollege Philipp Häßler von Equinet lobte besonders die Entwicklung beim Kapital und die Reduktion beim belastenden Schiffskrediteportfolio. Auch das Kundenwachstum sei im Rahmen der bankeigenen Erwartungen. „Bis die Bank wieder normal profitabel wird, ist es aber noch ein langer Weg“, sagte er. Der tiefgreifende Konzernumbau dürfte sich frühestens in zwei Jahren auszahlen.

Das Problem für die Bank werde sein, operativ Erträge zu erzielen, sagte Seufert. Wachstumsfeld für die Bank sei die Neukundengewinnung. Die Investitionen in das Begrüßungsgeld für Neukunden im Privatkundengeschäft fräßen aber die Erträge auf. Vorstandschef Martin Zielke rechnet damit, dass sich die Investitionen in etwa eineinhalb Jahren lohnen.

Zur Jahresmitte hat die Bank im Segment Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland ihr Ziel von mehr als 500.000 neuen Kunden bereits erreicht. Bei den Firmenkunden will die Commerzbank dieses Jahr 3500 neue gewinnen.

Von diesem Ziel sei die Bank noch ein Stück entfernt, sagte Seufert. Derzeit sind es hier 3100 neue Kunden. Bis 2020 will die Commerzbank gar 10.000 neue Firmenkunden gewinnen.

„Problematisch“, sagte Seufert. Jeder wolle am Filetstück der deutschen Wirtschaft, dem Mittelstand, verdienen - auch ausländische Banken wie BNP und Santander. „Hier herrscht eine Riesenkonkurrenz.“ Die Gefahr bei den massiven Neukundengewinnungen im Firmengeschäft seien mögliche Abschreibungen später, wenn man sich die falschen Kunden angelacht habe. „Derzeit geht kaum ein Unternehmen pleite, weil die Zinssituation so harmlos ist“, sagte der Analyst. Ändere sich dies, werde das Geschäft viel schwieriger.

Für die „Cum-Cum“-Affäre um Steuertricks mit Dividendenpapieren nahm die Commerzbank keine Rückstellungen vor. Das Finanzministerium hält das Steuerschlupfloch nun in den meisten Fällen für rechtswidrig. Die Finanzaufsicht Bafin prüft, inwieweit Strafen und Steuernachzahlungen hierfür die Banken belasten könnten. Die Analysten rechnen schlimmstenfalls mit Millionenzahlungen. Die Existenz der Commerzbank werde wohl nicht bedroht.

Zum Einstieg von Cerberus sagte Seufert: „Vielleicht setzt er auf eine Konsolidierung im Bankenmarkt?“ US-Finanztitel seien zudem relativ teuer, europäische günstig zu haben. Auch Häßler nannte Aufwärtspotenzial bei der Aktie als wahrscheinlichen Grund für den Einstieg. Der US-Investor gilt als aggressiv, in der Mythologie ist er der Höllenhund. Den kann man aber mit Honigkuchen bestechen.

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