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Christliche Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe

Sogar in der Wirtschaft spielen die drei christlichen Tugenden eine große Rolle. Das haben US-Ökonomen herausgefunden.

Herz-Jesu-Graffiti
Gut fürs Geschäftemachen? Herz-Jesu-Graffito am Rollladen eines Einzelhändlers. Foto: dpa

Das System der Konkurrenz um wirtschaftliche Erträge beinhaltet allerdings stets den Anreiz, das Vertrauen des Gegenübers zu missbrauchen und damit zu zerstören. Fehle das Vertrauen, so das IW, müsse es durch Kontroll- und Strafmechanismen ersetzt werden. Das ist allerdings mit Kosten verbunden: Überwachung, Prüfung der Produkte und Verträge – all das kostet Geld. Vertrauen sich die Parteien gegenseitig, werden die Transaktionen effizienter.

Die gesellschaftlichen Kosten von Betrug sind hoch. Ökonomen der Universitäten Iowa und Orange fanden in spieltheoretischen Experimenten: Ein Vertrauensbruch kann zwar durch die Einführung strenger Regeln „geheilt“ werden. Regeln jedoch „stärken nicht das Vertrauen und führen daher zu einem geringeren Wohlstand“.

Hoffnung ist der Anfang von allem. „Der Kapitalismus basiert auf Unternehmern, die Risiken eingehen“, so der Ökonom Paul de Grauwe. Diese Unternehmer seien in der Regel von der optimistischen Sorte. „Es ist dieser Optimismus, der die Dynamik des Kapitalismus antreibt.“ Der Stand der Hoffnung wird regelmäßig erhoben – zum Beispiel in Form des Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Erwartungen von 7000 Unternehmen abbildet. Oder in Form von Aktienindizes. Denn Hoffnung ist die Basis der Finanzspekulation. Das lateinische speculare bedeutet „beobachten“ oder „Ausschau halten“.

Ein Zuviel an Hoffnung jedoch führt laut dem US-Ökonomen Robert Shiller regelmäßig zu Übertreibungen und Überinvestitionen. Im Moment der Krise dreht der Trend, die Akteure werden pessimistisch, verkaufen ihre Aktien, investieren nicht mehr, wodurch der Abschwung eingeleitet wird – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. „Als Ergebnis kann sich die Ökonomie zwischen extremen Schwankungen und exzessiver Stabilität bewegen, ohne dass dafür offensichtliche Gründe vorlägen“, schreibt Livio Stracca von der Euro-Zentralbank.

Im Extremfall der Hoffnungslosigkeit friert wie Ende 2008 das Finanzsystem ein. Der Zusammenbruch droht, wenn allen der Kredit gesperrt wird. Denn der Kapitalismus basiert heute auf Kredit, abgeleitet vom Lateinischen credere, was „glauben“ bedeutet. Ein Mangel an Hoffnung verstetigt aber auch die soziale Spaltung. Carol Graham von der Universität Maryland hat die Situation in den USA untersucht und findet einen generellen Rückgang der Hoffnung bei den Amerikanern – der aber nicht gleich verteilt ist: „Die Wohlhabenden erreichen hohe Hoffnungs-Werte und investieren daher in ihre Zukunft und in Bildung, Gesundheit ihrer Kinder. Jene am unteren Ende dagegen haben viel geringere Hoffnungs-Werte und neigen dazu, von Tag zu Tag zu leben.“

Glaube, Liebe, Hoffnung spielen also eine große Rolle in der Wirtschaft, ebenso wie Vernunft und Mitgefühl. Zwar modelliert die Ökonomie den Menschen gern als asozialen Egoisten, der seinen Nutzen maximiert und dafür die Umwelt instrumentalisiert. Doch das ist Theorie. „In Wirklichkeit“, so der Schriftsteller Dietmar Dath, „verlässt sich der Kapitalismus stillschweigend ständig auf genau die menschlichen Eigenschaften, die seine Weißwäscher der Mehrheit absprechen.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Weihnachten

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