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Christliche Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe

Sogar in der Wirtschaft spielen die drei christlichen Tugenden eine große Rolle. Das haben US-Ökonomen herausgefunden.

Herz-Jesu-Graffiti
Gut fürs Geschäftemachen? Herz-Jesu-Graffito am Rollladen eines Einzelhändlers. Foto: dpa

Es ist die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre und Elisabeth sucht einen Job als Vertreterin. Doch der nötige Wandergewerbeschein kostet Geld. Ein Dilemma: Elisabeth braucht Arbeit, um an Geld zu kommen, doch um an Arbeit zu kommen braucht sie Geld. Die Lösung: Sie wendet sich an das Anatomische Institut, um dort ihren Leichnam vorab zu verkaufen. Doch das geht schief. Am Ende verliert Elisabeth alles – ihren Glauben, ihre Liebe, ihre Hoffnung.

Glaube, Liebe, Hoffnung ist nicht nur der Titel eines Theaterstücks von Ödön van Horvath. Sie bezeichnen auch die Tugenden, die Gott nach christlicher Lehre in die Gläubigen „eingegossen“ hat. Am Verlust dieser Tugenden lässt der Autor Horvath seine Figur Elisabeth sterben. Denn gerade in Krisenzeiten sind sie überlebensnotwendig. Ökonomen haben sich des Themas daher angenommen und die Bedeutung des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung erforscht.

Der Glaube an einen oder mehrere Götter ist ein veritabler Wirtschaftsfaktor. Für die USA hat Brian Grim von der Universität Georgetown die jährlichen Einnahmen „glaubensbasierter“ Einrichtungen addiert – Kirchen, konfessionelle Hospitäler und Schulen, Wohltätigkeitsvereine, Gospel-Musikanten, die Produzenten von Halal-Fleisch und koscheren Gerichten. Er kommt auf eine Summe von knapp 380 Milliarden Dollar pro Jahr – und dabei ist weihnachtliches Shopping nicht mit eingerechnet.

Der Glaube an ein Jenseits kann zudem den sozialen Frieden im Diesseits befördern, der so wichtig ist für das Wirtschaftswachstum. Und er unterstützt altruistisches Verhalten, das die gesellschaftliche Wohlfahrt steigert. Harvard-Ökonom Nathan Nunn zeigt dies am Beispiel des kongolesischen Dorfes Bulambika: Das Dorf war ab Mitte der neunziger Jahre regelmäßig Ziel von Angriffen feindlicher Milizen. Dann aber fand der Dorfälteste eine magische Formel, die die Bewohner vor Gewehrkugeln schützte, solange sie bestimmte Regeln einhielten – wie zum Beispiel den Verzicht auf Zucchini.

Mit diesem Glauben ausgestattet starteten die Dorfbewohner – nur mit Macheten bewaffnet – ihre Gegenwehr. Viele opferten sich. Doch am Ende wurde das Dorf gesichert. „Aus der Perspektive der Individuen war der falsche Glaube an Unverwundbarkeit kostspielig“, erklärt Nunn. Sie bezahlten ihn mit ihrem Leben. Aus der Perspektive der Gemeinschaft jedoch war er nützlich. „Das zeigt, dass ein ‚richtiges‘ Ausmaß an ‚falschen‘ Glaubenssätzen ein sozial effizientes Ergebnis bringen kann“, so der Ökonom. Ein ähnlicher Effekt tritt ein, wenn zum Beispiel Wirtschaftsakteure daran glauben, dass in der Konkurrenz jeder erfolgreich sein kann. Dies ist zwar unzutreffend, führt aber dazu, dass alle sich maximal für das Wirtschaftswachstum ins Zeug legen.

Liebe spielt im Wirtschaftsgeschehen zumeist keine tragende Rolle. In der milderen Form des Vertrauens jedoch ist sie nicht ersetzbar. Denn der Kapitalismus beruht ebenso auf Konkurrenz wie auf Kooperation. „Jeder Tausch erfordert Vertrauen darin, dass die Gegenseite ihren Teil der Vereinbarung einhält“, so Ökonom Friedrich Sell. Laut Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft gilt grundsätzlich: Länder mit einem höheren Vertrauensniveau haben auch ein höheres Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Weihnachten

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