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China-USA Deutsche Firmen fürchten Eskalation

Wie sich der pazifische Handelsstreit auf hiesige Unternehmen auswirken kann.

USA und China streiten um Zölle
Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnte auch Tausende deutsche Firmen treffen. Deshalb fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie die Kontrahenten auf, auf dem Verhandlungsweg Lösungen zu finden. Foto: rtr

Dieter Kempf gibt sich besorgt: „Neue Zölle treffen auch deutsche Unternehmen“, sagt der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die Protektionismusspirale ziehe viele andere Länder in Mitleidenschaft – besonders Handelsnationen wie Deutschland. So oder ähnlich war es am Dienstag von vielen Organisationen und Ökonomen zu hören.

US-Präsident Trump will zum 24. September chinesischen Importen aus nahezu allen Branchen mit einem Wert von jährlich 200 Milliarden Dollar (170 Milliarden Euro) Strafzölle aufdrücken. Zunächst muss bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten ein Aufschlag von zehn Prozent gezahlt werden. Vom 1. Januar 2019 an soll der Tarif auf 25 Prozent steigen. Dieser Satz gilt bereits für Produkte im Wert von 50 Milliarden Dollar. China hat indes umgehend Vergeltung angekündigt. Und Trump hat bereits gewarnt, dass dies höhere Importzölle mit einem Volumen von weiteren 267 Milliarden Dollar nach sich ziehen werde: Alle Einfuhren aus der Volksrepublik würden dann mit den deutlich erhöhten Abgaben belastet.

„Die USA und China sollten den Konflikt dringend deeskalieren und auf dem Verhandlungsweg Lösungen finden“, fordert Kemp. Danach sieht es momentan aber nicht aus. Der Handelskonflikt entwickle sich zu einer länger währenden Konfrontation, betont Chang Shu vom US-Finanzdienstleister Bloomberg. Trumps Strategie, den Druck auf China zu erhöhen, werde nicht zu Zugeständnissen, sondern zu einer Eskalation führen, mit schwerwiegenden Folgen für Lieferketten in Asien.

Bauteile aus China werden schlagartig teurer

Das könnte unmittelbar auch Tausende deutsche Firmen treffen, die entweder in China oder in den USA produzieren – beispielsweise den Hightech-Konzern Siemens, der in den Vereinigten Staaten unter anderem Turbinen für Kraftwerke und Komponenten für Industrieanlagen baut. Dabei setzt das Unternehmen auch auf elektronische Bauteile, die aus China kommen. Sie werden schlagartig teurer, was zumindest die Gewinne drückt. Der Münchner Konzern wird das wohl einigermaßen wegstecken, für Mittelständler, die international unterwegs sind, kann’s hingegen schnell eng werden. Siemens-Manager werden wohl nach anderen Zulieferern suchen, was aber bei der hochspezialisierten Elektronik, die der Konzern einsetzt, nicht einfach wird.

Wie die chinesische Vergeltung auf Trumps Attacke aussehen wird, ist noch nicht klar. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass die kommunistische Regierung ihrerseits weitere Strafzölle verhängt – es gelten bereits 25 Prozent für US-Einfuhren im Wert von 50 Milliarden Dollar, weitere 60 Milliarden und eine Erhöhung des Abgabensatzes könnten hinzukommen – China importiert aus den Vereinigten Staaten Produkte für insgesamt 130 Milliarden Dollar. Darunter könnten etwa die deutschen Autobauer Daimler und BMW massiv leiden, die ihre SUV auch für den chinesischen Markt in den USA fertigen. Die erste Welle chinesischer Strafzölle hat bei Daimler dazu geführt, dass die Gewinnerwartungen für dieses Jahr nach unten korrigiert werden mussten.

Zusätzliche Weiterungen sind denkbar: So könnte die chinesische Regierung Unternehmen, die von US-Zöllen besonders betroffen sind, stützen – etwa mit günstigen Krediten. Das würde deutsche Konkurrenten in Bedrängnis bringen und richtig hart durchschlagen, wenn chinesische Unternehmen Exporte auch verstärkt nach Europa umleiten. Kempf macht denn auch darauf aufmerksam: „Strukturelle und staatlich begünstigte Überkapazitäten aus chinesischer Produktion drücken seit Jahren auf westliche Märkte.“ Die sehr wahrscheinliche Folge: neue Zölle der Europäischen Union gegen China zum Schutz europäischer Unternehmen – was beim Stahl schon so geschehen ist.

Dieses Szenario zeigt, wie sich Dominoeffekte durch die globale Wirtschaft ziehen, Preiserhöhungen bei allen möglichen Produkten wären eine naheliegende Konsequenz. Wirtschaftswachstum könnte gehemmt werden. Die Bloomberg-Experten haben hochgerechnet: Kommen US-Strafzölle auf sämtliche China-Einfuhren, wird das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte um 1,5 Prozent gedrückt. Das wird in dem Riesenland trotz seiner hohen Zuwächse spürbar. Und damit insbesondere auch bei deutschen Autobauern, die immer stärker von China abhängig werden. Volkswagen etwa verkauft dort immerhin gut 40 Prozent seiner Fahrzeuge.

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