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China Hightech-Batterien für Deutschland

Die Chinesen erledigen ab sofort, zu was die deutsche Industrie nicht imstande war - Batterien für E-Autos produzieren. Dafür bauen sie in Thüringen eine Batteriefabrik.

Elektrischer BMW i4
BMW kauft die Batteriezellen bei asiatischen Unternehmen. Foto: dpa

Man könnte auf die Idee kommen, hier hat jemand die Länder verwechselt: China investiert in Deutschland in eine High-Tech-Branche und schafft Arbeitsplätze, worauf gelobt wird, der Standort profiliere sich nicht mehr über Billiglöhne, sondern mit Zukunftstechnologie. Doch die Nachricht stimmt: Zu Beginn der deutsch-chinesischen Regierungskonsultation wurde am Montag offiziell bekanntgegeben, dass der chinesische Batteriezellhersteller CATL eine Fabrik in Thüringen errichten wird. Die IG Metall geht von 1000 neuen Stellen aus. Bei den Regierungsgesprächen in Berlin ging es dann aber vor allem um die Eskalation im Zollstreit zwischen China und den USA und den drohenden Handelskrieg mit globalen Konsequenzen.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) durfte die Nachricht über den Fabrikbau am Montagmorgen als Erster verbreiten. Er sprach von einer der bedeutendsten Industrie-Investitionen der vergangenen zehn Jahre in Thüringen. Das Land habe damit die Chance, „zu einem der wichtigsten europäischen Standorte für Batterietechnologie aufzusteigen“. Den Angaben zufolge wollen die Chinesen mehrere Hundert Millionen Euro investieren. Die Fabrik soll auf Thüringens größtem Gewerbepark am Autobahnkreuz Erfurt errichtet werden.

IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger sagte, die Investitionsentscheidung sei der Lohn für die Strategie Thüringens, sich „nicht mehr über Billiglöhne, sondern als Technologiestandort“ zu profilieren. Auch Kunden für die neue Fabrik gibt es schon. BMW kündigte am Montag an, Batteriezellen im Wert von vier Milliarden Euro bei CATL zu ordern. Zellen im Wert von 1,5 Milliarden Euro sollen ab 2021 aus der Fabrik in Erfurt kommen, sagte BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann in München. Von Erfurt würden die Zellen ins 400 Kilometer entfernte BMW-Werk Dingolfing transportiert, wo sie zu Modulen für den vollelektrischen BMWi-Next zusammengebaut würden. Zellen für weitere 2,5 Milliarden Euro kauft BMW bei CATL in China – unter anderem für den Elektro-Mini, der schon ab nächstem Jahr in Oxford vom Band läuft.
Bisher ist Samsung der größte Zellenlieferant von BMW. Sie werden vor allem in den i3 aus dem Werk Leipzig eingebaut. BMW habe eine Zellenfabrik näher bei den deutschen Werken haben wollen, sagte Duesmann. Bei langen Transporten aus Asien gebe es hie und da Herausforderungen. Weil größere Produktionsmengen die Kosten pro Stück senken, wäre es „nicht schlecht, wenn auch Daimler in Erfurt kauft“, sagte Duesmann. Daimler erwägt das zumindest. 

BMW betonte, das für die Batteriezellen wichtige und teure Kobalt werde das Unternehmen selbst in Bergwerken kaufen und ab 2020 für die Zellen an CATL und Samsung liefern. So könne BMW Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Im Bürgerkriegsland Kongo, wo 60 Prozent des weltweiten Kobalt-Bedarfs abgebaut werden, kaufe BMW nicht, versicherte Duesmann.

Mit Spannung war die gemeinsame Pressekonferenz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang nach den Regierungsgesprächen erwartet worden. Zwar wurde der Handelskonflikt nicht konkret erwähnt. Doch andere Äußerungen zielten eindeutig auf die Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump und können als Bekenntnis zum Freihandel gewertet werden.

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