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China Gekauftes Wachstum

Der chinesische Boom beruht auf Milliardenkrediten, die wohl nie zurückgezahlt werden. Anders als in westlichen Ländern ist das aber kein Problem - die Analyse.

20.08.2017 08:55
Mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen, fällt Chinas Politikern nicht schwer – anders als im Westen muss dort nicht umständlich eine Zentralbank die Zinsen senken Foto: Imago

Gegenüber anderen Euro-Staaten vertritt die Bundesregierung gern die Position, es müsse Schluss sein mit der Schuldenwirtschaft und präsentiert Deutschland als leuchtendes Beispiel: Hier sinken die Staatsschulden, der Haushalt erwirtschaftet einen Überschuss.

Hauptgrund hierfür ist die gute Konjunktur, die zu einem großen Teil auf den riesigen Exporten Deutschlands beruht. Was bei diesem Selbstlob ungesagt bleibt: Die Exporterfolge beruhen ihrerseits darauf, dass die großen Kunden Deutschlands – USA, Frankreich, Großbritannien – sich immer weiter verschulden, um ihre Konjunktur am Laufen zu halten.

Auch der chinesische Boom beruht auf Milliarden-Krediten – von denen unklar ist, ob sie je zurückgezahlt werden können. Als 2008 in Europa und den USA die Finanzkrise ausbrach, war auch das chinesische Wirtschaftswunder gefährdet. Um das Wachstumstempo zu halten, vergab die Regierung in Peking reichlich Kredit an die Unternehmen, die ihre Produktion dadurch weiter erhöhen konnten. 

Hochverschuldete Zombie-Firmen 

Das fällt Chinas Politikern nicht schwer – anders als im Westen muss dort nicht umständlich eine Zentralbank die Zinsen senken, um die Firmen zur Kreditaufnahme zu bewegen. China kann das schlicht verordnen. Denn die großen Banken sind staatlich. Zudem existieren dort rund 150 000 Staatsunternehmen, und die sind nicht klein. Laut Commerzbank sind drei der vier größten Unternehmen weltweit im Besitz Pekings. 

Auf diese Weise konnte China sein Wirtschaftswachstum zwischen sieben und zehn Prozent halten. Als es Anfang 2016 abermals so aussah, als würde die Weltkonjunktur zum Sinkflug ansetzen, legte die Regierung nochmal nach, drehte den Kredithahn wieder auf, mit Erfolg.

Im vergangenen Jahr wurde ein Wachstum von 6,7 Prozent erreicht und im ersten Halbjahr 2017 lag es mit 6,9 Prozent komfortabel über dem Regierungsziel von 6,5 Prozent.

Der Kredit, den Chinas Politik in die Wirtschaft pumpt, verhindert zwar Pleiten und erhält das Geschäft der Firmen aufrecht, macht sie allerdings nicht profitabel. Ergebnis sind tausende von hochverschuldeten Zombie-Firmen, die das Wirtschaftswachstum antreiben, aber nur durch neue Kredite am Leben erhalten werden. Sie sind kaum oder gar nicht rentabel, produzieren aber immer weiter und vermehren so die bestehenden Überkapazitäten am Markt, was den ruinösen Preiswettbewerb anheizt. 

In der Folge wachsen bei Chinas Banken die Schulden, deren Bedienung fraglich wird. Die renommierte Analystin Charlene Chu schätzt in der Financial Times, dass das Volumen der faulen Kredite bis Jahresende auf 7600 Milliarden Dollar ansteigen wird. Dies entspräche einem Anteil von 34 Prozent an allen Krediten – die offizielle Zahl beträgt nur 5,3 Prozent.

Zwar hat Peking zugesagt, die fällige Entwertung langsam zuzulassen und Zombie-Unternehmen sterben zu lassen. Tatsächlich ist die Zahl der von Peking kontrollierten Firmen seit 2003 von 189 auf 102 gesunken. Laut Commerzbank ist aber kein einziges der verschwundenen Unternehmen abgewickelt worden. Sie wurden schlicht in andere Staatskonzerne integriert.

Zombiefirmen, faule Kredite – droht nun irgendwann der Crash? Nein, solange Peking ihn nicht zulässt. Bei Bedarf kann die Regierung immer mehr Liquidität in den Unternehmenssektor pumpen – wer sollte es ihr verbieten? Und einer möglichen Kapitalflucht ins Ausland hat Peking per Kapitalverkehrskontrollen bereits einen Riegel vorgeschoben.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier China
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