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China Das E-Wunder von Shenzhen

Die chinesische Großstadt Shenzhen hat geschafft, was in Deutschland nicht gelingen will: Sie hat den kompletten Busverkehr auf Elektrizität umgestellt.

Shenzen, China
Tausende E-Busse fahren nun in der chinesischen Millionenstadt Shenzen. Die Industriemetropole versucht, der Luftverschmutzung Einhalt zu gebieten. Foto: afp

Die chinesische Industriestadt Shenzhen litt unter starken Luftproblemen. Und entschied sich für eine Totalumstellung ihres öffentlichen Busverkehrs, um ihrer Herr zu werden. Sämtliche Busse der Stadt fahren inzwischen elektrisch – und die Luft ist merklich sauberer geworden.

Zwischen den Wolkenkratzern der Innenstadt, den Fabriken am Stadtrand und den Wohnblöcken surren nun 16 500 E-Busse. Das ist eine enorme Zahl. Shenzhen ist allerdings auch eine große Stadt. 13 Millionen Einwohner leben auf einer Fläche von über 2000 Quadratkilometern, das ist mehr als doppelt so groß wie Berlin.

Weltweit hat es bisher keine andere Großstadt geschafft, den öffentlichen Verkehr so radikal auf Elektrizität umzustellen. Zum Vergleich: In ganz Deutschland gibt es 35 000 Linienbusse, fast alle davon dieselgetrieben. Die Bundesregierung fördert zwar die Umstellung auf Elektrizität aus dem Mobilitätsfonds mit Hunderten Millionen Euro, doch nur in Hamburg hat sich bisher nennenswert etwas getan – die Hansestadt will schon ab 2020 ausschließlich E-Modelle anschaffen.

Bisher lediglich fünf E-Busse in Berlin

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) fahren von 1300 Bussen derzeit nur fünf elektrisch – und die auch nur testweise, um ein geeignetes Modell für den Masseneinsatz zu finden. Denn Deutschlands größter Verkehrsbetrieb hat zwar einen Auftrag für 30 Elektrobusse ausgeschrieben, aber angeblich findet sich kein Anbieter, der liefern kann. Im Sommer will nun eine Delegation aus Berlin nach China reisen, um sich dort über den Einsatz von Elektrobussen zu informieren. In Shenzhen werden die Vertreter von Senat und BVG ein gut funktionierendes E-Busnetz vorfinden.

Das Geheimnis von Shenzhens Erfolg: Die Verkehrsgesellschaften haben die Betriebsweise völlig auf die Anforderungen der Elektromobilität umgestellt. So gibt es Lademöglichkeiten an den Bushaltestellen, die die Fahrer ohnehin für ihre Pflichtpause anfahren müssen. Auch die Fahrpläne sind angepasst: Ladepausen und Buswechsel sind fest eingeplant. Privatleute können die Ladestationen nutzen, wenn kein Bus sie benötigt – das spielt einen Teil der Kosten wieder ein.

Im Herzen des Elektro-Wunders von Shenzhen steht ein bestimmtes Unternehmen: Der Auto- und Batteriehersteller BYD. Das Unternehmen ist als Innovator und Elektro-Pionier bekannt: Das erste in Serie hergestellte Steckdosen-Hybridauto der Welt kam 2009 von BYD. US-Investor Warren Buffet war so begeistert von dem Unternehmen, dass er mit einer dicken Finanzspritze nachgeholfen hat. Eine glückliche Wahl: BYD war zwischenzeitlich immer wieder der global absatzstärkste Anbieter von Elektrofahrzeugen und ist der zweitgrößte Hersteller von Batterien für die neue Mobilität. Das Unternehmen ist der wichtigste Partner von Daimler bei der Herstellung von reinen Elektroautos für China.

Die deutschen Marktführer scheinen den Trend dagegen zum Teil verschlafen zu haben. Weder Mercedes noch MAN bieten ein gebrauchsfertiges Modell an. Mercedes will zwar noch in diesem Jahr einen Bus auf den Markt bringen – doch die Asiaten haben klar die Nase vorn. Das Münchner Fernbusunternehmen Flixbus hat deshalb chinesische Fahrzeuge angeschafft, um mit den Möglichkeiten der Elektromobilität zu experimentieren. Zwischen Paris und Amiens und zwischen Frankfurt und Mannheim können die Kunden des Unternehmens künftig leise und sauber reisen.

Dabei arbeitet Shenzhen gar nicht mit allzu hohen Zuschüssen, um das E-Wunder möglich zu machen. Da die Strompreise niedrig sind, verursacht ein E-Bus dort in acht Betriebsjahren inklusive Anschaffung und Energie sehr ähnliche Kosten wie ein Dieselmodell. Das geht aus einer Studie der Weltbank hervor. Der Diesel ist zwar beim Kauf billiger, der Elektrobus holt jedoch im Betrieb wieder auf.

Taxis in Shenzhen sind inzwischen übrigens ebenfalls Hybrid- oder Elektroautos. Deutschland kann sich dort einiges abgucken.

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