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Chaos auf der Schiene Lokführer machen Ernst

Nach dem Warnstreik droht ein bundesweiter Ausstand bei den Bahnen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wirft der Bahn "Dreistigkeit" vor. Deren Vorschläge seien nicht verhandelbar.

03.03.2011 18:06
Peter Kirnich und Matthias Loke
Ärger für Pendler: Die Lokomotivführer wollen am Freitag wieder streiken. Foto: dapd

Nach dem Warnstreik droht ein bundesweiter Ausstand bei den Bahnen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wirft der Bahn "Dreistigkeit" vor. Deren Vorschläge seien nicht verhandelbar.

Der Bahn-Tarifkonflikt eskaliert. Nach dem erneuten Warnstreik der Lokführer am Freitag wird ein flächendeckender, regulärer Arbeitskampf in der nächsten Woche immer wahrscheinlicher. Am Montag endet die Urabstimmung unter den Lokführern. Der Chef der Gewerkschaft GDL, Claus Weselsky, rechnet mit einer großen Zustimmung. Gestern kündigte er an, der Arbeitskampf werde ausgedehnt.

Zugleich hat sich am Freitag die letzte Hoffnung, dass Arbeitgeber und Gewerkschaft an den Verhandlungstisch zurückkehren, vorerst zerschlagen: Die sechs großen Privatbahnen, die neben der Deutschen Bahn (DB) mit der GDL über einen Flächentarifvertrag verhandeln, haben ihr Verhandlungsmandat mit der GDL für beendet erklärt.

Sie wollen mit der GDL nicht mehr über einen Flächentarifvertrag reden. Vielmehr haben sie die Gewerkschaft aufgefordert, nunmehr mit den einzelnen Privatbahnen über Haustarife zu verhandeln. Ohne die Privatbahnen kann auch die DB keinen Flächentarifvertrag unterschreiben. Die GDL hatte vorher alle Angebote von den Privatbahnen und der DB abgelehnt, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Wir sind der GDL inzwischen in vielen Punkten entgegengekommen, doch sie will nicht mit uns sprechen“, sagte Verhandlungsführerin Ulrike Riedel. Die GDL behauptet, die Angebote seien nicht verhandelbar.

Arbeitgeber fordern Gespräche

Aus Sicht der Privatbahnen geht es der GDL offenbar vor allem um eines: „ Sie hat sich darauf versteift, einen Alleinvertretungsanspruch für alle Lokomotiv- und Triebfahrzeugführer durchzusetzen – auch für solche, die in Unternehmen arbeiten, die mehrheitlich von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG vertreten werden“, sagte Co-Verhandlungsführerin Ulrike Haber-Schilling. Die GDL wolle auf diese Weise auch EVG-Mitglieder aus dem mit der EVG abgeschlossenen Branchentarifvertrag herauszwingen. Das würde den Branchentarifvertrag aushebeln. Die Tarifpluralität gelte nicht nur für die GDL, sondern auch für andere Gewerkschaften, so Haber-Schilling.

DB-Personalvorstand Ulrich Weber forderte die GDL auf, die Arbeitskämpfe umgehend einzustellen. Sie seien sachlich und rechtlich nicht haltbar. Die GDL verbreite falsche Behauptungen. Die DB hat der GDL am Freitag einen Entwurf des Bundes-Rahmentarifvertrags für Lokführer vorgelegt. Dieser sei auf Grundlage den GDL-Vorschläge angefertigt worden und umfasse alle geforderten Kernelemente.

Doch auch darauf ist die GDL nicht eingegangen. Vielmehr sprach Weselsky vom Versuch der Arbeitgeber, das Existenzrecht der gut organisierten Berufsgewerkschaften in Frage zu stellen: „Wir haben den Verdacht, dass die Arbeitgeber bewusst Arbeitskämpfe provozieren wollen, um das Ziel zu erreichen.“

Der dreistündige Streik am Freitag führte erneut zu massiven Einschränkungen im Zugverkehr. Bundesweit waren drei Viertel aller Züge im Nahverkehr betroffen. Von den nächsten, regulären Streiks soll vorerst vor allem der Güterverkehr betroffen sein, „damit uns die Reisenden nicht vorwerfen können, dass wir das nur auf ihrem Rücken austragen“, sagte der GDL-Chef. Kommentar

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