Lade Inhalte...

CES Mit dem Flugtaxi durch die smarte Stadt

Der Volocopter steht für die Entwicklung neuer, autonomer Beförderungssysteme.

Präsentation des Volocopters
Das Flugobjekt bei der Präsentation in Las Vegas. Foto: rtr

Es war ein kurzer Flug für einen Hubschrauber, aber vielleicht ein großer Schritt für eine neue Form von Luftfahrt. Während der Keynote von Intel-Chef Brian Krzanich vorige Woche auf der Computermesse CES in Las Vegas hob der Volocopter auf der Bühne des Monte Carlo Park Theaters für gut 30 Sekunden ab. Flughöhe zwischen einem und anderthalb Meter. Gleichwohl: „Das war aerodynamisch sehr komplex, weil wir kaum Platz hatten“, sagt Alexander Zosel. Er ist einer der Erfinder des Volocopters, einer der Gründer der gleichnamigen Firma und inzwischen deren Chief Innovation Officer.

Der Volocopter sieht fast so aus wie ein Hubschrauber. Allerdings verfügt er über 18 Rotoren, die elektrisch angetrieben werden. Der Strom kommt von neun Lithium-Ionen-Batterien. Damit sollen zwei Passagiere durch die Luft befördert werden – ein Pilot ist nicht vorgesehen. Mehrere Jahre haben Zosel und seine Kollegen an dem Fluggerät gebastelt. Erstmals abgehoben ist ein Prototyp 2011. Ein weiterer Meilenstein war im September 2017 der erste öffentliche Flug im urbanen Raum, und zwar in Dubai. Und im Dezember vorigen Jahres war Krzanich der erste Passagier bei einem Flug in einer Halle in der Nähe von München. Dass der Intel-Chef abhob, hat damit zu tun, dass der US-Chiphersteller einer der Volocopter-Investoren ist, Daimler gehört übrigens ebenfalls zu den Teilhabern des Bruchsaler Unternehmens.

Airbus und Boeing arbeiten auch am Flugtaxi

Intel hat gesteigertes Interesse an dem deutschen Start-up, weil der US-Konzern zu den führenden Unternehmen in der Welt der Drohnen gehört. Die sind zwar erheblich kleiner als der Volocopter. „Aber viele technische Fragestellungen sind ähnlich, so können wir die Dinge gemeinsam voranbringen“, so Zosel. Intelligente Computertechnik spielt dabei eine zentrale Rolle. Wo das alles hinführen soll? Zosel ist fest davon überzeugt, dass seine Konstruktion in zwei bis drei Jahren einen regulären Flugtaxidienst in einer Metropole irgendwo auf der Welt starten kann. Dubai dürfte gute Chancen haben. Die dort regierenden Scheichs wollen die Stadt zu einer vorbildlichen Smart City machen. An den rechtlichen Regularien wird bereits heftig gearbeitet. Zunächst könnten Shuttle-Dienste etwa von der Innenstadt zum Flughafen angeboten werden. Die Nutzung des Flugtaxis soll den Passagieren über eine Smartphone-App ermöglicht werden.

Die Volocopter-Macher sind weit vorne bei der Entwicklung eines neues Beförderungssystems. Allerdings es gibt mächtige Konkurrenten. Die Luftfahrtgiganten Airbus und Boeing arbeiten mit Hochdruck ebenfalls an Projekten für fliegende Robotertaxis mit vielen Rotoren. Hinzu kommt eine Reihe von Start-ups. Dazu gehört auch die deutsche Firma Lilium. Auf der CES indes waren die Volocopter-Leute nach dem spektakulären Keynote-Aufritt fast schon Shooting-Stars. Zosel und Firmenchef Florian Reuter eilten in Las Vegas von einem Interview-Termin zum nächsten. Der Volocopter kommt an, weil er Lösung für staugeplagte Großstädter verspricht.

„Meine Vision ist ein sicheres und umweltfreundliches Verkehrsmittel zu entwickeln“, sagt Zosel. Für die Sicherheit sorgen die 18 Rotoren. Selbst wenn mehrere ausfallen, bleibt der Volocopter flugfähig. „Wir beschäftigen uns intensiv damit, wie solche Systeme redundant ausgelegt werden müssen“, sagt Anil Nanduri, Drohnen-Experte bei Intel. Das sei maßgeblich für die Akzeptanz jeglicher autonomer Fluggeräte. Jene, die mit mehreren Rotoren unterwegs sind, hätten den Vorteil, dass sie in kritischen Situationen nicht abstürzen, sondern einfach in der Luft stehenbleiben. In puncto Steuerung sei der Volocopter schon jetzt serienreif.

Ein weiter wichtiger Punkt: Der E-Antrieb erlaubt es, den Volocopter mit Öko-Strom anzutreiben. Für Zosel ist überdies zentral, dass die „Preise für die Nutzung nicht wesentlich über den Tarifen für ein rollendes Taxi liegen sollen“. Hinzu komme, dass der Volocopter erheblich stabiler fliege als ein Hubschrauber und deutlich leiser sei. „Das ist ganz maßgeblich“, so Zosel. „Nur wenn der Volocopter nicht bedrohlich wirkt, wird er von den Leuten angenommen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen