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Carlos Ghosn Wer hat bei Renault-Nissan-Mitsubishi künftig das Sagen?

Die Ghosn-Affäre bringt die Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz ins Wanken.

Carlos Ghosn
Carlos Ghosn sitzt im Gefängnis. Foto: rtr

Paris steht unter Schock: Der an der Seine „Imperator“ genannte Renault-Chef Carlos Ghosn ist in Haft. Am Dienstag wich die erste Bestürzung einer tiefen Sorge. Denn geradezu rasant macht sich in Paris das Bewusstsein breit, dass, wie das Onlineportal „La Tribune“ schreibt, „das Wirtschaftsmodell des französischen Herstellers Renault fast ausschließlich auf seiner Allianz mit Nissan beruht“. Und dass genau dieses Modell nun akut gefährdet ist.

Genauer gesagt geht es um die französische Vormachtstellung in dem Verhältnis. Sie ist personeller wie kapitalistischer Natur: Ghosn, war nicht nur Renault-Chef, sondern auch Vorsitzender der franko-japanischen Allianz; nur die Leitung von Nissan hatte er zugunsten des Verwaltungsratsvorsitzes abgegeben. Zudem hält Renault 43,4 Prozent der Anteile an Nissan, dieser aber nur 15 Prozent – und keine Stimmrechte – am französischen Unternehmen. Dieses Ungleichgewicht rührt daher, dass Nissan 1999 am Abgrund gestanden hatte und auf die Hilfe von Renault angewiesen war. Heute ist es ökonomisch nicht mehr gerechtfertigt, da Nissan umsatzmäßig fast doppelt soviel wiegt wie Renault und außerdem Mitsubishi in die Ehe gebracht hat.

Ohne Ghosn werden die Franzosen dieses für sie so profitable Ungleichgewicht – Nissan hat in zwanzig Jahren Milliarden an die Gewinnrechnung von Renault abgeführt – nicht aufrechterhalten können. Vor drei Jahren hatte sich die japanische Seite bereits beschwert, als ein gewisser Emmanuel Macron – damals Wirtschaftsminister Frankreichs – den Kapitalanteil des Staates an Renault kurzfristig von 15 auf über 19 Prozent erhöhte. Nissan ließ unüblich offen verlauten, man wolle den auch nur indirekten Einfluss eines fremden Staates nicht länger tolerieren.

An sich haben die Japaner kein Interesse, diese Partnerschaft aufzugeben. Die Machtfrage stellt sich aber umso akuter, als „Carlos der Große“ ein riesiges Loch hinterlässt. Bei Renault, wo der Verwaltungsrat am Dienstag in aller Eile zusammengetreten ist, steht mit der Nummer zwei Thierry Bolloré schon ein Nachfolger bereit.

Offen bleibt die große Frage: Wer wird die Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz leiten? In Paris zirkuliert bereits ein Name: Didier Leroy, Nummer zwei bei Toyota und französischer Staatsbürger. Allerdings machen sich die Franzosen auf harte Verhandlungen gefasst.

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