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Busse machen Konkurrenz Zugverbindung Prag-Nürnberg wird eingestellt

Im Dezember dieses Jahres geht im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet eine Ära zu Ende: Nach rund 150 Jahren wird die direkte Zugverbindung Prag-Pilsen-Nürnberg eingestellt. Grund ist die starke Konkurrenz durch den Fernbusverkehr.

30.05.2012 17:44
Die direkten Expresszüge Nürnberg-Prag werden mangels Nachfrage eingestellt. Foto: Wikipedia/Ketamin/CC 3.0 unported

Seit gut 150 Jahren fahren zwischen Prag und Nürnberg nahezu ununterbrochen direkte Schnellzüge. Nicht einmal der Eiserne Vorhang konnte diese traditionsreiche Bahnverbindung stoppen. Doch im Dezember dieses Jahres kommt jetzt das Ende für die beiden noch verbliebenen Schnellzüge, berichtet das Tschechische Fernsehen.

In Zukunft sollen die beiden Züge aus Prag anstatt wie bisher nach Nürnberg nach München fahren und damit die Zahl der direkten Züge zwischen Isar und Moldau auf vier verdoppeln. Gleiches gilt natürlich auch für die Gegenrichtung.

Konkurrenzkampf zwischen Bahn und Bus

Betrieben werden die Züge zwischen Bayern und Böhmen von den Tschechischen Bahnen und dem Privatunternehmen Alex, einer Tochter der italienischen Staatsbahnen. Subventioniert wird die defizitäre Verbindung vom tschechischen Verkehrsministerium und der für die Finanzierung des regionalen Bahnverkehrs im Freistaat zuständigen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG).

Grund für die Einstellung der direkten Zugverbindung Prag-Nürnberg ist laut BEG-Chef Fritz Czeschka die starke Konkurrenz durch den von der Deutschen Bahn gemeinsam mit dem privaten tschechischen Fernbus- und Eisenbahnunternehmen Student Agency betriebenen Expressbusverkehr.

Langsame Züge haben keine Chance

Während der Zug mehrmals die Fahrtrichtung wechseln und von Elektro- auf Diesellokomotiven umspannen muss und deshalb für die Fahrt nach Nürnberg 4 Stunden und 50 Minuten benötigt, schafft der ohne Zwischenhalt über die Autobahn fahrende Bus die selbe Strecke um eine Stunde und zehn Minuten schneller.

Nach dem Start der Expressbusverbindung im Sommer 2009 sei es zu einem starken Rückgang der über die Grenze reisenden Fahrgäste gekommen, argumentiert die BEG. Die veraltete Bahnstrecke sei gegenüber der Autobahn einfach nicht konkurrenzfähig, so BEG-Chef Czeschka.

Wenig begeistert von der bevorstehenden Umstellung ist man vor allem in Pilsen, mit rund 170.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Tschechiens. Wer in Zukunft von der westböhmischen Bierstadt nach Nürnberg will, muss in Schwandorf vom tschechischen Express- in den bayerischen Regionalzug umsteigen oder gar den Umweg über Eger (Cheb) und Marktredwitz nehmen. Die Fernbusse rauschen nämlich auf der Autobahn D5 an Pilsen vorbei.

DB-Busse fahren auch nach München

Unter dem schlechten Zustand der Strecke im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet leidet auch die Verbindung Prag-München. Hier setzt die Deutsche Bahn in Konkurrenz zu den vom Freistaat finanzierten privaten Zügen seit dem vergangenen Dezember nun ebenfalls Busse ein, die die Strecke zwischen der Moldau- und der Isarmetropole um rund 50 Minuten schneller bewältigen als die Bahn.

Ramsauer hat kein Geld für Streckenausbau

Die Regierungen in München und Prag fordern deshalb bereits seit Jahren den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Bayern und Böhmen zu einer modernen Hochleistungsstrecke, der dafür zuständige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) steht angesichts leerer Kassen allerdings auf der Bremse.

Tschechien hat hingegen grundsätzlich Bereitschaft signalisiert, die Strecke Pilsen-Furth im Wald umfassend zu modernisieren und auf höhere Geschwindigkeiten auszubauen. Die anschließende Strecke nach Prag ist bereits fix zum Ausbau als Eisenbahnkorridor vorgesehen. (dak)

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