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Busse im Fernverkehr Der Fernbus kommt zurück

Am 1. Januar fällt das Monopol der Deutschen Bahn im Fernverkehr. Dutzende neuer Anbieter bringen dann ein altbekanntes Verkehrsmittel zurück auf den Markt. Die Konkurrenz ist groß, die Fahrpreise dürften purzeln.

2013 wird der Markt für Fernbusse richtig in Fahrt kommen. Foto: dapd

Am 1. Januar fällt das Monopol der Deutschen Bahn im Fernverkehr. Dutzende neuer Anbieter bringen dann ein altbekanntes Verkehrsmittel zurück auf den Markt. Die Konkurrenz ist groß, die Fahrpreise dürften purzeln.

Für neun Euro von Berlin nach Hamburg oder von Hannover nach Darmstadt, für nur ein paar Euro mehr von Dortmund nach Freiburg. Mit Kampfpreisen werben die Anbieter von Fernbussen für ihre Dienste. Doch so billig, wie man vermuten könnte, kommen sie gar nicht daher.

Die nagelneuen, apfelgrünen Busse des Berliner Unternehmens MeinFernbus zum Beispiel können neben 50 Reisenden auch fünf Fahrräder transportieren. Sie haben Toilette, Klimaanlage und WLAN an Bord, und es werden Snacks und Kaffee gereicht. Da kann man sich einrichten.

MeinFernbus ist eines von vielen Unternehmen, die ab 1. Januar der Deutschen Bahn auf Verbindungen quer durch Deutschland mit dem Bus Konkurrenz machen wollen. Möglich wurde dies, weil Bundesregierung und Bundesrat ein achtzig Jahre altes Gesetz gekippt haben. Es verbot bisher feste Fernbus-Linien in Deutschland, um die staatliche Eisenbahn zu schützen.

Ausnahmen gab es lediglich für Verbindungen, wo die Bahn nachweislich nicht konkurrenzfähig war, und für Strecken nach Berlin – da die Stadt zu Mauerzeiten nicht von der Bundesbahn angefahren wurde, durften Busse schon vor der Wiedervereinigung von der Bundesrepublik nach West-Berlin fahren. Die Regelung wurde nach 1990 beibehalten.

Ökologisch unbedenklich

Ab dem 1. Januar gibt es keine Beschränkungen mehr. Die Busunternehmen stehen in den Startlöchern. „Etwa 50 bis 100 Unternehmen interessieren sich für den neuen Markt“, sagt der Sprecher der Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO), Bastian Roet, dieser Zeitung. Viele der neuen Anbieter seien mittelständische Firmen, die sich zusammengeschlossen haben.

So wie MeinFernbus. Der Berliner Unternehmer Torben Greve und sein Partner Panya Putsathit haben das Unternehmen bereits Mitte 2011 gegründet. „Als ich hörte, dass die Regierung das neue Gesetz auf den Weg bringen wird, habe ich mit meinem Freund sofort beschlossen, ein Busunternehmen zu gründen“, berichtet Greve.

Die Idee hatten sie als Studenten in den 90er Jahren in England. „Dort hatten wir das National-Express-Busnetz schätzen und lieben gelernt und uns oft gefragt, warum es so etwas nicht in Deutschland gibt?“ Mit einer Ausnahmegenehmigung fährt MeinFernbus seit einigen Monaten auf den Linien München-Freiburg und München-Konstanz.

Seit kurzem sind Greves Busse auch von Frankfurt am Main nach Zürich und nach Leipzig unterwegs. Dreißig Busse und neun Partnerfirmen gehören zum Unternehmen. „Im Laufe des nächsten Jahres wollen wir ein bundesweites Netz aufbauen und einer der größten Anbieter werden“, sagt Greve.

Doch die Konkurrenz ist groß. Die Deutsche Touring aus Frankfurt am Main hat sich rund vierzig Verbindungen ausgesucht, auf denen sie fahren könnte. Greves britisches Vorbild National Express strebt ebenfalls auf den deutschen Markt, hat seine Pläne aber noch nicht präzisiert. Das Unternehmen DeinBus aus Offenbach, das bereits mehrere Strecken betreibt, will mitmischen und auch der französische Verkehrskonzern Veolia. Verbandssprecher Roet glaubt fest daran, dass Millionen neuer Passagiere mit dem Fernbus reisen werden.

Der Grund: Die Busse sind deutlich preiswerter als die Bahn. „Die aktuellen Angebote sind rund ein Drittel günstiger“, hat der Verkehrsexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Otmar Lell, errechnet. Eine Busfahrt von Berlin nach Hannover gibt es ab neun Euro, die Bahnfahrt kostet ohne Vergünstigungen 52 bis 62 Euro. MeinFernbus will sogar bis zu siebzig Prozent preiswerter sein. Dafür sind die Busse aber auch deutlich länger unterwegs, weil Staus im Fahrplan eingeplant werden müssen.

Doch vor allem preisbewusste Reisende wie Studenten oder auch Rentner dürften die zusätzliche Fahrtzeit in Kauf nehmen. Nach einer Studie der Technischen Universität Dresden könnten die Busse im Fernverkehr bis 300 Kilometer einen Marktanteil von bis zu fünf Prozent erreichen. Diese Streckenlänge ist optimal für den Reisebus. Die Schätzungen sind zwar umstritten. Doch Fakt ist, dass inzwischen auch große Unternehmen ihr Interesse angemeldet haben und weiteren Schwung in den Markt bringen werden. Erst vor wenigen Tagen meldete die Deutsche Post das Comeback ihrer Postbusse an. Gemeinsam mit dem ADAC will das Unternehmen ab 2014 ein bundesweites Liniennetz anbieten.

Ärger über die Pläne der Post

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer hört solche Ankündigungen gar nicht gern. Er fürchtet um die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Branche. „Mehr als ein Viertel der Postaktien liegen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau und damit direkt beim Bund“, kritisiert BDO-Präsident Wolfgang Steinbrück die Pläne von Post und ADAC.

„Wenn die Politik Märkte liberalisiert und dann zusieht, wie ein ehemaliger Staatskonzern dick mitmischen will, wird der deutsche Mittelstand in die Röhre schauen.“ Der neue Markt, befürchtet Steinbrück, könnte schnell von wenigen großen Anbietern dominiert werden.

Auch die Deutsche Bahn, mit 14000 Fahrzeugen und 39 Linien schon jetzt Deutschlands größter Fernbusbetreiber, lauert bereits. Zwar hat die Bahn ihre einstigen Ausbaupläne in dem Geschäft auf Eis gelegt, doch einen kleinen Warnschuss gab Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg in diesen Tagen ab. „Wir beobachten den Markt und sind jederzeit reaktionsfähig“, so Homburg. Die Bahn habe ein fertiges Konzept für ein bundesweites Fernbusnetz in der Schublade. Man brauche sie nur aufzuziehen.

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