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Brics-Gipfel Keine direkte Kritik an Trump

Die fünf Brics-Staaten unterstreichen bei ihrem Gipfel die Bedeutung einer offenen Weltwirtschaft. Ausdrückliche Kritik an US-Präsident Donald Trump gab es nicht.

Johannesburg
Die Staatsführer von China, Indien, Südafrika, Brasilien und Russland (von links) am Donnerstag. Foto: rtr

Brics, der Wirtschaftsverbund der wichtigsten Schwellenländer der Welt, hat sich als Bollwerk gegen den von der US-Regierung betriebenen Protektionismus positioniert. Das internationale Handelssystem sei „beispiellosen Herausforderungen“ ausgesetzt, heißt es in einer Erklärung, die zum Abschluss des diesjährigen Brics-Gipfels in Johannesburg von den Staatschefs der fünf Mitgliedsnationen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika verabschiedet wurde: „Wir unterstreichen die Bedeutung einer offenen Weltwirtschaft, die allen Staaten und Völkern die Vorteile der Globalisierung ermöglicht.“

Xi Jiping geißelt Schutzzölle

Ohne Präsident Donald Trump beim Namen zu nennen, geißelte Chinas Staatspräsident Xi Jinping die von der US-Regierung erhobenen Schutzzölle. Die internationale Gemeinschaft sei vor die Wahl zwischen „Kooperation und Konfrontation“, zwischen einer „offenen und geschlossenen Wirtschaftspolitik“ sowie zwischen „gemeinsamem Nutzen oder einem ‚Schade deinem Nächsten‘-Ansatz“ gestellt. In ihrer Abschlusserklärung scheuten die Regierungschefs – auf Bestehen des indischen Premierministers Narendra Modi – vor einer ausdrücklichen Kritik an Washington zurück. Doch immerhin drückten die fünf Landesführer ihre entschlossene Unterstützung eines „auf Regeln basierenden, transparenten, diskriminierungslosen, offenen und integrativen Handelssystems“ aus, das die Welthandelsorganisation WTO verkörpere. Trump gilt als Gegner der WTO.

Die fünf Brics-Staaten verfügen über 42 Prozent der Wirtschaftskraft der Welt und über 40 Prozent ihrer Bevölkerung. Ihr vor zehn Jahren geschlossenes Bündnis soll den Interessen der nördlichen Industrienationen – USA, Japan und den Staaten der EU – eine gemeinsame Stimme aus dem Süden gegenüberstellen. Als bisher größte Errungenschaft der Allianz gilt die Gründung der „New Development Bank“ (NDB), einer Entwicklungsbank nach dem Vorbild der Weltbank, deren Kredite – bislang noch ausschließlich – ihren Mitgliedsländern zugute kommen. Seit ihrer Gründung vor drei Jahren hat die NDP die Finanzierung von 23 Projekten im Wert von 5,7 Milliarden Dollar ermöglicht, Ende dieses Jahres soll die Summe bei fast acht Milliarden angelangt sein.

China sorgt für 75 Prozent des Brics-Volumens

Südafrika wurde erst nachträglich als Brics-Mitglied aufgenommen: Die Wirtschaft des afrikanischen Staats ist mit weitem Abstand die kleinste unter den Bündnisnationen. Sie macht lediglich drei Prozent des Brics-Volumens aus, China sorgt indessen für 75 Prozent. Dem Land am Südzipfel des Kontinents wird aber eine wichtige Funktion als Einfallstor nach Afrika eingeräumt, für das sich alle vier großen Bric-Mitglieder schon aus wirtschaftlichen Gründen interessieren.

Dass der 10. Jahrestag der Gründung des Bündnisses ausgerechnet beim südafrikanischen Zwerg gefeiert wurde, wurde am Kap der Guten Hoffnung als große Ehre betrachtet: Pretoria gab sich alle Mühe, das Ereignis zu einem denkwürdigen zu machen. So sollten die fünf Staatschefs unter anderem die „Wiege der Menschheit“ aufsuchen – ein rund 40 Kilometer außerhalb Johannesburgs gelegenes Territorium, in dem so viele Versteinerungen von Frühmenschen wie nirgendwo anders auf der Welt gefunden wurden.

Dort sollten sich die Regierungschefs nach dem Willen des gastgebenden Präsidenten Cyril Ramaphosa von der Urzeit ausgehend Gedanken über die Zukunft machen. Doch zum philosophischen Grübeln dort kam es aus Zeitgründen dann doch nicht. Als Notnagel hatte Pretoria für eine Satellitenverbindung von der Wiege der Menschheit ins Johannesburger Geschäftszentrum Sandton gesorgt – doch die Verbindung kam partout nicht zustande. „Ich glaube, die haben unter den versteinerten Frühmenschen keinen gefunden, der mit uns reden wollte“, soll Ramaphosa die peinliche Betretenheit seiner Amtskollegen mit einem Scherz vertrieben haben.

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