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Breitbandnetz Ausbaukosten als größtes Hindernis

Die Monopolkommission und die Bundesnetzagentur fordern mehr Initiative. Die Versorgung mit schnellem Internet auf dem Land ist unzureichend.

Netz
Auf weiter Flur kein schnelles Netz. Viele ländliche Regionen sind vom Highspeed-Internet noch abgeschnitten. Foto: Imago

Der Slogan von der Gigabit-Gesellschaft wird von Politikern gern benutzt – wenn sie sich auf der Höhe der Zeit zeigen wollen. Doch zwei am Montag vorgelegte Studien zeigen: Wir sind noch Lichtjahre von Gigabit-Verhältnissen entfernt. Mehr noch, es gibt auch gar keinen Plan, wie wir insbesondere in ländlichen Gebieten dahin kommen sollen.

Wer Gigabit sagt, meint damit genau genommen Übertragungsgeschwindigkeiten von 1000 Megabit (Mbit) pro Sekunde. Laut dem am Montag vorgelegten Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur (BnetzA), die die Telekommunikationsbranche überwacht, gibt es aber bei knapp 20 Millionen der bundesweit 32,5 Millionen Breitbandanschlüsse Übertragungsgeschwindigkeiten von weniger als 30 Mbit.

Jochen Homann, Präsident der BnetzA, musste am Montag denn auch einräumen, dass in ländlichen Regionen nur ein Drittel der Haushalte auf 50 Mbit zurückgreifen kann. Dabei hatte die Bundesregierung vor vier Jahren die 50 Mbit flächendeckend als Ziel ausgerufen, das bis Ende 2018 erreicht werden soll. Damit wird es definitiv nichts mehr.

Wie soll es dann in die Gigabitgesellschaft gehen? Homann appelliert: „Wir dürfen weitere Investitionen nicht in die ferne Zukunft verschieben und so die Chancen der Digitalisierung verstreichen lassen.“ Mehrere hundert Mbit machen es nicht nur möglich, dass in einem Haushalt gleichzeitig extrem hochauflösende bewegte Bilder auf dem Fernsehapparat zu sehen sind und gleichzeitig Online-Games mit anspruchsvoller Grafik gespielt werden können. Die schnellen Leitungen sollen vor allem Unternehmen in die Lage versetzen, riesige Datenmengen hin und her zu schaufeln, womit etwa Buchhaltung und Vertrieb vereinfacht und die Fertigung automatisiert werden können.

Hohe Ausbaukosten

Größtes Hindernis für mehr Investitionen seien derzeit die hohen Ausbaukosten in Verbindung mit einer noch schwach ausgeprägten Nachfrage nach sehr schnellen Breitbandanschlüssen, so die Monopolkommission, die die Bundesregierung berät und am Montag ein Sondergutachten vorgelegt hat. Experten und Politiker streiten seit Jahren darüber, wie man aus diesem Dilemma herauskommt.

Achim Wambach, Vorsitzender der Kommission, macht sich dafür stark, Bedingungen dafür zu schaffen, dass ein Großteil der Investitionen von privaten Firmen kommt, die ohne öffentliche Förderung auskommen. Was aber nicht bedeutet, dass er einem Komplettrückzug des Staates das Wort redet. Vielmehr fordert er eine Art wohldosierte Aufsicht und Kontrolle des Platzhirschs Deutsche Telekom, die dem Staat noch zu einem Drittel gehört und die Branche nach wie vor mit einem gigantischen Netz dominiert, das noch aus den Zeiten des Staatsmonopols datiert.

Der Schlüssel für schnellen Fortschritt sei, dass die Telekom ihre Infrastruktur nicht nur mit moderner Glasfasertechnik ausbaue, sondern Wettbewerbern zugleich auch die Nutzung der Leitungen zu marktgerechten Preisen anbiete, erläutert Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM – in dem Verband haben sich die T-Rivalen organisiert. Die BnetzA müsse auch weiterhin einschreiten, wenn der T-Konzern seine Marktmacht missbrauche und Konkurrenten ungünstige Konditionen anbiete.

Hintergrund: Die Telekom macht sich – unterstützt von Politikern – dafür stark, aus der sogenannten Regulierung entlassen zu werden. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Monopolkommission diese Position nicht unterstützt“, so Grützner.

Und was passiert auf dem Land, wo kein Unternehmen aus der Branche freiwillig die neuen Glasfaserleitungen legen will? Da braucht es Anreize. Einerseits Subventionen für Firmen die ausbauen wollen. Andererseits will Wambach die Nachfrage mit Gutscheinen ankurbeln, die an Nutzer verteilt werden, die an schnellem Datenverkehr interessiert sind. Ein Anschluss kostet derzeit um die 1500 Euro.

Kupferkabel taugen nicht für Gigabit-Dimensionen

„Doch um den Ausbau anzugehen, müssten wir erst einmal einen Plan haben, was mit der bestehenden Infrastruktur geschieht“, so Grützner. Das Problem: Vielerorts wurde noch in der jüngeren Vergangenheit mit Fördergeld ausgebaut, insbesondere von der Telekom, aber auch von Stadtwerken, häufig aber nicht mit Glasfaser, sondern mit der alten Kupferkabeltechnik, die aber niemals für Gigabit-Dimensionen taugt.

Die alten Leitungen einfach abklemmen? Parallel mit viel Aufwand neue Kabel legen? Oder doch versuchen, Bestehendes irgendwie weiter zu nutzen? Viele Fragen sind offen. Seit 2010 bestehe dieses Problem, doch die Bundesregierung habe sich davor gedrückt, Antworten zu geben, so der VATM-Funktionär. Es sei dringend nötig, dass die neue Bundesregierung dies schnell nachhole.

Wambach sieht indes eine weitere Aufgabe: Den Verkauf des Staatsanteils an der Telekom. Damit soll der Interessenkonflikt gelöst werden, dass der Bund einerseits größter Aktionär und zugleich Kontrolleur des Bonner Konzerns ist. Mit den Erlösen soll der Ausbau finanziert werden.

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