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Breitbandausbau Mit Glasfaser geht deutlich mehr

Eine Studie zeigt, dass der Breitbandausbau, wie die Telekom ihn plant, kontraproduktiv ist.

Schneller unterwegs: Eine Studie empfiehlt in Deutschland den Ausbau von Glasfaserleitungen anstelle von sogenanntem Vectoring, das den Glasfaserausbau blockieren könnte und langsamere Datenübertragungen bringt. Foto: Imago

Und es geht doch – gemeint ist Ausbau mit Glasfaserleitungen, die superschnelle Internetzugänge bringen. Voraussetzung ist nach Ansicht von Experten allerdings, dass die Bundesregierung die Umsetzung ehrgeizigerer Breitbandziele als bislang forciert.

So heftig wie noch nie tobt der Kampf um die Datenleitungen, die extrem hohe Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglichen. Die Deutsche Telekom setzt auf ihre Netze mit Kupferkabel auf den letzten Metern vor der Anschlussbuchse im Haus. Viele Konkurrenten wollen hingegen in den nächsten Jahren moderne Glasfaserleitungen bis zu den Häusern legen. Letztere haben den Vorteil, dass sie Datenraten von 1000 Megabit pro Sekunde und mehr ermöglichen. Mit der Telekom-Technik, die VDSL-Vectoring genannt wird, sind derzeit nur 100 Megabit möglich, in gut zwei Jahren sollen es immerhin bis zu 250 Megabit sein.

Die Bundesregierung will der Telekom erlauben, die Festnetze exklusiv mit Vectoring zu tunen. Dagegen wehren sind Konkurrenten, darunter viele kommunale Anbieter, die auf das Verlegen neuer Glasfaserleitungen setzen und sich von Telekom und Politik ausgebremst fühlen. Ihre Argumentation: Vectoring absorbiere das Bedürfnis nach höheren Bandbreiten. Der Ausbau mit Glasfaser werde so für mehrere Jahre unmöglich gemacht.

Dass dies kontraproduktiv ist, will renommierte Beratungsunternehmen WIK-Consult mit einer aktuellen Studie nachweisen. Der Tenor: Mit Glasfaser geht einiges. Die Experten haben mehrere Fallbeispiele analysiert. Die Experten kommen zu dem Schluss: „Wo hochbitratige Bandbreiten angeboten werden, werden diese auch nachgefragt.“ Als Gründe dafür werden natürlich zuallererst die garantiert hohen Übertragungsgeschwindigkeiten selbst genannt. Hinzu kämen eine geringe Störungsanfälligkeit und geringe Verzögerungszeiten. Die höhere Qualität mache es auch möglich, höhere Preise zu verlangen. Voraussetzung sei, die Vorzüge der Glasfaser überzeugend zu kommunizieren, am besten durch „lokale Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft“.

Politik soll Zielmarke anheben

In vielen Fällen sei eine Anschlussquote von etwa 40 Prozent erreichbar – dieser Wert ist für viele ländliche Regionen auch die „sinnvolle Untergrenze“ für rentable Ausbauvorhaben, heißt es in der Studie, die der Breitbandverband Breko in Auftrag gegeben hat. Um die Umsetzung in Gang zu bringen, verlangt Breko-Präsident Norbert Westfal von der Bundesregierung vor allem einen Paradigmenwechsel.

Bislang gilt das Breitbandziel von 50 Megabit für alle Haushalte bis Ende 2018. Es orientiert sich stark an den Möglichkeiten des VDSL-Vectorings. Westfal und sein Verband fordern nun ein Infrastrukturziel, das sich auf die Glasfasertechnik fokussiert und am besten deren flächendeckende Verbreitung bis 2025 anstrebt.

Entscheidend dabei sei, verlässliche Rahmenbedingungen für regional operierende Netzbetreiber zu schaffen, so Westfal. Damit sollen Tricksereien unmöglich werden, die Telekom-Rivalen dem Ex-Monopolisten immer wieder vorwerfen: Zunächst zeigen die Bonner kein Interesse am Breitbandausbau in einer Stadt. Dann entscheidet sich die Kommune, Glasfaserleitungen zu legen. Und plötzlich startet die Telekom dann dort doch ein Vectoring-Projekt, was das kommunale Vorhaben torpediert.

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