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Börse Die Volatilität ist zurück

Die Börsen weltweit sind in Aufruhr. Anleger fürchten eine beschleunigte Inflation und steigende Leitzinsen – solide wirtschaftliche Gründe für den Kursrutsch gibt es aber nicht.

Börsianer in New York, USA
Ach du Schreck: Ein Börsianer an der New York Stock Exchange verfolgt am Bildschirm den Absturz des Dow Jones. Foto: afp

An den Weltbörsen ist eine heftige Korrektur im Gange – nach unten. Insbesondere in den USA ging es am Donnerstag wieder abwärts, was die asiatischen Börsen in die Tiefe riss. Die Kurse am deutschen Aktienmarkt hielten sich am Freitag zwar halbwegs stabil und in den USA zeichnete sich eine leichte Erholung des Dow Jones ab. Dennoch bleibt die Frage, was hier geschieht? Ökonomen finden zwar Auslöser für den Kursrutsch, aber keine soliden wirtschaftlichen Gründe. Das ist einerseits beruhigend. Andererseits zeigen die starken Kursbewegungen: Die goldenen Zeiten für die Märkte sind vorerst vorbei.

Die Talfahrt begann am Freitag vor einer Woche in den USA. Den Anlass lieferten ausgerechnet gute Nachrichten: In den USA waren die Stundenlöhne auf Jahressicht um 2,9 Prozent gestiegen. An der Börse wurde dies so interpretiert, dass die höhere Kaufkraft der Amerikaner zu steigenden Preisen und damit zu beschleunigter Inflation führen könnte. Darauf wiederum könnte die US-Zentralbank reagieren, indem sie ihre Leitzinsen stärker als bisher erwartet erhöht. „Vor solch einem Szenario haben derzeit viele Marktteilnehmer Angst“, erklärte Stefan Bielmeier von der DZ Bank. Negativ für Aktien wären höhere Zinsen, da sie den Aufschwung drosseln und die Kreditkosten für Unternehmen erhöhen. Drittens machen höhere Zinsen festverzinsliche Wertpapiere gegenüber Aktien attraktiver, weswegen das Kapital aus dem Aktienmarkt in den Anleihemarkt fließen könnte.

Der US-Aktienindex büßte daraufhin am Freitag vor einer Woche 4,6 Prozent ein. Keine Rolle an den Märkten spielte, dass die gefürchtete Lohnerhöhung in den USA einherging mit einer geringeren Zahl an Arbeitsstunden, die Kaufkraft der Amerikaner also gar nicht so stark steigt. Ignoriert wurde zudem, dass Lohnerhöhungen keineswegs automatisch höhere Inflation bedeuten und dass auch eine höhere Inflation nicht schlecht für Unternehmen sein muss. Auch beschwichtigende Worte von US-Notenbankern konnten die Märkte nicht beruhigen. Am Montag ging es weitere vier Prozent nach unten, am Donnerstag abermals fast vier Prozent. „Die Geschwindigkeit des Abschwungs ist krass“, so Mark Haefele von der Schweizer Bank UBS.

Der Abschwung an den Börsen – da sind sich die Ökonomen sicher – spiegelt keine Schwäche der Realwirtschaft wider, im Gegenteil. „Paradoxerweise findet diese Korrektur zu einem Zeitpunkt statt, in dem die globalen Konjunkturdaten so stark sind wie seit langem nicht mehr“, so die Bank M.M. Warburg. Die US-Wirtschaft wachse mit rund drei Prozent, die Eurozone mit einer Rate von 2,5 und Japan mit zwei Prozent. Die Stimmungsindikatoren der Unternehmen weltweit sind so hoch wie seit Jahren nicht.

Die Unternehmen verdienen bestens, insbesondere in den USA: Im vierten Quartal 2017 haben sie voraussichtlich ein Fünftel mehr verdient als im Vorjahr. Die Steuerreform wird den Konzernen in den nächsten Monaten und Jahren weitere Milliarden an Gewinnen bescheren. Auch für die Dax-Konzerne werden die Gewinnschätzungen für die nächsten Monate laufend angehoben.

Dennoch sind sich Analysten und Ökonomen einig, dass eine Korrektur an den Aktienmärkten überfällig war. Denn die Kurse waren schlicht zu lange und zu stark gestiegen. Angetrieben wurden sie durch die bessere Konjunktur. Dass die Zentralbanken gleichzeitig die Zinsen kaum – wie in den USA – oder gar nicht – wie in der Eurozone und Japan – erhöhten, schuf ein perfektes Börsenumfeld. „Die Stimmung der Anleger war lange jenseits von Gut und Böse“, so Esty Roditi, Chefstratege der Bank Natixis.

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