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Bitcoin-Serie Risiken der Kryptowährung

Bitcoins könnten zum Treibsatz einer neuen systemischen Finanzmarktkrise werden. Ein Gastbeitrag von Rudolf Hickel.

Bitcoin
Bitcoins befinden sich in einem abenteuerlichen Aufschwung. Foto: afp

Seit einigen Monaten befinden sich die Bitcoins, unterbrochen von einigen Abstürzen, in einem abenteuerlichen Aufschwung. Vor allem in den Onlinemedien werden vergleichbar dem Goldgräberrausch Erfolgsstories missionarisch verbreitet. Über Nacht ließe sich derzeit ein Gewinn von deutlich über 10.000 Euro durch den steigenden Devisenkurs dieser Kryptowährung erzielen. Wer sich 2013 eingekauft hat, konnte im Herbst dieses Jahres das 170fache an Euro sein eigen nennen. Auffällig ist, dass in diesen Werbeclips kein Wort zu den Ursachen der Reichtumsmehrung und vor allem zu den großen Risiken mitgeteilt wird. Dabei ist dringend Aufklärung über die zentrale Frage geboten: Wie lässt sich dieser Aufschwung einer digitalen, anonymisierten Währung ohne jeglichen Bezug zur ökonomischen Substanz der Gewinnwirtschaft erklären? Wer sind die Macher, die Gewinner, wer die Verlierer? Hier stehen die Banken, die Bundesbank und die Finanzaufsicht in der Pflicht, schonungslos zu informieren.

Da überrascht die Pressemitteilung der NordLB, im Kasino der Zentrale in Hannover könne die Currywurst nun mit Bitcoins bezahlt werden. Die NordLB lässt sich als digitaler Trendsetter bundesweit loben. Die Begründung für die Bitcoin-Werbung allerdings verblüfft: Es ginge um Diskussionen auf den Fluren der Bank und den Aufbau des „Bitcoin-Know-hows in der Beleg-schaft“.

Wäre es dagegen nicht verantwortungsvoll, die Belegschaft über die offensichtlichen Risiken dieser Kryptowährung, die gerne auch für Geldwäsche und die Finanzierung im Darknet eingesetzt wird, aufzuklären? Erklärt werden müsste, warum der normale Kunde wegen der hohen Ansprüche an das Computersystem nicht in der Lage ist, Bitcoins zu schürfen? Am besten wäre es, die Bank würde auch ihren Kunden begründen, warum sie zu recht ihre Kerngeschäfte frei von Bitcoins hält.

Wer heute am Banktresen Bitcoin-Spekulationen empfiehlt, der muss dem Kunden sa-gen, dass es sich um ein neues hoch riskantes Spekulationsobjekt handelt. Die Erinnerung an die Finanzmarktkrise mit künstlich geschaffenen Derivaten wird wach. Der damalige Schwur hat nichts an Bedeutung verloren: Banker empfehlen nur Finanzmarktprodukte, die sie verstehen und verantworten können.

Seit die Terminbörse CBOE in Chicago mit Terminkontrakten (Futures) Spekulationen auf den Bitcoinkurs ermöglicht, ist klar: Bitcoins sind nicht als Zahlungsmittel, sondern als Wettinstrument relevant. Wenn jetzt noch die institutionellen Investoren auf den traditionellen Finanzmärkten einsteigen, kann der Bitcoin zum Treibsatz einer neuen systemischen Finanzmarktkrise heranwachsen.

Bei der zuletzt verkündeten Zinserhöhung der US-Notenbank hat die FED-Chefin Yanet Yellen die Botschaft verbreitet, Bitcoins seien eine „hoch spekulative Anlage“. Und der australische Notenbankchef fügt hinzu: Der Bitcoinhype ist das Produkt eines „spekulativen Wahns“. Hier reiht sich auch die Kritik der Deutschen Bundesbank wohltuend ein.

Der NordLB, die sicherlich nicht vergessen hat, wie auch sie durch Spekulationsgeschäfte in der vergangenen Finanzmarktkrise belastet wurde, wird am Eingang ihres Kasinos in Hannover folgender Hinweis empfohlen: „Hier werden keine Bitcoins angenommen. Zur Erarbeitung des Bitcoin-Kow- hows verweisen wir auf unsere Weiterbildungsseminare.“


Der Autor ist Forschungsleiter für „Wirtschaft und Finanzen“ am Institut Arbeit und Wirtschaft der Uni Bremen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Bitcoin

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