Lade Inhalte...

Biomüll Die lästige Biotonne

Viele Deutsche entsorgen Bioabfall immer noch im Restmüll. Dabei könnte die gewonnene Heizenergie eine ganze Stadt ein Jahr lang versorgen.

Müllabfuhr in Offenbach
Offenbacher haben sie: Nur jedem zweiten Bürger steht überhaupt eine Biotonne zur Verfügung, wie unlängst eine Recherche des Naturschutzbundes (Nabu) ergab. Foto: Monika Müller

Für viele gehört es zum Alltag: Bananenschalen, Gemüsereste, Kaffeefilter sowie andere Küchen- und Gartenabfälle wirft man nicht zum Restmüll, sondern in die Biotonne. Doch viel von dem organischen Material geht verloren, weil die Einsammlung der wertvollen Biofraktion immer noch nicht flächendeckend und konsequent betrieben wird. Mit dem Biogas, das in Deutschland aus dem noch per graue Tonne entsorgten Bioabfall zu gewinnen wäre, könnte ein ganze Großstadt mit Heizenergie versorgt werden.

Die Pflicht für Städte und Landkreise, die Bioabfallsammlung anzubieten, besteht in Deutschland seit Anfang 2015. Seither sind über 1000 Tage vergangen, doch die Ausstattung der deutschen Haushalte mit Biotonnen ist weiterhin mangelhaft. Nur jeder zweite Bürger hat überhaupt einen solchen Extrabehälter zur Verfügung, wie jüngst eine Recherche des Naturschutzbundes (Nabu) ergab. Unter dem Strich bestehe knapp die Hälfte des Restmülls immer noch aus organischen Abfällen. Andere Bioabfälle landen im Gelben Sack oder, weggespült durch die Toilette, in der Kanalisation.

Laut Nabu weigern sich 32 von insgesamt 402 Städten und Landkreisen bis heute, die braune Tonne oder ein Bringsystem einzuführen. In den restlichen Kommunen werde sie häufig nur in bestimmten Stadtteilen oder nur auf Wunsch der Bürger zur Verfügung gestellt. Ein weiteres Problem: Selbst in Wohngebieten, in denen die braune Tonne schon lange eingeführt ist, landen bis zu 40 Prozent der organischen Stoffe trotzdem in der Restmülltonne oder im Gelben Sack. Viele Bürgern ist es zu lästig, neben Papier und Grüner-Punkt-Abfall noch eine weitere Müllfraktion extra zu entsorgen. Manche finden braune Tonnen aber auch schlicht eklig, vor allem im Sommer, wenn sich dort Fliegen und Maden tummeln.

Der Nabu schätzt, dass hierzulande bis zu sechs Millionen Tonnen wertvoller Bioabfälle verloren gehen. Sie landen mit dem Restmüll in der Müllverbrennung, obwohl sie potenzielle Rohstoffe für Kompost und Biogas sind. Der Kompost könnte Kunstdünger und Torf ersetzen, und das Biogas, das in speziellen Anlagen aus vergorenem Bioabfall gewonnen wird, könnte ins Erdgasnetz eingespeist oder zur Stromgewinnung genutzt werden. Mit der Heizenergie, die man aus den sechs Millionen Tonnen zusätzlichen Bioabfalls gewinnen könnte, wäre laut Nabu eine Stadt mit knapp einer halben Million Einwohnern für ein Jahr zu versorgen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum