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Bio-Technik Viele Ideen, wenig Ertrag

Deutschlands Bioökonomie glänzt mit guten Ideen – nur die Umsetzung stockt. Die Bundesregierung will Abhilfe schaffen.

Träger für Multi-Organ-Chips
Im Labor der Firma in Berlin werden die Träger für die Multi-Organ-Chips hergestellt. Ziel der Forscher ist, für die Entwicklungen von Medikamenten Tierversuche ganz oder teilweise zu ersetzen. Foto: Imago

Neuartige Enzyme reinigen Textilien schon bei 40 Grad Waschtemperatur so gründlich, wie dies einst erst bei 60 Grad möglich war. Ein im Labor entwickelter Antikörper hemmt Entzündungen im menschlichen Körper. Anstelle von Tierversuchen mit begrenzter Aussagekraft können pharmazeutische Tests an kleinen Mengen menschlichen Gewebes durchgeführt werden.

Impfstoffe gegen Krebs sind ebenso in der Entwicklung wie künstlich erzeugter menschlicher Milchzucker. Dazu kommen umweltverträgliche Ledergerbstoffe, CO2-neutraler Bio-Sprit oder Kohlendioxid-Verwertung durch Algen in der Biokunststoffproduktion – Biotechnologie und Bioökonomie haben durchaus das Zeug zu weitreichenden Fortschritten für Mensch und Umwelt.

In den kommenden Tagen werden sich Manager, Startups, Experten und Wissenschaftler aus aller Welt zu zwei Großereignissen der Branche in Berlin treffen, um Chancen, Risiken und Fördermöglichkeiten der Biotech-Branche zu diskutieren: die Deutschen Biotechnologie-Tage am 18. und 19. April sowie der Global Bioeconomy Summit am 19. und 20. April. Dass beide Kongresse in der deutschen Hauptstadt stattfinden, ist kein Zufall.

Deutschland gilt international als einer der Vorreiter biotechnologischer Forschung und Verfahren – jedenfalls noch. Nach Ansicht der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) entstehen hierzulande zwar zahlreiche Ideen und vielversprechende Forschungsergebnisse. Bei der Umsetzung in konkrete Produkte, die in die industrielle Fertigung gehen, hapert es laut EY aber.

In der Tat fallen die Kerndaten der deutschen Bioökonomie bisher recht bescheiden aus. Nach Angeben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) haben die 615 ansässigen Biotech-Unternehmen im vorletzten Jahr insgesamt 3,54 Milliarden Euro umgesetzt. Das ist gegenüber 2015 zwar ein Plus von acht Prozent, aber nur gut ein Drittel des Umsatzes von mehr als 9 Milliarden Euro, den das deutsche Dachdeckerhandwerk 2016 verbuchte.

Doch dabei soll es nicht bleiben. Die neue Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) will gezielt Doktoranden mit biotechnologischen Forschungsschwerpunkten ermutigen und fördern, Unternehmen zu gründen. So sollen aus guten Ideen ertragreiche Geschäfte werden. Es gehe darum, die durch Know-How-Vorsprung erreichten Wettbewerbsvorteile früher in vermarktbare Produkte umzusetzen.

Hierbei setzt die Ministerin auf engere Zusammenarbeit und mehr Offenheit. Zum einen soll früher und transparenter als bisher darüber debattiert werden, welche Chancen, aber auch Risiken von biotechnologischen Fortschritten und bioökonomischen Produkten ausgehen.
Die „Grüne Gentechnik“ wird im BMBF als abschreckendes Beispiel genannt, wie ein solcher Prozess nicht verlaufen sollte: zunächst beinahe geheim, jedenfalls undurchsichtig.

Es folgte eine emotional und weltanschaulich aufgeladene Debatte, die mittlerweile kaum mehr sachlich zu führen sei. Dabei zeigten sich die unterschiedlichen Positionen auch in der Arbeit der Bundesregierungen und Ministerien der vergangenen Jahre. Karliczek möchte deswegen die Bundesministerien für Umwelt, Landwirtschaft, Gesundheit und Wirtschaft enger als bisher in die nationale Forschungsstrategie einbinden.

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