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Billigflieger Ryanair in Turbulenzen

Europas größter Billigflieger muss den ersten Gewinnrückgang seit fünf Jahren verkraften.

Streik bei Ryanair
Die Streiks der eigenen Belegschaft setzen Ryanair in diesem Jahr zu. Foto: rtr

Der irische Billigflieger Ryanair war jahrelang eine Profitmaschine. Doch damit ist jetzt Schluss. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres (April bis September) schrumpfte das Ergebnis um sieben Prozent auf 1,2 Milliarden Euro – der erste Gewinnrückgang seit fünf Jahren. Einiges ist in den vergangenen Monaten zusammen gekommen. Streiks von Piloten und Flugbegleitern, Chaos an Flughäfen mit Verspätungen und Flugausfällen nebst Entschädigungen für Fluggäste und vor allem ein gestiegener Kerosinpreis.

Der Spritpreis hängt mit zeitlicher Verzögerung von den Notierungen an den Rohstoffbörsen ab: Die Referenzsorte Brent kostete Ende September mehr als 85 Dollar pro Fass (à 159 Liter). Sechs Monate zuvor waren es rund 20 Dollar weniger gewesen. In den nächsten Monaten dürfte für die Iren und ihre Rivalen der Kampf um Fluggäste noch härter werden. Überkapazitäten könnten Ticketpreise verbilligen.

Die Verwerfungen haben die gesamte Branche erfasst. Im Sommer mussten in Europa mehrere kleine Fluglinien wie Azur Air und Primera Air den Betrieb einstellen, Easyjet hat Ende September seine Gewinnprognose nach unten geschraubt. Analysten haben auch ihre Erwartungen an Lufthansa, die hiesige Nummer eins, deutlich gesenkt. Die Kranichgesellschaft wird am Dienstag nächster Woche Zahlen vorlegen. Auch die Iren mussten mittlerweile einräumen, dass die Profite deutlich geringer ausfallen als vor dem Sommer erwartet. Jetzt hofft Konzernchef Michael O’Leary, dass er die bislang eingeflogenen Erträge bis zum Ende des Geschäftsjahres am 31. März einigermaßen retten kann.

Der Branche steht ein harter Winter bevor. Generell geht die Flugtätigkeit mit dem Ende der Sommerurlaubs-Saison im September deutlich zurück. Die Reiselust der Europäer könnte überdies stärker als in normalen Jahren gebremst werden, wenn die vielen pessimistischen Prognosen über die Konjunktur Wirklichkeit werden – die Fliegerei ist stark von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Gleichwohl haben zahlreiche Airlines die Ausweitung ihrer Kapazitäten angekündigt, dazu zählen Easyjet und auch der weltgrößte Ferienflieger Tuifly.

Dieses scheinbar widersinnige Verhalten ist in der Branche immer wieder zu erkennen. Die Airline-Manager wittern die Chance, die Turbulenzen zum Ausbau der eigenen Marktanteile ausnutzen zu können. Denn im Airline-Geschäft ist die schiere Größe der wichtigste Faktor, um Kosten zu drücken. So rechnet O’Leary denn auch damit, dass die Zahl der angebotenen Sitze im europäischen Verkehr im Winter zwischen sechs und acht Prozent über dem Wert des Vorjahres liegen wird. „Und das wiederum merkt man an den Preisen, die gerade purzeln wie nie“, sagte O’Leary jüngst in einem Interview mit dem Fachdienst Airliners.de. Wobei Ryanair selbst aggressiv Billigtickets vertreibt. Die Iren können sich das leisten, weil sie eine sehr hohe Auslastung ihrer Maschinen erreichen und ihre Aufwendungen maximal gedrückt haben. Was aber auch bedeutet, dass Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal extrem wenig verdienen.

Der Airline-Chef sieht indes auf die skandinavische SAS und die portugiesische TAP schwere Zeiten zukommen – beide Airlines gelten schon länger als Übernahmekandidaten. Und er ist sich sicher: „Norwegian geht im Winter in die Knie.“ Die Fluggesellschaft galt einst als Shootingstar, hat das Prinzip der Billigfliegerei in Europa für die Langstrecke durchgesetzt. Die Norweger sind aber stark vom Auf und Ab des Ölpreises abhängig. Sie sollen, so O’Leary, für die nächsten zwölf Monate nur etwa ein Sechstel des benötigten Kerosins mit günstigen Lieferkonditionen abgesichert haben. Den ganz großen Rest müssen sie nun kurzfristig teuer zukaufen. Andere Airlines haben Verträge über erheblich größere Mengen zu niedrigen Preisen abgeschlossen.

Ein deutlich steigender Ölpreis könnte aber auch für Ryanair zum Problem werden. Bei 100 Dollar pro Fass müssten die Prognosen fürs Geschäftsjahr angepasst werden, räumt O’Leary ein, der betont, dass man nun „sehr klug“ planen müsse. Ryanair macht unter anderem den Standort Bremen wegen mangelnder Profitabilität dicht und senkt im niederrheinischen Weeze die Zahl der stationierten Flieger von fünf auf drei.

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