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Billig-Airline Laufen Ryanair die Piloten davon?

Die irische Airline Ryanair steht im Zentrum der Kritik. Drei Versionen kursieren derzeit auf der Suche nach der Ursache für die über 2000 Flugausfälle.

Ryanair
Eine Ryanair-Maschine landet in Rom. Die Airline ist nach zahlreichen Flugausfällen in die Kritik geraten. Foto: rtr

Hat sich Michael O’Leary bereits selbst gefeuert? Falls nicht, sollte er es schnell tun.“ Beim Kurznachrichtendienst Twitter war dieser Tweed noch einer der besonneneren. Viele Fluggäste der irischen Billig-Airline machten ihren Ärger über kurzfristig abgesagte Flüge über die sozialen Netzwerke Luft. Vor allem Ryanair-Chef O’Leary, der stets großspurig die Pünktlichkeit seiner Airline betont und Wettbewerber als Loser verspottet, wird nun Ziel der Kritik.

Ryanair hat Ende vergangener Woche überraschend angekündigt, kurzfristig bis zu 50 Flüge täglich zu streichen. Bis Ende Oktober könnten so rund 2000 Flüge entfallen. Begründet wurde das damit, dass die Pünktlichkeitsquote der Airline unter 80 Prozent gesunken ist. Die Billigairline verwies darauf, dass das nur zwei Prozent der Flüge im europäischen Netzwerk betreffe. Doch bereits am Wochenende gab es 162 Ausfälle.

Drei Theorien zu Ryanair

Als Grund für die Absagen kursieren derzeit drei Versionen. Die erste stammt von Ryanair selbst: Danach haben zuletzt Fluglotsenstreiks in Frankreich, schlechtes Wetter und urlaubsbedingte Verschiebungen bei den Crews zu Verspätungen geführt. Ryanair hatte im Sommer ihr Flugnetz ausgebaut. Dabei sei aber ein Rückstau an Resturlaubstagen bei den Flugbesatzungen entstanden, der bis Jahresende abgebaut werden müsse, teilte Ryanair der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit.

Eine etwas andere Version vom Mitarbeiter-Mangel liefert die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC): „Ryanair-Mitarbeiter sagen uns, es werden Flüge gestrichen, weil Piloten das Weite suchen“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl der „Mitteldeutschen Zeitung“. Die irische Billigfluggesellschaft habe eine hohe personelle Fluktuation, weil sie niedrigere Gehälter zahle als die Wettbewerber. „Viele Piloten versuchen, zu anderen Gesellschaften zu wechseln“, so Wahl. Die Iren hätten daher bereits angefangen, auch Piloten aus Südamerika anzuwerben.

Die Einschätzung der Gewerkschaft wird durch einen Bericht der Zeitung „Irish Independent“ gestützt. Danach habe Ryanair Einstellungsprobleme und damit angefangen, neuen Piloten eine Antrittsprämie von 10 000 Euro anzubieten. Seit Jahresbeginn verlor die nach Passagieren größte Fluggesellschaft Europas mehr als 140 Piloten an den Konkurrenten Norwegian Air. Ryanair äußerte sich nicht dazu.

Begehrte Start- und Landerechte

Die dritte Version zu den Flugausfällen liefern die Luftverkehrsexperten Cord Schellenberg und Gerald Wissel. Laut Schellenberg könnte sich Ryanair auch auf den Fall vorbereiten, dass die insolvente Air Berlin ihren Flugbetrieb aus Geldmangel vorzeitig einstellen muss. „Ryanair könnte versuchen, dann in die Lücke zu springen, die Air Berlin hinterlässt.“ Wissel, von der Beratungsgesellschaft Airborne, sagte: „Im Fall eines vorzeitigen Groundings der Air Berlin müssten die begehrten Start- und Landerechte vom zuständigen Koordinator der Bundesrepublik sofort neu vergeben werden.“ Den Zuschlag könnten aber nur Gesellschaften erhalten, die dann auch mit entsprechenden Flugzeugen die Strecken tatsächlich fliegen könnten. Dafür wolle Ryanair einige Maschinen in der Hinterhand haben.

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