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Bilanz Facebook zeigt Schwäche

Das Unternehmen verfehlt die Erwartungen der Anleger und verliert an einem Tag fast ein Fünftel seines Börsenwerts.

Facebook an der Börse
Lange ging es an der Börse aufwärts für Facebook - jetzt folgte der Schock. Foto: rtr

Viele Jahre galt ein Paradox: Obwohl sich der Ruf von Facebook schon lange verschlechterte, blieb Mark Zuckerbergs Imperium wie ein Fels in der Brandung stehen: Steigende Mitgliederzahlen, steigende Umsätze und eine Aktie, die nicht aufzuhalten war. Doch womöglich haben die Skandale rund um Cambridge Analytica, den Datenschutz, Hass und Hetze nun doch Auswirkungen auf das Netzwerk.

Um eins vorwegzunehmen: Facebook geht es gut. Das größte soziale Netzwerk ist und bleibt eine Geldmaschine. Der Umsatz im zweiten Quartal stieg dank des Geschäfts mit Onlinewerbung im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 13,23 Milliarden Dollar (11,31 Milliarden Euro). Der Gewinn wuchs um 31 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. Die Aktie war in den vergangenen Wochen auf Rekordjagd.

Datenschutz macht Probleme

Aber: In Europa ging die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer nach Inkrafttreten der neuen Datenschutzregeln zurück: Die Zahl der mindestens einmal im Monat aktiven Nutzer sank in Europa von 377 auf 376 Millionen. Bei den täglich zurückkehrenden Mitgliedern gab es sogar einen Rückgang von 282 auf 279 Millionen. Facebook-Manager gaben keine Prognose dazu ab, wie sich diese Zahlen entwickeln werden.

Firmenchef Zuckerberg sagte zugleich, es sei ermutigend, dass die große Mehrheit der Nutzer in Europa der weiteren Datenauswertung für personalisierte Werbung zugestimmt habe. Insgesamt legte die Zahl monatlich aktiver Facebook-Nutzer weltweit von knapp 2,2 auf 2,234 Milliarden zu. Damit hat sich das Wachstum aber verlangsamt.

Da Facebook die Analysten-Erwartungen auch beim Umsatz verpasste und die Führungsriege nur eine sehr vorsichtige Prognose abgab, stürzte die Aktie am Donnerstag rund 18 Prozent ab.

„20.000 Menschen weltweit arbeiten an Facebooks Sicherheit und Schutz und überprüfen Inhalte“, schrieb Zuckerberg. Dies wirke sich auch auf den Umsatz aus. „In diesem Quartal haben wir Tausende von Fake-Accounts identifiziert und gelöscht. Zudem arbeiten wir nun mit einem Tool, das politische Werbung transparenter macht“, erklärte der Firmengründer. Es bleibe aber immer noch viel zu tun.

Es ist nicht lange her, dass Mark Zuckerberg monatelang unter Druck stand, nachdem bekannt geworden war, dass die Daten von Millionen Nutzern weltweit illegal abgeflossen waren. Auch Europa war betroffen. Facebook wusste lange von dem Datendiebstahl, hatte seine Nutzer aber darüber nicht informiert. Der medienscheue Zuckerberg, der sich meist nur über Facebook äußert, musste aus der Reserve kommen.

Er stellte sich den Fragen von US-Abgeordneten im Kongress, sagte auch vor dem EU-Parlament aus. Auch wenn die Runden kaum Neues brachten, war es das erste Mal, dass der Facebook-Gründer derart unter Beschuss stand. Wie viele in dieser Zeit das Netzwerk verließen, ist nicht bekannt, aber Austritte wurden zumindest diskutiert.

Und dann trat auch noch die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGV) am 25. Mai in Kraft, die Unternehmen zu einem transparenteren Umgang mit personenbezogenen Daten verpflichtet und Nutzern mehr Rechte eingesteht. Die neue EU-Verordnung macht Facebook auch für die Umsatzeinbußen verantwortlich.

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