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Bienensterben Das bedrohte Summen

Neonikotinoide - das sind die Stoffe, die Bienen töten. Doch die EU kann sich nicht auf Verbot dieses Bienengifts einigen. Ein Stopp scheitert an der Stimmenthaltung von Großbritannien und Deutschland.

Summ, summ, summ – Bienchen summen immer seltener. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Neonikotinoide - das sind die Stoffe, die Bienen töten. Doch die EU kann sich nicht auf Verbot dieses Bienengifts einigen. Ein Stopp scheitert an der Stimmenthaltung von Großbritannien und Deutschland.

Ihnen hängt buchstäblich der Rüssel raus. So beschreiben Imker jedenfalls die toten Bienen, die sie seit etlichen Jahren vermehrt in ihren Stöcken auffinden. Zunächst tauchte der plötzliche Bienentod in den USA und Kanada auf. Dann auch in Frankreich und Deutschland. Als Ursache für das Bienensterben wurde ein Nervengift ausgemacht, die sogenannten Neonikotinoide.

Hersteller wie das deutsche Pharma- und Chemieunternehmen Bayer oder der Schweizer Konzern Syngenta verwenden die Stoffklasse in Insektiziden gegen den Maiswurzelbohrer. Doch die Europäische Union kann sich nicht auf ein Verbot der Stoffklasse verständigen. Ein Stopp scheiterte nun – an der Stimmeenthaltung von Großbritannien und Deutschland.

Kritik an Chemiekonzernen

Das Agrarministerium von Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, dass die vorgesehene Regelung der Europäischen Union eine bereits existierende einseitig erlassene Einschränkung in Deutschland untergrabe. „Das stimmt, stimmt aber auch wieder nicht“, sagte Christoph Schott von der Bürgerplattform Avaaz der Berliner Zeitung. So sehe die Regelung der EU-Kommission strenge Vorschriften bei Raps und Sonnenblumen vor. „Aktuelle EU-Studien haben ergeben, dass diese Pestizide ein inakzeptables Risiko darstellen und gemäß des Vorsorgeprinzips muss Deutschland ein Verbot unterstützen, so dass die Auswirkungen der Pestizide vollständig erfasst werden können“, erklärte Schott. Er rief die Bundesregierung dazu auf, die Pestizidlobby zu ignorieren und Europas Bienen zu retten.

Neonikotinoide stören den Orientierungssinn der Bienen. Die Tiere nehmen die giftigen Stoffe vermutlich über das Regenwasser auf, dass die gefährlichen Insektizide auf den Pflanzen auswäscht. Eine Untersuchung der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA hatte zuletzt einen Zusammenhang zwischen Bienensterben und Neonikotinoiden belegt. Deutschland erschienen die wissenschaftlichen Beweise in den Beratungen aber als zu dürftig.

Die EU-Kommission will die Stoffklasse vom 1. Juli dieses Jahres verbieten, zunächst auf zwei Jahre befristet. Dreizehn Länder stimmten für ein befristetes Verbot, fünf lehnten es ab, neun enthielten sich der Stimme, darunter Großbritannien und Deutschland.

Kommissar Borg für Verbot

Die EU-Kommission will nach Angaben eines Sprechers ihr weites Vorgehen nun überdenken. Denn das Entscheidungsgeflecht in Europa ist mitunter kompliziert. So könnte die Kommission ihre Regelung überarbeiten und das Verbot in den nächsten zwei Monaten den Mitgliedstaaten erneut zur Abstimmung vorlegen.

Die EU-Kommission könnte aber auch die unveränderte Vorlage nochmals zur Abstimmung bringen lassen, sollte sie dann wiederum keine Mehrheit für ihren Vorschlag finden, könnte sie das Verbot auf Verwaltungsweg anordnen. Ein Sprecher von Gesundheitskommissar Tonio Borg versprach der Zeitung International Herald Tribune: „Das ist noch nicht das Ende der Geschichte.“

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