Lade Inhalte...

Bezahlsystem Paydirekt Gemeinsam gegen Paypal

Deutschlands Banken hinken beim Bezahlen im Internet hinterher. Doch nun wachen sie endlich auf: Mit Paydirekt lancieren die hiesigen Geldhäuser ein eigenes Bezahlsystem für den Einkauf im Netz.

Shoppen im Internet ist beliebt: Die deutschen Banken haben bisher aber nicht Schritt gehalten mit den Konsumenten. Foto: REUTERS

Für Reformfreude und Schnelligkeit sind Deutschlands Banken wahrlich nicht bekannt. Von der rasenden technischen Entwicklung im Zahlungsverkehr sind sie regelrecht überrannt worden. Noch immer dauert es einen ganzen Tag bis eine Überweisung vom Auftraggeber zum Empfänger gelangt. Kleine Start-up-Firmen aus dem Finanzsektor (sogenannte Fintechs) haben mit minimalem Aufwand schon Lösungen entwickelt, um per App innerhalb von Sekunden Geld rund um den Globus zu transferieren.

Noch stärker hinken die Banken beim Bezahlen im Internet hinterher. Hier überließen sie das Feld bislang komplett anderen: vor allem den Kreditkartenfirmen und dem auch in Deutschland schon seit mehr als zehn Jahren etablierten US-Anbieter Paypal. Nun sind die Banken endlich aufgewacht. Mit Paydirekt wollen sie ein eigenes Online-Bezahlsystem etablieren. Der späte Start soll ein Mehr an Qualität kompensieren: „Wir überlegen schon seit gut drei Jahren, wie wir in das Thema Online-Bezahlen einsteigen und haben nun ein Verfahren entwickelt, das aus unserer Sicht besser ist als alle vorhandenen“, sagt Torsten Daenert, bei der Commerzbank verantwortlich für Paydirekt. Wenn er „wir“ sagt, meint Daenert nicht nur sein, sondern alle wichtigen deutschen Geldhäuser, einschließlich Volksbanken und Sparkassen. Denn Paydirekt ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kreditwirtschaft.

Sofortige Zahlungsgarantie

Paydirekt sei für Online-Zahlungen unkomplizierter als etwa Kreditkarten und zudem sicherer, sagt Daenert. Der entscheidende Unterschied: Konkurrent Paypal speichert die Bankdaten seiner Kunden (also Name und Iban) auf seinen Servern und zieht die Rechnungsbeträge dann als Lastschrift vom Konto des Kunden ein. Das ist aus Sicht von Datenschützern ein Sicherheitsrisiko. Man müsse sich nur einmal vorstellen, was passiere, wenn die Server von Paypal gehackt würden. Paydirekt dagegen kennt die Bankdaten des Kunden gar nicht. Der Kunde muss das System nur ein einziges Mal mittels eines zufallsgenerierten Geheimzahlverfahrens (TAN) aktivieren, wie er es schon vom Online-Banking kennt. Anschließend muss er für jede Paydirekt-Transaktion nur noch den selbstgewählten Benutzernamen und sein Passwort eingeben. Anders als bei Paypal zahlt der Kunde auf diese Weise selbst. Sein Geld wird nicht eingezogen.

„Ein weiterer Vorteil von Paydirekt: Der Händler erhält sofort eine Zahlungsgarantie, wenn das Konto entsprechend gedeckt ist. Ansonsten wird die Zahlung nicht ausgeführt“, so Daenert. Der Commerzbank-Manager äußerte sich überzeugt, dass Paydirekt sich in Deutschland schnell etablieren werde. Bisher läuft das System allerdings noch in der Pilotphase. Nur Kunden der Hypo-Vereinsbank können damit ihre Einkäufe bezahlen – und das auch nur bei einer Handvoll Händler.

Noch vor dem Jahresende wollen aber die Commerzbank und weitere Institute folgen. Bis dahin sollen auch viel mehr Händler an das System angeschlossen sein. Die Commerzbank rechnet in den ersten Monaten nach dem Start mit 250 000 Kunden, das wäre etwa jeder zehnte Kunde mit Online-Banking-Zugang – der ist Voraussetzung für Paydirekt.

Bis Paydirekt auf Augenhöhe mit Paypal ist, dürfte es also noch dauern. Der US-Konkurrent hat in Deutschland bereits 16 Millionen Kunden. Doch das bereitet Daenert keine Sorgen. Er sieht im Online-Geschäft genug Potenzial für Paydirekt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen