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Bettervest Rendite auf den Umweltschutz

Die Frankfurter Crowdinvesting-Plattform Bettervest sammelt Geld für Projekte ein, mit denen der Energieverbrauch sinkt.

Viele Bettervest-Projekte setzen Energieeffizienz. Foto: imago/Westend61

Arbeit bei einer Firma, die Technologie mit Finanzen verknüpft, bisher aber keine Gewinne abwirft, und ein kleines Team, das weltweit verstreut arbeitet – vom Saarland über Frankfurt bis nach Bali – das klingt nach einem Fintech-Start-up. Bettervest, die Frankfurter Crowdinvesting-Plattform, ist in mancher Hinsicht typisch für die aufstrebenden Jung-Unternehmen dieser Art.

Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied, wie Gründer und Geschäftsführer Patrick Mijnals betont: „Wir sind von unserer Mission getrieben.“ Und die zielt nicht darauf ab, die Bankenwelt zu revolutionieren und möglichst viel Geld zu verdienen. „Nachhaltig, effizient, rentabel“, solche Projekte möchte Bettervest finanzieren helfen.

Das sechsköpfige Team um Mijnals, das von Praktikanten, zwei Azubis und Freiberuflern ergänzt wird, will zwar nicht die Welt retten, sie aber ein Stück besser zu machen, ist ein erklärtes Ziel. Die Projekte auf der Internetplattform haben eines gemeinsam: Es geht um die Beschaffung von Geld, um den Energiebedarf von Unternehmen, Sozialträgern, Vereinen und Kommunen effizienter zu machen. Die Geldgeber werden an den erzielten Einsparungen beteiligt.

Beispiel: Kindergarten

Um das so einfach wie möglich zu erklären, zeigt Bettervest ein Video von Sophie und ihrem Kindergarten: Der verbrauche sehr viel Energie mit einer alten Heizung, könne sich aber keine neue leisten. Sophies Mama setzt deshalb ein Bettervest-Projekt auf, sie erklärt darin, wie viel eine neue Heizung kostet und wie viel der Kindergarten damit sparen könne, und investiert selbst gleich 50 Euro – die Mindestsumme. Dann wirbt sie bei den anderen Eltern und im Freundeskreis. Bald ist das benötigte Geld beisammen, und alle können sich freuen: Der Kindergarten, weil er Heizkosten spart und mehr für Spielsachen ausgeben kann, die Umwelt, weil sie weniger mit CO2 belastet wird, und die Investoren über ihre Rendite.

Obwohl „rentabel“ erst an dritter Stelle steht, bieten die Bettervest-Projekte stattliche Renditen zwischen fünf und zwölf Prozent. Das Start-up nimmt von den Projekten eine einmalige Gebühr und kassiert Abwicklungsgebühren ab dem zweiten Jahr. Die Rendite für die Geldgeber, das ist Mijnals wichtig, speist sich immer aus den Einsparungen – ein Schutz für die Anlage. Denn, und darauf weist Bettervest deutlich hin: Im schlimmsten Fall droht der Totalausfall, weil das Geld der Anlager als Nachrangdarlehen ins Projekt fließt. Ihr Investment wird nämlich wie Eigenkapital gewertet, damit müssen keine Sicherheiten geleistet werden. Dafür werden die Projekte intensiv geprüft. Auf nur einen Ausfall, aber bislang 43 umgesetzte Projekte blickt Mijnals zurück, seit die Plattform vor drei Jahren gestartet ist.

Langgehegte Idee

Bettervest ist das Ergebnis eines Start-up-Wochenendes im Jahr 2012. „Ich habe mich noch am Donnerstag gefragt, ob ich da überhaupt hingehen soll“, erinnert sich Mijnals, „und am Samstag haben wir dann das Unternehmen gegründet.“ Seine beiden Mitgründer lernte er dort kennen, die Idee trug er schon ein paar Jahre mit sich herum. Nach der Gründung brauchte es ein gutes dreiviertel Jahr, bis das erste Projekt auf Bettervest eingestellt wurde. In 15 Stunden wurden 8400 Euro dafür eingesammelt, um in einem Büro herkömmliche Leuchtmittel gegen energiesparende LED zu tauschen. Die Investoren erhielten zehn Prozent Rendite und die CO2-Einsparung soll knapp zehn Tonnen in drei Jahren betragen haben.

Heute sind die finanzierten Projektvolumina deutlich größer. Bettervest verlangt ein Mindestvolumen von 50 000 Euro, von dem abgewichen werden kann, wenn ein Projekt besonders innovativ oder sozial ausgerichtet ist. Die Obergrenze gibt mit 2,5 Millionen Euro das Kleinanlegerschutzgesetz vor. Finanziert werden so Projekte wie ein Blockheizkraftwerke in einem Sportzentrum oder Nahwärmenetze im Taunus oder im Odenwald. Auch nach Afrika fließen Finanzierungen, einer aus dem Gründungsteam ist heute dort aktiv mit Projekten, die Energieeffizienz und Entwicklung verbinden. Bettervest konzentriert sich aber auf die heimische Wirtschaft: „Es ist jedem Betrieb möglich, sich besser aufzustellen und davon zu profitieren, dazu braucht es keine besondere Öko-Ausrichtung“, ist Mijnals überzeugt.

Aber warum sollen Betriebe via Crowfunding in Energieeffizienz investieren, wenn ein Bankkredit günstiger käme? Eine Kampagne über Bettervest könne die Bindung von Kunden und Mitarbeitern verbessern, sagt Mijnals, und schone das Eigenkapital.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Fintech

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