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Betäubungsmittel Kanadier liefern Cannabis

Hoffnung für Schmerzpatienten: Das Unternehmen Tilray will Extrakte in Deutschland anbieten.

Tilray
Produktion von flüssigem Cannabis bei Tilray. Foto: dpa

Für Schmerzpatienten, denen kein Arzt und kein Medikament mehr helfen konnte und die daher als „austherapiert“ gelten, hat der 10. März 2017 eine besondere Bedeutung: Seit diesem Tag können Ärzte in Deutschland Schwerstkranken Cannabis verschreiben – auf Kosten der Krankenkassen. Nach einem halben Jahr sieht die Bilanz des neuen Gesetzes allerdings durchwachsen aus: Genehmigungen werden häufig nicht erteilt, und wenn doch, dann können Apotheken die Patienten oft nicht versorgen, weil es immer wieder Lieferschwierigkeiten gibt. Jetzt kommt allerdings Bewegung in den Markt, da ein neuer Lieferant in Deutschland aktiv wird.

Bis zum In-Kraft-Treten des „Gesetzes zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften“ benötigten Patienten eine Ausnahmegenehmigung, um Medizinalhanf in der Apotheke zu bekommen – auf eigene Kosten. Erst nachdem Patienten vor dem Bundesverwaltungsgericht durchsetzten, Cannabis auch selbst anbauen zu dürfen, reagierte die große Koalition: Durch die Neuregelung dürfen Cannabis-Präparate von jedem Arzt verschrieben werden, wenn alle übrigen Behandlungswege ausgeschöpft worden sind.

Wie wirksam Cannabis tatsächlich ist, ist wissenschaftlich zwar nicht eindeutig belegt. Die Studienlage ist eher dünn. Aber Patienten berichten, dass chronische Schmerzen und die Nebenwirkungen von Chemotherapien gelindert werden. Allein in den ersten zwei Monaten nach der Liberalisierung wurde eine „mittlere vierstellige Zahl“ von Anträgen gestellt, wie der Spitzenverband der Kassen kürzlich berichtete.

Ein kontrollierter Anbau

Die Kassen gehen bei den erforderlichen Genehmigungen allerdings eher restriktiv vor. Fast die Hälfte der Anträge wurde den Angaben zufolge abgelehnt, unter anderem weil der Nachweis fehlte, dass gängige Schmerztherapien ausgeschöpft seien. Bekannt ist auch, dass sich Ärzte nicht trauen, Anträge zu stellen, weil sie Angst haben, später von den Kassen in Regress genommen zu werden. Eine Monatstherapie ist nicht billig, sie kostet im Schnitt um die 500 Euro.

Gleichwohl stieg der Absatz von Cannabisblüten oder cannabishaltigen Zubereitungen deutlich an: So kletterte die Zahl der abgegebene Einheiten von 600 im März auf fast 5000 im Juni. Oft konnten die Apotheken aber nicht liefern: Sie beziehen die Produkte derzeit von zertifizierten Importeuren vor allem aus den Niederlanden und Kanada. Doch die können offenbar nicht bereitstellen.

Eigentlich ist geplant, auch in Deutschland kontrolliert Cannabis anzubauen. Die neue Cannabis-Agentur beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) ist dafür zuständig, dass Cannabis für die medizinische Anwendung in standardisierter Qualität angebaut wird. Dazu wird die Produktion ausgeschrieben, die Ernte wird dann von der Agentur aufgekauft und an Hersteller und Apotheken abgegeben. Vor 2019 wird es aber keine Cannabisblüten aus Deutschland geben.

Mitte Oktober kommen jedoch neue Produkte auf den deutschen Markt, die zu einer Entlastung führen können. Das kanadische Unternehmen Tilray wird hierzulande erstmals Cannabis-Extrakte anbieten, die neben den beiden Hauptwirkstoffen THC und CBD sämtliche weitere Wirkstoffe der Cannabisblüten enthalten. Das Produkt wird – anders als Blüten – nicht geraucht oder inhaliert, sondern oral eingenommen. Das erleichtert auch die Dosierung.

„Die Zukunft liegt in fertigen Cannabis-Präparaten“, sagte Vorstandschef Brendan Kennedy bei der Vorstellung am Dienstag in Berlin. Tilray betreibt in Kanada seit einigen Jahren eine Cannabis-Produktion und hat kürzlich in Portugal die Lizenz für eine Plantage erhalten. Um eine eigene Anbaulizenz in Deutschland will man sich daher nicht bewerben. Die klimatischen Verhältnisse in Portugal seien einfach besser, sagte Kennedy.

Das Unternehmen versicherte, nicht nur nach Deutschland zu exportieren, sondern hier in die klinische Forschung für medizinische Cannabisprodukte investieren zu wollen. Dazu solle es Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und Kliniken geben.

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