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Bayer CoLaborator Bayer ahmt IT-Branche nach

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer startet ein Zentrum für junge Unternehmen. Für eine geringe Miete können sich Unternehmer in den "CoLaborator" einmieten und ihren Eintritt in das Geschäftsleben vorbereiten.

Ein Schiff vor Bayer. Foto: REUTERS

Ein Springbrunnen plätschert, auf den Tischtennisplatten liegen Schläger bereit und das Volleyballfeld ist frisch geharkt. Liegestühle stehen herum, es gibt Kaffee und Currywurst. Dahinter ein flaches, frisch renoviertes Gebäude mit Büros, Konferenzräumen und blitzsauberen Laboren: Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat am Mittwoch an seinem Berliner Standort sein erstes deutsches Gründerzentrum für Start-ups eröffnet.

Was in der IT-Wirtschaft längst etabliert ist, soll nun auch in der Chemie- und Biowissenschaft gelingen: Die Ansiedlung und Förderung von jungen Unternehmen durch sogenannte Inkubatoren. Bayer nennt sein Projekt „CoLaborator“. Für eine vergleichsweise geringe Miete können sich Unternehmer dort einmieten und ihren Eintritt ins Geschäftsleben vorbereiten. Die Labore sind mit den wichtigsten Geräten und Anschlüssen ausgestattet, gegen Gebühr dürfen auch Anlagen in den nahen Forschungseinrichtungen von Bayer genutzt werden.

In dem Gebäude mit rund 800 Quadratmetern können bis zu neun Unternehmen Platz finden. Als Investitionssumme nennt der Leverkusener Konzern einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Außerdem stellt der Konzern eigene Mitarbeiter ab, die den jungen Unternehmen bei Bedarf beratend zur Seite stehen. „Wir wollen den wissenschaftlichen Austausch von Leuten mit innovativen Ideen und Menschen, die Erfahrung mit der Umsetzung derartiger Ideen haben“, erklärt Bayer-Vorstand Andreas Busch das Projekt.

Ideen erhofft

Bayer erhofft sich davon, Unternehmen mit erfolgversprechenden Ideen an sich zu binden. Ähnlich wie in der IT-Wirtschaft sind es auch in der Pharma- und Biotechnologiebranche oft Start-ups, die interessante Innovationen hervorbringen. Diese jungen Unternehmen sind dann aber, anders als etwa Software-Firmen, in der Regel darauf angewiesen, mit größeren Konzernen zu kooperieren oder von diesen übernommen zu werden. So kostet es beispielsweise bis zu einer Milliarde Euro, ein neues Medikament auf den Markt zu bringen, unter anderem wegen der hohen Anforderungen an die klinischen Tests.

Drei Firmen sind bereits in den „CoLaborator“ eingezogen: Die Calico GmbH entwickelt bestimmte Antikörper, die zur Herstellung sogenannter Biomarker verwendet werden. Die Provitro AG beschäftigt sich mit klinischer Forschung in der Pharmakologie und der Biotechnologie und verfügt über eine gut sortierte Gewebebank. Das Unternehmen DexLeChem hat Verfahren entwickelt, um komplexe chemische Wirkstoffe in Wasser herzustellen, was kostengünstiger ist als die Verwendung organischer Lösungsmittel.

DexLeChem-Chefin Sonja Jost sagt, ihr Unternehmen habe bisher Räume der Technischen Universität genutzt. Sie habe diese aber verlassen müssen. Die Miete bei Bayer ist nach ihren Angaben etwa um ein Drittel günstiger als auf dem freien Markt. Außerdem sei es ein unschätzbarer Vorteil, dass ihre Firma Analytik-Geräte von Bayer mitbenutzen könne. „Die kosten eine halbe Million Euro, das könnten wir uns ansonsten gar nicht leisten“, sagt sie.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist glücklich über das Bayer-Projekt. Nach der Übernahme von Schering im Jahr 2006 habe es zeitweise die Befürchtung gegeben, dass der Standort Berlin zurückgefahren werde, sagt er. „Jetzt wird investiert und das ist ein gutes Zeichen für den Gesundheits- und Forschungsstandort Berlin.“

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