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Baubranche Bilfinger balanciert am Abgrund

Der kriselnde Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger sucht verzweifelt nach einer Strategie, um den eigenen Niedergang zu stoppen. Immerhin steigt inzwischen der Umsatz.

In schwindelerregender Höhe: Ein Mitarbeiter von Bilfinger bei der Arbeit auf einer Baustelle. Foto: pa/obs/Bilfinger SE

Im vergangenen Jahr verbuchte das Mannheimer Traditionsunternehmen einen Verlust von 489 Millionen Euro, wie Bilfinger am Donnerstag mitteilte. Das war der höchste Fehlbetrag in der Firmengeschichte, die bis 1880 zurückreicht. Im vorvergangenen Jahr hatte das Unternehmen noch einen Fehlbetrag von 71 Millionen Euro ausgewiesen.

Hauptgrund für den Rekordverlust sind den Angaben zufolge Abschreibungen in der Energie-sparte und Aufwendungen für die Restrukturierung des MDax-Konzerns. Vorstandschef Per Utnegaard will Mitte März auf der Bilanz-Pressekonferenz darlegen, wie es bei Bilfinger weitergehen soll.

Bereits eingeplant ist der Verkauf des defizitären Geschäfts mit Energie-Anlagen. Bilfinger baut und rüstet im Auftrag der Betreiber Kraftwerke aus. Allerdings läuft diese Sparte äußerst schlecht, da angesichts der Energiewende kaum noch konventionelle Kraftwerke errichtet werden.

Möglicherweise wird sich Bilfinger auch vom Bau- und Immobiliengeschäft trennen, das bisher den Konzern stützt. „Auch wenn wir im vergangenen Jahr bereits einige wichtige Themen voranbringen konnten, liegt ein anspruchsvolles Jahr 2016 vor uns“, erklärte Utnegaard am Donnerstag. Der Konzern beschäftigt weltweit mehr als 57 000 Mitarbeiter, fast 20 000 davon in Deutschland.

Immerhin: Der Umsatz der Gruppe kletterte um vier Prozent auf knapp 6,5 Milliarden Euro. Auftragseingang und –bestand legten den Angaben zufolge jeweils zweistellig zu. Und: Der Gewinneinbruch war immer noch geringer, als zuletzt vorhergesagt. An der Börse legte die Bilfinger-Aktie zu.

Die Altlasten des Roland Koch

Der Norweger Utnegaard hatte im Juni vergangenen Jahres die Leitung bei Bilfinger übernommen. Seine Berufung geht auf den schwedischen Finanzinvestor Cevian zurück, der gut ein Viertel der Bilfinger-Anteile besitzt. Utnegaards Aufgabe ist es, den Konzern neu aufzustellen und die Altlasten zu beseitigen, die der ehemalige Vorstandschef und CDU-Politiker Roland Koch dort hinterlassen hat.

Koch führte den Konzern von 2011 bis 2014, musste dann aber seinen Posten räumen. Er wollte aus dem einstigen Baukonzern vor allem einen Dienstleistungs-Anbieter formen und kaufte dafür zahlreiche Spezialfirmen auf. Dabei verzettelte er sich jedoch.

Die IG Metall und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt warfen dem Bilfinger-Management am Donnerstag schwere Versäumnisse vor. Nicht nur das Ansehen des Konzerns habe in der Öffentlichkeit gelitten, auch die finanzielle Basis und das Vertrauen der Beschäftigten in den Konzern seien stark ramponiert. „Verantwortlich dafür ist in erster Linie das Top-Management des Konzerns“, heißt es in einem gemeinsamen Flugblatt. „Die Verunsicherung wächst von Tag zu Tag!“

Es sei vollkommen unklar, wohin der Konzern steuere. Erst im vergangenen Oktober habe die Unternehmensleitung eine Zwei-Säulen-Strategie präsentiert, zu der auch das Bau- und Immobiliengeschäft gehören sollte. Schon im Januar habe es wieder geheißen, dass ein Verkauf dieser Sparte geprüft werde. Übrig bleiben würde dann nur die Sparte Industriedienstleistungen.

Neben einer klaren Strategie fordern die Gewerkschaften Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung. Außerdem müssten sich Vorstand und Kapitalgeber dazu bekennen, dass Einnahmen aus Verkäufen einzelner Firmen wieder in das Unternehmen gesteckt werden und nicht in Form von Sonderausschüttungen an die Investoren fließen.

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