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Banken Warum US-Banken Milliarden einfahren

Morgan Stanley, Citigroup, Bank of America, JP Morgan: US-Finanzinstitute weisen Gewinne aus, die das Bankerherz jubeln lässt. Deutsche Banken kommen dagegen nicht in die Puschen.

Commerzbank
Auch ein Haus mit vielen Problemen: die Commerzbank. Foto: rtr

Bei solchen Ergebnissen jubelt das Bankerherz. Die US-Bank Morgan Stanley machte im zweiten Quartal einen Gewinn von 2,3 Milliarden Dollar (2,0 Milliarden Euro), die Citigroup wies 4,5 Milliarden Dollar aus, die Bank of America 6,8 Milliarden Dollar und JP Morgan gar 8,3 Milliarden Dollar. Die Deutsche Bank dagegen: 401 Millionen Euro. Darüber allerdings freuen sich die Märkte schon, denn Analysten hatten im Schnitt sogar nur mit 159 Millionen Euro gerechnet.

Die Commerzbank legt erst am 7. August ihre Quartalszahlen vor, aber einen gigantischen Gewinn erwartet auch hier niemand. Im ersten Quartal verdiente die Bank nach Steuern 250 Millionen Euro.

Woran liegt es nur, dass die US-Banken offensichtlich im Geld schwimmen, die deutschen Häuser hingegen nicht in die Puschen kommen? Vergessen werden darf dabei allerdings nicht, wie groß der US-Markt im Vergleich zum deutschen Markt ist. Die US-Banken haben eine gigantisch große Spielwiese mit 325 Millionen potenziellen Kunden, auf der sie sich austoben können. Die Finanzkrise hat in den USA zudem zu einer starken Konsolidierung im Bankensektor geführt, viele Institute wurden geschlossen oder übernommen. Die verbleibenden Häuser sind dadurch mächtiger geworden. 

Vorteil für deutsche Kunden

Auch in Deutschland hat in den vergangenen Jahren eine Konsolidierung stattgefunden. Dennoch tummeln sich hierzulande immer noch mehr als 1800 eigenständige Kreditinstitute auf dem Markt und konkurrieren um Kunden. Deutschland gilt vielen Experten daher als vollkommen „overbanked“. 

Für die Kunden ist das ein Vorteil, denn Finanzprodukte in Deutschland sind billiger als in anderen Ländern, auch in Europa. Anhänger des deutschen Dreisäulensystems aus Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken weisen zudem gerne darauf hin, dass in Deutschland auch in abgelegenen Regionen eine Versorgung mit Finanzdienstleistungen vorhanden ist – was in anderen Ländern nicht unbedingt der Fall sei. 

Kritiker der Fragmentierung des deutschen Bankenmarktes hingegen betonen, dass der große Wettbewerb zwischen deutschen Banken die Gewinnmargen zerstöre und damit die Konkurrenzfähigkeit der hiesigen Kreditinstitute gefährde. 

Tatsächlich stehen auch Großbanken in Europa besser da als die deutschen Institute. Die Zahlen für das zweite Quartal liegen noch nicht vor, aber im ersten Quartal vermeldete die französische BNP Paribas einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro, die niederländische ING von 1,2 Milliarden Euro, die spanische Banco Santander von 2,1 Milliarden Euro, die italienische Unicredit von 1,1 Milliarden Euro. Schaut man sich den Börsenwert verschiedener US- und europäischer Banken an, so steht es um die deutschen Großinstitute richtig schlecht.

Tatsache ist, dass sowohl die Commerzbank als auch die Deutsche Bank strukturelle Probleme haben und sich seit Jahren im Dauerumbau befinden. Tatsache ist mit Blick auf die Deutsche Bank aber wohl auch, dass man einfach nicht alles haben kann. Die US-Banken machen momentan große Teile ihrer Gewinne im Investmentbanking. Das fährt die Deutsche Bank derzeit in vielen Bereichen deutlich zurück – was viele Analysten und auch die Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert hatten. Dadurch könnte die Bank in den kommenden Jahren stabiler werden, denn das Investmentbanking ist sehr schwankungsanfällig. Vieles, was in guten Zeiten einmal hohe Gewinne gebracht hat, dürfte damit aber auch wegfallen. 

Die US-Banken profitieren momentan zudem von den steigenden Zinsen in den USA. Das treibt den Zinsüberschuss der Institute. In Europa kämpfen die Finanzhäuser derweil weiter mit den Niedrigzinsen. Und mit hohen Kosten. „In Zentraleuropa und insbesondere in Deutschland haben die Banken von jeher eine sehr hohe Kostenstruktur. Das ist in den USA anders, die Institute sind dort flexibler. Dort ist es ja zum Beispiel auch viel einfacher, Personal spontan zu entlassen“, sagt Dirk Müller-Tronnier, Bankenexperte bei der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. 

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