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Banken „Deutsche Bank betreibt Desinformation“

Auch wenn die Deutsche Bank nach Horrorjahren den ersten Schritt zurück in die Spur geschafft haben mag: Analyst Dieter Hein sagt dem Finanzinstitut im Interview mit der FR eine düstere Zukunft voraus.

Logo der Deutschen Bank
Der Analyst Dieter Hein hat bei der Deutschen Bank keine positive Überraschung bemerkt. Foto: rtr

Herr Hein, die Deutsche Bank hat positiv überrascht. Gibt das Hoffnung auf eine Trendwende?
Da ist mir etwas entgangen. Ich habe keine positive Überraschung bemerkt.

Der Gewinn liegt höher als von den Analysten im Schnitt erwartet. Die Kosten entwickeln sich günstig …
Diese Meldung hat vor einer Woche zu einem enormen Kursanstieg der Aktie geführt. Damit hat die Bank aus meiner Sicht eine geschickte Desinformationspolitik betrieben. Denn in ihren Finanzberichten und Meldungen erweckt sie durch bewusstes Weglassen von wichtigen Informationen, wie zum Beispiel der Vorjahreszahlen, einen irreführenden, aber für sie günstigen Eindruck von der geschäftlichen Entwicklung.

Können Sie ein Beispiel geben für Informationen, die fehlen?
In ihrem Bericht zum zweiten Quartal feiert sich die Deutsche Bank dafür, dass sie einen Gewinn von 401 Millionen Euro erzielt habe. Tatsächlich liegt aber der den Aktien zustehende Gewinn bei gerade 69 Millionen Euro. Diese Zahl finden Sie nirgends in dem Quartalsbericht. Sie aber würde zeigen, dass das Ergebnis im zweiten Quartal das zweitschlechteste der vergangenen 18 Jahre darstellt. Der Gewinn ist auch im Vorjahresvergleich um 56 Prozent gesunken. Die Kosten sind sogar um ein Prozent gestiegen und die Personalkosten sogar um vier Prozent. Die Zahlen sind schlecht, schlechter als vor einem Jahr.

Dann haben die Börsianer das komplett übersehen. Die Aktie hat sich nach der ersten Meldung zum zweiten Quartal deutlich erholt.
Die Deutsche Bank behauptet ja, sie hätte die Konsensschätzung der Analysten übertroffen. Woher sie diese angeblichen Konsenszahlen hat, verrät sie nicht. Dass der Markt regelmäßig auf die Desinformation der Deutschen Bank hereinfällt, zeigt nur, dass die Finanzmärkte nicht effizient arbeiten.

Mit dem Amtsantritt von Christian Sewing als Chef sind viele Hoffnungen verbunden. Wie bewerten Sie sein Wirken?
Man muss ihm natürlich noch Zeit geben. Bislang hat er für mich nicht geliefert. Ob er das noch schaffen wird, muss sich zeigen. Ich habe Bedenken. Die Deutsche Bank krankt aus meiner Sicht in ihren Ergebnissen seit Jahren an ihrem Festhalten am hochriskanten und wenig profitablen Investmentbanking. Während alle anderen europäischen Banken diese Geschäfte nach der Finanzmarktkrise deutlich heruntergefahren haben, hält die Deutsche Bank unverändert daran fest.

Also keine gute Perspektive für die größte Bank des Landes?
Leider kann ich die nicht erkennen. Die Deutsche Bank geht nach meiner Einschätzung langsam unter. In den vergangenen drei Jahren hat sie bei den Ergebnissen, die den Aktien zuzurechnen sind, jeweils Milliardenverluste eingefahren. 

Interview: Markus Sievers

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