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Bahn-Geschäftszahlen Die Bahn wird politischer

Die Bundesregierung will mehr Einfluß auf das Staatsunternehmen ausüben. Bahn-Chef Richard Lutz schreckt das nicht. Er will den Service der Bahn verbessern.

Streiks in Frankreich
Wo bleibt denn nur der Zug? In Sachen Pünktlichkeit hat die Bahn ihre Ziele 2017 verfehlt Foto: Laurent Cipriani (AP)

Wieder einer, der geht – aber dieses Mal ohne Millionenabfindung. Die Deutsche Bahn hat auf ihrer Bilanz-Pressekonferenz im Berliner Gasometer am Donnerstag bekannt gegeben, dass Werner Gatzer, bisher Vorstand der Bahn-Tochter „Station & Service“, das Unternehmen auf eigenen Wunsch zum Ende des Monats verlasse. Gatzer wechselt als Staatssekretär ins Finanzministerium unter Olaf Scholz. Er erhalte „keine Abfindung“, so Bahnvorstand Ronald Pofalla.

Das ist nicht selbstverständlich. In den vergangenen Tagen hat die Nachricht hohe Wellen geschlagen, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube, der den Konzern 2017 ebenfalls auf eigenen Wunsch verließ, zum Abschied eine Abfindung von rund 2,3 Millionen Euro einstrich. „Wir Manager müssen aufpassen, dass wir nicht die gesellschaftliche Akzeptanz verlieren“, sagt Bahnchef Richard Lutz, seit einem Jahr Grubes Nachfolger, zu der Affäre. Bei aller Emotionalität, mit der die Debatte geführt werde, sei aber zu beachten: Es habe entsprechende Verträge gegeben – und diese seien einzuhalten.

Dass solche Zahlungen gar nicht erst zustande kommen, dafür will die Bundesregierung in Zukunft wohl stärker Sorge tragen. Wie bereits im Laufe der Woche bekannt wurde, will sie ihren Einfluss im Aufsichtsrat des Unternehmens weiter ausbauen: Medienberichten zufolge soll im April Michael Odenwald zum neuen Chefaufseher berufen werden, der bisher Staatssekretär im Verkehrsministerium ist. Er löst den Unternehmer Utz-Hellmuth Felcht ab. Außerdem sollen zwei weitere Bundestagsabgeordnete, je einer von CDU und CSU, in das Gremium nachrücken. Zwei Vertreter der Wirtschaft müssen dafür gehen. Die SPD ist mit der Abgeordneten Kirsten Lühmann bereits vertreten, ihr Platz soll voraussichtlich erhalten bleiben.

Ob Lutz den wachsenden Einfluss der Politik fürchte, die dem Konzern mit ihrem Koalitionsvertrag schließlich auch das engagierte Ziel auferlegt hat, die Passagierzahl bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln? Lutz verneint und betont, dass Politiker und Manager mit der Erhöhung der Passagierzahlen dieselben Ziele hätten.

„Mehr Qualität, mehr Kunden, mehr Erfolg“, das sind laut Lutz die Prioritäten des Konzerns – und zwar in dieser Reihenfolge. Am ersten und wichtigsten Baustein, nämlich der Qualität, hapert es allerdings in der Bilanz für 2017: Die Pünktlichkeitsquote stieg nicht wie geplant, sondern sank im Fernverkehr um 0,4 Punkte auf 78,5 Prozent. Als pünktlich gilt ein Zug, wenn er weniger als sechs Minuten Verspätung hat. Ausgefallene Züge sind dabei nicht miteingerechnet, die Rate liege hier bei rund einem Prozent.

„Da sind wir mit unserer Leistung für unsere Kunden nicht zufrieden“, so Lutz. Und: „Das ärgert uns.“ Das Ziel für 2018 heißt: 82 Prozent Pünktlichkeit. Dafür soll auch rund eine halbe Milliarde Euro in den Grünschnitt investiert werden, um die Auswirkungen von Unwettern und Stürmen auf den Zugverkehr zu reduzieren.

Mehr Kunden und mehr wirtschaftlichen Erfolg hat die Bahn dennoch geschafft: Über 142 Millionen Passagiere reisten 2017 allein im Fernverkehr der DB, das sind 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr und somit der dritte Fahrgastrekord in Folge. Besonders freute sich Lutz über die Zahlen, die er für ein DB-Sorgenkind, nämlich die neue Strecke Berlin-München bekanntgeben konnte, auf der es anfangs zu zahlreichen Pannen und Ausfällen gekommen war. Hier seien die Züge mit 90 Prozent inzwischen überdurchschnittlich pünktlich. Die Zahl der Reisenden habe sich dort verdoppelt, allein in den ersten Tagen seien eine Million Fahrgäste gezählt worden. „Die Strecke brummt“, so Lutz.

Der Fernverkehr ist einer der zentralen Faktoren, die Umsatz und Gewinn nach oben trieben. Einen Rekordumsatz von 42,7 Milliarden Euro und ein Plus von 5,2 Prozent verzeichnet die Bahn, das operative Ergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro. Dazu trugen auch die internationalen Töchter DB Schenker und DB Arriva stark bei. Sie machen inzwischen rund die Hälfte des DB-Umsatzes aus.

Nach Abführung einer Dividende an den Bund bleiben der Bahn unterm Strich noch rund 300 Millionen Euro. Das reicht nicht für die großen Investitionen, die der Konzern plant: In den Netzausbau und neue Züge flossen 2017 bereits 7,5 Milliarden Euro. Für 2018 sind nochmals neun Milliarden Euro eingeplant.

Deswegen verschuldete sich die Bahn im vorigen Jahr erneut um eine Milliarde Euro, damit liegen die Nettoschulden bei 18,6 Milliarden Euro. Auch in diesem Jahr würden neue Schulden aufgenommen, so Lutz. Die Marke von 20 Milliarden Euro solle aber nicht überschritten werden.

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